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Ost und West · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1920) · p. Seite 31 - 32

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1920)
Article
Der jüdische Radikalismus
Date
1920-01-01
Page
Seite 31 - 32 (sequence 5)
Language
German
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31 Der jüdische Radikalismus. 32 Antisemitismus als integrierender Bestandteil. Die Organe Dmowskis an Polen predigten immer rückhaltloser den Pogrom und den Boykott, Paderewski ließ in Amerika die Maske fallen und in der polnisch-amerikanischen Presse stieg die antisemitische Welle immer höher. Der Zusammenbruch Oesterreich-Ungarns war das Signal zu einem offenen Ausrottungskrieg gegen die Juden, als deren erster Anhieb der Lemberger Pogrom zu betrachten ist. Es folgten zahllose große und kleinere Pogrome in fast ununterbrochener Reihe. Der Krieg gegen die Juden wurde dauernd. Das war nur die Erfüllung des nationaldemokratischen Programms, wie es seit fünfzehn Jahren festgelegt und ausgebaut wurde. In Amerika rief diese scheinbar neue Judenpolitik der Polen laute Proteste hervor, und um ihnen zu begegnen, verbreitet die amerikanische Polenpresse unaufhörlich das (Märchen, daß alle Bolschewisten Juden und alle Juden Bolschewisten seien. Die Polen haben die doppelte Aufgabe: den Bolschewismus in Rußland und den Bolschewismus in Polen, die beide von den Juden gemacht werden, zu bekämpfen; im Innern dienen dazu die Pogrome, nach außen die Feldzüge in die Ukraine, nach Wolhynien, weit nach dem Osten. Es ist lehrreich, die amerikanisch-polnischen Tageblätter zu verfolgen. Da ist Polen von der Entente beauftragt, die Hydra des Bolschewismus im Osten zu zertreten, damit sie sich nicht auf Europa stürze und schließlich auch Amerika in ihre Gewalt bekomme. Zu dem Zweck muß Polen eine mächtige Armee ausrüsten, die Armee aber hat leider keine Stiefel, keine Hosen, keine Mäntel, diese nützlichen Dinge muß ihr Amerika auf Pump liefern. Sonst müßte die polnische Armee im nordischen Winter jämmerlich erfrieren, und die Juden würden sich Europas, dann Amerikas bemächtigen. Die Amerikaner werden beschworen, durch Sendung von Kleidungsstücken und Munition, na, und Geld, was das wichtigste ist, nach Polen die christliche Zivilisation Europas zu retten. Die polnische Armee ist so tapfer! Jeden Tag bringen die polnischen Blätter in Riesenlettern auf der ersten Seite jubelnde Nachricht von den polnischen Siegen über die rote Armee der jüdischen Bolschewisten. Unaufhörlich rücken die Polen vor, bald stehen sie vor Petersburg, bald vor Moskau, bald vor Odessa. Zwischendurch haben sie in einem halben Dutzend Städten, die aber sehr weit von Petersburg, Moskau und Odessa liegen, so und so viel jüdische Greise, Frauen und Kinder — lauter Bolschewisten! — gehängt und massakriert! Nur noch eine Weile, und dieser verfluchte Bolschewismus, der Schrecken aller gesitteten Menschen, der sich weigert, den Franzosen die Milliarden zurückzuzahlen, wird auf die Knie gezwungen werden. Mittlerweile wird Judenitsch, wird Koltschak, wird Denikin unaufhörlich von den Bolschewisten geschlagen, und zwar trotz der ausgiebigen Unterstützung von Seiten Englands und Frankreichs! Ist das nicht ein ganz unglaubliches Wunder? Nach der Abtrennung Litauens, Polens und der Ukraina blieben in Großrußland im ganzen etwa 300 000—400 000 Juden, und diese gestern noch rechtlosen Parias, gehetzt, verfolgt und getreten, haben sich der Herrschaft über die ungefähr 120 Millionen bemächtigt, die das unermeßliche Reich bewohnen,, knechten die ganze Bevölkerung, kehren die Gesellschaftsordnung von unterst zu oberst, rüsten Millionenheere aus, die nicht nur die siegesgewohnten russischen Generäle aufs Haupt schlagen, ihren Truppen eine Niederlage nach der anderen bereiten und sie in einem fort zurückdrängen, sondern sogar dem tapferen Volke der Polen standhalten, welches vor 200 Jahren die Türken und Tataren von den Pforten Europas abwehrte. Wenn die Amerikaner den polnischen Mären aus dem fernen Osten lauschen, müssen sie sich sagen: entweder besteht die ganze Bevölkerung Rußlands aus lauter Juden, die Nichtjuden bilden nur einen verschwindend geringen Bruchteil, der sich verzweifelt gegen den jüdischen Bolschewismus wehrt; oder die Juden besitzen übermenschliche Tapferkeit, unerhörte Herrscher- und Feldherreneigenschaften; oder endlich,, sie verfügen über eine geheime Zauberkraft, die die Scharen der Hölle in ihren Dienst zwingt. Vielleicht aber ist es wahr, was ein deutscher Antisemitenführer in einem der gehässigsten und dümmsten Bücher der jüngsten Zeit sagt1), die Juden haben einen „Basiliskenblick", mit dem sie die Nichtjuden unter ihren Bann zwingen. Man male sich das Bild aus: ein jüdischer Bolschewist blickt hunderttausend gutmütigen Russen in die Augen, sofort werden sie starr, verwandeln sich in Puppen, werden willenlose Werkzeuge in seinen Händen, gehorchen ihm auf Tod und Leben; er braucht nur zu winken, und sie ziehen nach der Himmelsrichtung, die ihm beliebt; sie schlagen Judenitsch, Koltschak und Denikin, nehmen Sozialisierungen und Enteignungen vor, stecken Städte in Brand, verteilen den Boden unter die Bauern und machen schließlich Pogrome, nicht schlechter als die Kosaken .. „ Dabei ist es interessant, daß dieselben polnisch-amerikanischen Blätter nicht müde werden,, ihren Lesern zu erzählen, was für ein feiges Gesindel diese Juden seien, wie sie das Hasenpanier ergreifen, sobald sich ein polnisches Bataillon blicken läßt, wie sie sich ins Mauseloch verkriechen mitsamt ihren Weibern und Kindern, wenn eine polnische Büchse knallt . . . Dieser methodische Kampf der amerikanischen Polen gegen die Juden (auch den Boykott der jüdischen Geschäfte in [mehreren Großstädten Amerikas haben die Polen proklamiert) ist ein Symptom, welches die amerikanischen Juden sehr beachten sollten. Er ist eine Folge der ungeschickten und unbedachten Politik, welche von unberufenen und ungebetenen Beschützern der polnischen Juden in Amerika seit Beginn des Krieges geführt wurde. Gegen die polnischen Unabhängigkeitsbestrebungen wurde da eine einfältige und zwecklose Propaganda gemacht, über die keiner so befriedigt war wie die russischen Imperialisten und die Alldeutschen. Man hatte von dem wirklichen Verlauf der Dinge und den Kräfteverhältnissen in Europa keine Ahnung. Nun, da der Kampf entfesselt ist, scheint man ihm in Amerika nicht im entferntesten die gebührende Beachtung zu widmen. Mittlerweile verbreiten die Polen in englischer, spanischer und portugiesischer Sprache Broschüren in Hundertx) Wilhelm Meister: „Judas Schuldbuch", München 1919» S. 147.

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