Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1920)
- Article
- Die Erforschung der alten Synagogen in Galiläa
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 92 - 93 (sequence 3)
- Language
- German
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92 Die Erforschung der alten Synagogen in Galiläa. 93 Abb. 3. Kerä^e^Chorazin). Wandfriesstück, links mit verstümmeltem Kentaur. Abb. 5. Keräze(Chorazin). Säugende Löwin (nach Dalman: Eselin) jüdische Jüngling" das alte, zu dessen Studium er die Ursprache beherrschen müßte, eine Forderung, die angesichts der Belastung der studierenden jüdischen Jugend nur in den seltensten Fällen — unsere reichsdeutschen Verhältnisse vorausgesetzt — erfüllbar ist. Was Wunder also, wenn das Interesse an Kunstforschung in Palästina heute ausschließlich bei den Evangelischen zu finden ist, die die Bücher ihres Glaubens in der eigenen Muttersprache lesen und durchforschen können, die mit gutem biblischem Wissen ins Leben heraustreten. Dort, im Neuen Testament, finden sie an zahlreichen Stellen Synagogen erwähnt, die immer wieder mit dem Leben ihres Heilands verbunden werden. Auch hier treibt deutscher Forschungsgeist, gepaart mit deutschem tiefgründigem Wissen, herrliche Blüten. Und mancher Jude wird überrascht sein, unter den Forschern auf diesem Gebiete Männer zu finden, deren Kenntnis des hebräischen Schrifttums, deren Eindringen in talmudisches (und selbst kabbalistisches) Wisjsen auf eine Stufe gestellt werden kann mit dem gleichwertiger jüdischer Theologen. Zwei deutsche Gelehrte wären hier an erster Stelle zu nennen: Geheimrat Prof. Dr. D. Gustav Dalman (Greifswald) und Prof. Dr. Carl Watzin g er (Tübingen). Ersterer, der jahrelange Leiter des „Deutschen evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes", ist der Herausgeber der ausgezeichnetem Palästina-Jahrbücher1), dessen Aufsätze wiederholt die jüdischen Altertümer des Landes behandelten. Als hervorragender Kenner Palästinas, das ihm zur zweiten Heimat wurde und erst durch den Krieg verloren ging, beschreibt er die heiligen Stätten und Gräber, Land und Leute, die Wirtschaftsverhältnisse des Landes usw. Seine oftmals durch Abbildungen erläuterten Veröffentlichungen sind eine wahre Fundgrube für das Studium des Heiligen Landes. Daß all diese Forschungen von evangelisch - theologischer Seite ausgehen und veröffentlicht sind, hat es mutmaßlich bewirkt, daß sie — von einem kleinen Interessenkreise abgesehen — der jüdischen Allgemeinheit fast fremd geblieben sind. Nur so ist es zu erklären, daß auch eine andere wissenschaftliche Forschung2) bis heutigen Tages, nicht jenes große und allgemeine Interesse in der deutschen Judenschaft gefunden hat, die sie in Anbetracht ihrer hochwertigen Materie verdient: es ist die 29. wissenschaftliche Veröffentlichungder Deutschen Orientgesellschaft, „Antike Synagogen in Galiläa" von Kohl und W a t z i n g e r. Die Kenntnis von dem Vorhandensein dieser jüdischen Kultstätten reicht bis zum Jahre 1852!) Letzter Jahrgang 1917, Berlin 1917, Mittler & Sohn, 5,75 M. 2) Verlag von J. C. Hinrichs, Leipzig 1916, Preis 60,— M. und Zuschläge. Abb. 4. Keräze (Chorazin). Wand friesstück. Kentauren, von Löwen überfallen. (Rechts die Pranken * sowie das Gebiß des Löwen ersichtlich, links die Hinterbeine des Kentauren.)