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Ost und West · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1920) · p. Seite 29 - 30

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1920)
Article
Der jüdische Radikalismus
Date
1920-01-01
Page
Seite 29 - 30 (sequence 4)
Language
German
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29 Der jüdische Radikalismus. 30 liarden Goldfranken zu 6 °/o mit Zins und Zinses- .zinsen auf dem Spiel. Es ist nun (eine bedeutende Erleichterung, sich und der Welt einzureden, daß dieses ganze Unheil nur von einem Häuflein Juden ^angeri cht et wurde. Die Polen, die ihr kostbares Blut opfern, um den Bolschewiki den Garaus zu machen, sind des herzlichsten Wohlwollens und jeglicher diplomatischen und militärischen Unterstützung von Seiten Frankreichs sicher. Die Pogrome sind offenbar ein notwendiger Bestandteil des notwendigen rücksichtslosen Kampfes gegen den Bolschewismus. In diesem Sinne wirkt das „Polnische Nationalkomitee" unter Dmowski in Paris, und die ganze französische und <ein gewichtiger Teil der welsch-schweizer Presse leistet ihr wackeren Beistand. Daher verschweigt und unterdrückt die Pariser Presse alle Nachrichten über die polnischen Judenpogrome, daher auch der scharfe antisemitische Wind, der von Frankreich seit mehr als einem Jahre weht. Da die Juden so nichtswürdig sind, daß sie sich an das heilige französische Gold vergreifen, darum geschieht ihnen schon recht, wenn sie zu Tausenden massakriert, wenn ihre Greise und Kinder gemordet, ihre Frauen geschändet, ihre Häuser niedergebrannt und ihre Habe geplündert wird! Die Polen verteidigen die europäische Kultur, die heiligsten Güter der Menschheit, gegen die gottverfluchten jüdischen Bolschewisten, die die ganze Gesellschaftsordnung der europäischen Menschheit mit dem Untergange bedrohen. Sind sie nicht aller Unterstützung und Förderung in diplomatischer und militärischer Hinsicht wert? Je mehr sie gen Osten vordringen, je mehr fremde -Gebiete sie unter ihre staatliche OJberhoheit bringen, desto mehr europäischer Boden wird dieser schrecklichen Sintflut abgerungen, die das Abendland zu überschwemmen droht. Es, wird ein Segen für Europa sein, wenn die Polen nicht nur Ostgalizien, sondern Weißruthenien, Litauen, beträchtliche Strecken von Großrußland und vor allem die halbe Ukraine ihrem neuen Reich angliedern werden. Der General H a 11 e r hat den Plan entworfen, die ganze Ukraine mit Odessa seinem Vaterlande einzuverleiben und ein Polen von Meer zu Meer aufzurichten, .also den Traum der extremsten polnischen Chauvinisten zu verwirklichen. Die Polen werden dann einen eisernen Damm gegen die jüdisch-bolschewistische Pest aufführen, und auf der Wacht Europas im Osten stehen, „die Vormauer der Zivilisation" im Osten bilden, wie ehemals zu Zeiten der Türken- und Tatarenkriege, als König Joxiann Sobieski in der Schlacht bei Wien 1683) die christliche Kultur davor rettete, unter das Joch der mohammedanischen Barbarei zu .geraten . . . Man sieht, wie hier das Märchen von den jüdischen Bolschewisten nicht -nur die polnischen Judenpogrome rechtfertigt, sondern auch dem polnischen Annexionismus und Imperialismus einen glänzenden Vorwand bietet. Mit dieser Mär gehen die Polen besonders in Amerika krebsen. In Amerika leben ungefähr vier. Millionen Polen, sie verfügen über eine sehr ausgebreitete Presse und zahlreiche mächtige Organisationen auf katholisch-nationaler Basis. Der polnische Klaviervirtuose Paderewski residierte vorwiegend in Amerika, wo <er, gleich anderen berühmten Musikanten, ein Liebling der Damenwelt war und auf diesem Wege in der politischen Welt Einfluß, gewann, den er dazu benutzte, eine öffentliche Rolle zu spielen. Er war mit dem Präsidenten Wilson befreundet und verstand es, ihn für das zerstückelte und unterjochte Polen zu gewinnen. Die plumpe Roheit und offene Rechtsverletzung der preußisch-häkatistischen Polenpolitik hatte seit jeher in Amerika starke Antipathien gegen Deutschland und lebhaftes Mitgefühl mit den Polen erweckt, zumal in Amerika noch eine dunkle Erinnerung an den polnischen Nationalhelden Kosciuszko fortlebt, der im amerikanischen Befreiungskriege mitkämpfte. Alle diese Imponderabilien benutzte Paderewski virtuos und schuf in den Vereinigten Staaten vornehmlich mit Hilfe seines begeisterten weiblichen Anhanges eine Stimmung, die der polnischen Sache um iso günstiger wurde, je mehr die deutsche Diplomatie und Kriegführung es verstand, die öffentliche Meinung gegen sich aufzureizen. Den Juden ständ Paderewski ursprünglich recht freundlich gegenüber, verkehrte im Ausland mit Vorliebe in jüdischer Gesellschaft, hatte einen jüdischen Sekretär, ließ sich sogar das Libretto zu der von ihm verfaßten Oper von einem Juden schreiben. Nach dem Russisch-Japanischen Krieg bekehrte er sich zu den Ansichten der polnischen Natilonaldemokratie, die eine Aussöhnung mit Rußland befürwortete, und im Gegensatz zu der früheren polnischen Tradition den Antisemitismus guthieß. (Paderewskis Frau, die Tochter eines russischen höheren Ochrana-Offiziers in Warschau, soll1 diesen Umschwung seiner Gesinnungen herbeigeführt haben.) Paderewskis Gesinnung wandelte .sich immer mehr ins Judenfeindliche, und im Jahre 1912 finanzierte er mit seinen reichen Mitteln den von der Nationaldemokratie organisierten Warschauer Judenboykott und gründete das gehässigste antisemitische Hetzblättchen, die weitverbreitete ,^Dwa Grosze". Seit Ausbruch des Krieges arbeitete er in Amerika für sein Vaterland, zunächst nur im charitativen Sinne, seinen Antisemitismus stellte er einstweilen zurück, ja, er rühmte sich, unter den hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten Amerikas zahlreiche Freunde zu haben. In der Tat war er gleich der berühmten polnisch-amerikanischen Schauspielerin Helena Modrzeiewska am Anfang seiner Karriere vielfach von Juden gefördert worden, besonders von solchen, die aus Polen stammten und es in der Neuen Welt zu Reichtum und Einfluß gebracht hatten. Wegen des Bündnisses der Entente mit dem zarischen Rußland schwankten die amerikanischen Polen anfangs zwischen den beiden kriegführenden Parteien. Die Nationaldemokratie, deren Führer Dmowski mit der Regierung Nikolaus II. einen Pakt geschlossen hatte und der mit Empfehlungen Sasonows nach Paris gekommen war, um hier das Polnische Nationalkomitee zu organisieren, war unter den Polen in Amerika äußerst unpopulär. Nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg und dem bald darauf erfolgten Zusammenbruch Rußlands trat jedoch ein jäher Umschwung ein, gewann die Politik der Nationaldemokratie Oberwasser, stie erschien als* die wahre Befreierin und Wiederherstellerin Polens, ihr politisches Rezept galt als das Programm Her Zukunft, und zu diesem Programm gehörte der

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