Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1920)
- Article
- Die Erforschung der alten Synagogen in Galiläa
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 90 - 91 (sequence 2)
- Language
- German
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90 Die Erforschung der alten Synagogen in Galiläa. 91 ' ■■*WM#3^j . Wä 1 L 1 liMta IbII i «P I *~ ff 3fEu |,_jL 8. Hl :&'-f-# 1^^*^» Abb. 1. KefrBir'im. Wiederherstellung der Eingangsfront und Vorhalle (Südseite). liehen und Siedlungsfragen betätigt. Wer dachte bisher an die noch ungehobenen Kunstschätze des Landes? Ja, wer glaubte bisher überhaupt an jüdische Kunst, an künstlerische Leistungen eines Volkes, das unter dem Banne des Verbotes jedweder künstlerischen Betätigung' — so dachte man bislang irrtümlich — (gestanden hatte? Noch weniger vermutete man im Heiligen Lande Reste antiker Synagogen. Und das ist —■ hei aller hierbei obwaltenden Gedankenlosigkeit — dennoch erklärlich. Denn die Synagoge der Diaspora, mußte den Juden stets mehr oder weniger als ein Notbehelf erscheinen, als Versammlungsort der Gläubigen, die hier dem himmlischen Vater ihr Gebet darbieten als Ersatz des gesetzlich vorgeschriebenen Opfers. Sonach verstand man nicht recht die Notwendigkeit des Vorhandenseins solcher Bethäuser im. Heiligen Lande, das doch in seiner Hauptstadt das Nationalheiligtum der Juden, den Tempel, barg. Wer aber die heiligen Bücher der Juden besser kannte, wußte, daß (es anders war, daß Synagogen schon zur Zeit des Tempels über die Provinz zerstreut waren, ja daß sogar dieser selbst einen Teil seiner Räume, die Quaderhalle, den Zwecken der Synagoge abtreten mußte. Kein Geringerer als Esra war es, der diese Institution nach der Rückkehr der Juden aus dem Exil beibehielt, diese weiter ausbauend und vertiefend. Blieb sonach die Kenntnis vom Vorhandensein ehemaliger Synagogen in Palästina fast ausschließlich auf Kenner des alten jüdischen Schrifttums beschränkt — und unter diesen gab1 es, entsprechend dem Bildungsgänge des modernen Judentums, nur sehr wenige kuoisthistorische Forscher und Architekten —, so fand diese Frage um so eifrigere Förderer unter den Protestanten. Bei diesen ist die genaue Kenntnis ihrer religiösen Bücher ein wesentlicher Bestandteil der Studien; sie lernen ihr Neues Testament ungleich gründlicher im Konfirmationsunterricht kennen als der Abb. 2. Keraze (Chorazin). Wandfriesstück mit kelternden Männern.