Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
- Article
- Israel in Waffen
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 118 - 119 (sequence 4)
- Language
- German
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118 Israel in Waffen 119 minder schmerzlich und nicht minder ehrenvoll. Aber als Offizier fällt man in der vordersten Reihe, Das ist vornehmer. Der Krieg sollte hierin Wandel schaffen. Nie zuvor hatten die Juden solche Gelegenheit, kriegerische Tugenden an den Tag zu legen und ihren christlichen Landsleuten zu beweisen, daß sie ihnen hierin durchaus nicht nachstehen, also nicht unwürdig sind, gegebenenfalls auf dem Schlachtfeld ihre Führer zu sein. Und in der Tat, der Krieg hat es bewiesen. Im deutschen Heere allerdings konnten sich die Juden als Führer nur sehr wenig hervortun, da sie zu solchen Stellungen erst während des Krieges zugelassen wrurden, und auch dies nur in den untersten Rängen und in sehr beschränktem Maße. Man erinnert sich, daß ein jüdischer Flieger den Orden Pour le merke erhielt, aber bevor er dieses..... Kinkerlitzchen sich um den Hals hängen durfte, mußte er rasch weggetauft werden. Es sollte nicht heißen, daß ein Jude bei lebendigem Leibe in die Walhalla eingehen konnte. Gleichviel haben, dem verächtlichen und erlogenen Gekläff der Antisemiten zum Trotz, die deutschen Juden als Soldaten im Felde sich die Hochachtung und das Vertrauen jihrer Kameraden in vollem Maße erworben. Es wirkt wie unfreiwillige Komik, wenn der Verfasser des giftgeschwollenen Pamphlets Judas' Schuldbuch" jammert: „Sogar die Frontarmee stellte sich teilweise unter jüdische Führer. So stand an der Spitze des Soldatenrates der 4. Armee ein Herr Levinsohn und vertrat eine halbe Million feldgrauer deutscher Krieger." Da es schwer anzunehmen ist, daß dieser Herr Levinsohn die halbe Million feldgrauer deutscher Soldaten bestochen oder verhext habe, so bleibt nichts anderes übrig, als daß er dank seiner Führereigenschaften ihr Vertrauen gewann und sie sich ihm freiwillig unterordneten. Viel mehr konnten sich Juden als Offiziere in der österreichisch-ungarischen Armee auszeichnen. Und in der Tat, von Kriegsbeginn bis zum Zusammenbruch wußten die amtlichen Kundgebungen sowie die privaten Mitteilungen über die Juden als Mannschaften wie als Führer sehr viel Rühmenswertes, aber nichts Tadelnswertes zu berichten. Doch von den Heldentaten geschlagener Armeen spricht man nicht viel, noch weniger von denen ihrer jüdischen Bestandteile. Es ist indessen sehr zu begrüßen, daß die Juden der einzelnen Länder es sich angelegen sein lassen, eine genaue Statistik ihrer Leistungen im Kriege festzustellen. Am vollkommensten organisiert sind diese Veranstaltungen, von Deutschland abgesehen, in den Vereinigten Staaten; ihnen folgen Frankreich und England. Die österreichischungarischen und die russischen Juden dagegen haben nichts in dieser Richtung unternommen. Die Arbeiten der betreffenden Kommissionen in den Hauptländern der Entente sind noch nicht abgeschlossen, aber die schon jetzt vorliegenden Ergebnisse gewähren ein sehr interessantes' Bild, welches die Juden mit Genugtuung erfüllen kann. Zunächst einige Zahlen (dem jüngsten Bande des American Jewish Year Book entnommen). In der amerikanischen Armee, die man als eine improvisierte ansehen darf, dienten annähernd 250 000 Juden, das macht auf die Gesamtzahl von annähernd 4 800 000 Mann 4—5 o/o, während die Juden in der Bevölkerung der Vereinigten Staaten ungefähr 3 % ausmachen. Die Zahl der jüdischen Soldaten überschritt also um nahezu ein Drittel die zu erwartende Ziffer. Davon waren beinahe 50 000 Freiwillige. Die Zahl der Juden war in den kämpfenden Truppenteilen weit größer als unter den Nichtkombattanten. So dienten in der Infanterie 26,6 o/o der gesamten Armee, aber 48 °/o aller eingereihten Juden; das Signal- und Fliegerkorps machte 7 °/o der Armee aus, es dienten aber darin 15 °/o der jüdischen Soldaten. Im Ingenieurkorps dagegen, welches 11 o/o, der Armee bildet, taten 3 % der eingereihten Juden Dienst. (Dagegen dienten in der Kavallerie, die 2 o/o jder Gesamtarmee bildete, nur 1,3°/o der Juden; diese, fast ausschließlich Städter, eignen sich für die Reiterei weniger.) Ueber ihre Qualitäten äußerte sich Oberstleutnant Douglas Campbell in einer öffentlichen Versammlung am 8. April 1919 zu New York: „Die 77. Division, die zu 40 °/o aus Juden bestand, war die einzige amerikanische Abteilung, die die Aisne erreichte, nachdem sie durch die deutschen Linien tiefer als jede andere eingedrungen war. Sie hat an den größten Kämpfen teilgenommen und ist siegreich geblieben. Die jüdischen Soldaten der 77. Division gehören zu den besten der Welt." Kapitän Harrigan vom 307. Infanterie-Regiment sagt aus: „Die Juden legen im Krieg alle ihre Eigenschaften an «den Tag, welche sie in der geschäftlichen Berufstätigkeit oder im Gewerbe oft so erfolgreich machen. Sie gebrauchen ihre scharfe jüdische Intelligenz im Kriege, wie sie sie in jedem andern Unternehmen^ gebrauchen würden. Die Juden sind wesentlich intelligent, unternehmend, rasch entschlossen. Sie gingen auf eine versteckte feindliche Batterie los, als gelte es, eine geschäftliche Schwierigkeit zu überwinden, und sie erreichten ihr Ziel." Generalmajor Clarence R. Edwards sagte: „Ich kenne Fälle, in denen früher intolerante Nichtjuden forderten, daß Juden zu Offizieren gemacht werden, damit sie Führer sein können." So mancher Offizier, der zu Beginn der Mobilisation auf die Juden als auf städtisch Erzogene (city-bred) mit starkem Zweifel herabsah>