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Ost und West · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1920) · p. Seite 35 - 36

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1920)
Article
Der jüdische Radikalismus
Date
1920-01-01
Page
Seite 35 - 36 (sequence 7)
Language
German
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35 Der jüdische Radikalismus. 36 ERZIEH UNO ZUR REVOLUTION. Allein für uns ist diese Frage minder wichtig. Auf jeden Fall ist es eine Form des extremsten sozialen und politischen Radikalismus. Und da müssen wir uns die Frage vorlegen: Wie kommt es, daß diese extremradikale Partei so viele Juden in ihren Reihen zählt? So blödsinnig und verlogen nämlich das Märchen ist, daß der Bolschewismus nur ein jüdisches Gewächs", und sämtliche Juden Bolschewisten sein, so wenig läßt sich leugnen, daß unter den bolschewistischen Führern eine auffallend große Zahl von Juden sich findet. Der Bolschewismus ist eine echt russische Pflanze, ist ohne den russischen Volkscharakter, wie ihn Tolstoj, Dostojewski, Garschin und Gorki geschildert haben, unverständlich. Das haben die besten deutschen Kenner Rußlands oftmals hervorgehoben. Und er ist eine Frucht der sozialen Gliederung der russischen Gesellschaft, und vor allem der russischen Regierungsmethoden. Daß eine so unerwünscht große Anzahl von Juden sich in seinen Reihen befindet, ist nur ein Beweis, daß einegroße Anzahljuden sichdnn erli ch vomjudentum losgelöst hat und im russischen Geistaufgegangenist, sich seine Denkweise, seine Gefühlsart und seinen Stimmungsgehalt angeeignet hat. Rein äußerlich kommt dies darin zum Ausdruck, daß; bis auf ganz vereinzelte Fälle, die jüdischen Bolschewistenführer ihre vermeintlich jüdisch klingenden Namen mit echt russischen vertauscht haben. Sie haben das letzte Band, das sie mit ihrer Herkunft verknüpft, zerrissen, sie wollen vom Judentum nichts wissen. Daß sie mit der jüdischen Religion, mit den Lehren des Judentums keinerlei Zusammenhang haben, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die meisten von ihnen haben nie im Leben ein jüdisches Buch gelesen, nie eine Synagoge von innen gesehen, nie ein jüdisches Fest mitgemacht, »nie -eine jüdische Gefühlsbewegung oder Stimmung erlebt, nie einen jüdischen Gedanken gehegt. Nur das Leibliche an ihnen ist jüdischen Ursprunges. Es hat sich auch keiner von ihnen je mit der Judenfrage in Rußland beschäftigt, die doch wahrlich die Aufmerksamkeit Jüdischgeborener nicht minder verdient, als die Bauern- und Arbeiterfrage. Die Juden existieren, für sie einfach nicht. Das gilt für die jüdischen Radikalen aller Art, in allen Ländern. Stellt man einen von ihnen zur Rede und erinnert ihn daran, daß es doch seine moralische Pflicht wäre, seine Kraft der Lösung der Judenfrage zu widmen, zumal die Arbeiterklasse aller Länder ja Beschützer und Vorkämpfer genug in ihrer eigenen Mitte birgt, so antwortet er, daß* die Lösung der sozialen Frage und die Befreiung des Menschengeschlechtes durch Herbeiführung einer besseren Gesellschaftsordnung eo ipso die Judenfrage aus der Welt schaffen wird. Sie alle jedoch geben sich der Hoffnung hin, daß damit nicht nur die Judenfrage, sondern zugleich auch die Juden aus der Welt geschafft werden. Es gibt keine entjudeteren Juden als die jüdischen Radikalen. Sie stehen im Leben allem Jüdischen gänzlich fern, und noch im Tode wollen sie mit den Juden nicht vereint sein. Es ist nur eine