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Ost und West · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1920) · p. Seite 116 - 117

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
Article
Israel in Waffen
Date
1920-05-01
Page
Seite 116 - 117 (sequence 3)
Language
German
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116 Israel in Waffen 117 düngen und Bedürfnissen entgegenzukommen für nötig befunden hätten. Aber je mehr die Anzahl der jüdischen Heeresamgehörigen stieg, desto mehr wuchs in der oberen Region eine Sorge. Hatte man nämlich dea Juden alle Strapazen des Militärdienstes, alle Gefahren des Krieges gegönnt, so gönnte man ihnen 'den Aufstieg zum Offiziersrang nicht. Dieser war ein Privilegium der Adelskaste, von dem sogar die nicht edelgeborenen Christen ferngehalten wurden. Friedrich der Große ließ zwar im Siebenjährigen Kriege eine Anzahl Bürgerlicher höhere Offiziere werden, stieß sie aber nachher unbarmherzig aus. Es machte in Preußen förmlich Epoche, als der Freiherr vom Stein im Jahire 1810 die Zulassung von. Bürgerlichen zum Kadettenkorps durchsetzte. Nun hatte die Emanzipation - alle Schranken hinweggeräumt, rechtlich stand den Juden kein Hindernis mehr im Wege, auf allen Gebieten des bürgerlichen Lebens hatten sie sich hervorragend ausgezeichnet, unter den jüdischen Mannschaften befand sich so mancher, der im Dienste {alle Eigenschaften aufwies, die ihn in jeder Beziehung als durchaus würdig erscheinen ließen, in den Kreis der „erstklassigen** Menschen aufgenommen zu werden, als welche die preußischen Offiziere sich betrachteten. Was sollte man mit diesen Juden anfangen? Ihnen die Öffizierslaufbähn eröffnen,? Wie, wenn der eine oder der andere sie bis zum äußersten Ende durchmessen, Major, Oberst, General oder gar — man scheut sich/s auszusprechen — Feldmarschall, im Falle eines Krieges eine Armee kommandieren und Kriegslorbeeren ernten würde? Zuzutrauen war das den Juden schon, wenn man bedachte, wie sie in der kurzen Spanne Zeit, seitdem ihnen der Zutritt zu den Hochschulen offen stand, auf allen Gebieten der Natur- und der Geisteswissenschaften sowie der Kunst zu Leistungen allerersten Ranges sich emporgeschwungen hatten, die am Ende doch auch gar nicht zu verachtende geistige und sitt-; liehe Fähigkeiten erforderten. Da hieß es: prineipiis obstal Gleich an der Schwelle mußte dem Juden die Türe vor der Nase zugeschlagen wer-? den. Nicht einmal Reserveleutnant sollte er wer^- den können. Gleich beim ersten Schritt mußte <ler Riegel vorgeschoben werden. Die Verfassung erlaubte es, die Heeresverwaltung hatte, nach wiederholten Erklärungen des Kriegsministers, nichts dagegen, ebensowenig der oberste Kriegsherr. Aber das Offizierkorps lehnte jeden jüdischen Offiziersaspiranten rundweg ab, auch wenn er alle strengsten Bedingungen erfüllte. Und das Offizierkorps war autonom, brauchte niemandem Rechenschaft abzulegen. Das Offizierkorps aber hätte sich degradiert gefühlt, wenn ein Jude zum edlen Waffenhandwerk zugelassen wäre und Gelegenheit hätte, sich hier so hervorzutun wie etwa auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Industrie, der Technik, der Finanzen. Was sollte aus! dem Privilegium werden, welches der Geburts- und Schwertadel so eifersüchtig hütete? Das war eine heikle Sache. Und sie wurde noch heikler dadurch, daß in der Armee des einen Verbündeten Juden es bis zum Generalleutnant brachten, in der des anderen, Italiens, sogar Generale, Kocrpskommandanten und Kriegsminister wurden3). Man sprach in Preußen-Deutschland dem Juden als solchem die Eignung zum militärischen Führer ab: Würde, Autorität, ja sogar patriotische Opferwilligkeit; ein Jude als hoher Offizier könnte sich bei seinen Untergebenen keinen Respekt und Gehorsam verschaffen. Hieß das nicht, die Schlagkraft der verbündeten Armeen arg anschwärzen, ja sogar untergraben? Oder sollen die Deutschen allein nicht imstande gewesen sein, ihrei Juden zur Höhe der arischen Kriegstugenden emporzuheben? ... JDabei waren die, welche die Juden für unfähig erklärten, militärische Führer zu sein, durchaus keine Judenfeinde, nur wollten sie keine Juden unter sich haben. Und auch! die Judenfeinde unter ihnen waren wenigstens keine — Jüdinnenfeinde. So kam es Jiäufig, daß Fräulein Pinkus oder Fräulein Kohn Frau Generalin werden konnte, wenn sie die nötigen Millionen besaß, der leibliche Bruder dagegen — schneidig, korrekt, glänzender Reiter, vollendeter Sportsmann und Fechtkünstler, tadellose Manieren, elegantes Auftreten, hochgebüdet, gut angezogen, im Dienste bewährt, bei Mannschaften und Kameraden beliebt, freigebig, im! Besitze eines, sehr standesgemäßen Zuschusses — nicht einmal Reserveleutnant werdeän konnte und gezwungen war, durch sein ganzes Leben als1 gemeiner Vizefeldwebel zu trotten. Die Sache war peinlich3*). Und je mehr man die Führereignung der Juden in Zweifel zog, desto stärker wuchs bei ihnen die Sehnsucht nach den Epauletten. Der Schrei nach dem Reserveleutnant hallte durch unsere Reihen. Es war ein Ehrenpunkt. Solange wir nicht Zutritt zum Offizierkorps hatten, galten wir in unseren eigenen Augen nicht als vollwertig-. Zwar kann man für das Vaterland auch als gemeiner Soldat sterben, und der Tod ist nicht 3) Beim ersten Besuch Kaiser Wilhelms in Rom wurde das ihm vorgeführte Ehrenkorps von General Giuseppe Ottolenghi kommandiert. Dieser entstammte einer alten Rabbinerfamilie, die im 13. Jahrhundert aus Oett- I i n g e n nach Italien eingewandert war. 3*) In solchen Fällen war es üblich, daß dem jüdischen Aspiranten, nachdem er die Offiziersprüfung mit Auszeichnung bestanden, vom Vorgesetzten mit preußischer Höflichkeit und Eindringlichkeit nahegelegt wurde, das Aufnahmegesuch freiwillig zurückzuziehen, »um kein böses Blut zu machen".

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