symbolische, aber tief bedeutsame Handlung, daß die jüdischen Sozialisten und Radikalen nicht auf dem jüdischen Friedhof bestattet sein wollen. Sie sind alle freilich aus dem Judenrum hervorgegangen, aber auch' aus ihm hinausgegangen. Sie haben nichts mit ihm gemein. Sie haben die ererbten Fähigkeiten und Tugenden ihres Stammes mit hinausgenommen und in den Dienst der Sache gestellt, der sie hingegeben sind. Denn was sie der jüdischen Gemeinschaft heimbringen, was sie ihr eintragen, ist der Undank der Außenwelt, der böse Ruf des Zerstörertums, des „zersetzenden Geistes", der satanischen Negation, der Feindschaft gegen die bestehende Gesellschaftsordnung, gegen die christliche Kultur. Die jüdischen Vorkämpfer der Revolution, mögen sie heißen wie sie wollen, ob es Marx und Lassalle, ob Trotzki; oder Rosa Luxemburg, oder Eisner und Haase sind — wir brauchen sie schließlich nicht zu verleugnen. Manche von ihnen waren in geistiger Beziehung genial veranlagt, aber auch den Mittelmäßligen und Unbedeutenden wird kein gerecht Denkender, mag er ihre Lehren noch so 'verdammen, hohe moralische Qualitäten absprechen, als da sind Tapferkeit, Bekennermut, Uneigennützigkeit, Todesverachtung, Hingabe und Treue für ihr Ideal. Alle diese Gaben und Eigenschaften, die sie doch ihrem Stamm verdanken, kommen diesem Stamm nicht zugute, sondern in ihrer Auswirkung werden sie ihm zu Verderbern. Die,,Elemente der Ordnung" schnauben Rache gegen alle Juden für die Wirksamkeit der jüdischen Radikalen, und die jüdischen Massen im Osten haben für Trotzki und Joffe bereits mit Strömen Blutes bezahlt, und wie teuer ihnen diese Heiden noch zu stehen kommen werden, wird die Zukunft lehren. Fragt man . sich aber, wie es komme, daß eine für die Juden so verhängnisvoll große Zahl von Auch-Juden, von Namens-Juden in den Reihen des extremen Radikalismus zu finden sind, so stellt sich als Ursache heraus die lange Entrechtung, die in Mitteleuropa eigentlich erst seit einem Menschenalter formal aufgehoben, aber im tiefsten Grunde noch lange nicht überwunden ist und die Juden stets in die Opposition drängte. In England klagte der alte Gladstone die Juden an, daß sie hartgesottene JConservative und Uni o nisten wären und stets auf der Seite Salisburys und seiner Parteigänger ständen. Auf dem Kontinent, namentlich in Deutschland, war und ist das Entgegengesetzte der Fall. Zumal in Rußland hat die systematische Ausrottungspolitik der Regierungden Juden gegenüber sie dem Radikalismus und schließlich dem Bolschewismus in die Arme getrieben. Der Jude konnte in Rußland niemals zur staatlichen Autorität wie zu einem Beschützer aufblicken. Die Regierung und alle ihre Organe vom Zaren bis hinab zum Polizisten traten ihm als Feinde und Verfolger entgegen. Er hatte nie die Möglichkeit, seine natürlichen, in jahrhundertelanger Zucht erworbenen geistigen Gaben im Dienste der Oeffentlichkeit zu verwerten. Alles, was von oben kam, bedrohte ihn mit Verderben. Nun war es ja unausbleiblich, daß schließlich der Geist des 19. Jahrhunderts, nämlich Bildung und Aufklärung, auch in die engsten Gassen der russischen Städtchen eindrang und eine Klasse von intelligenten, tatkräftigen jungten Menschen aussonderte, die sich nach einem breiteren Leben sehnte und zugleich den Druck doppelt scharf empfand und gegen ihn aufbegehrte. Für ihre Kräfte fand diese Klasse in dem Getriebe der Staatsmaschine keine

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