Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1920)
- Article
- Der jüdische Radikalismus
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 25 - 26 (sequence 2)
- Language
- German
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25 Der jüdische Radikalismus. 26 heutigen Tag nicht abgefunden, haben sie prinzipiell noch immer nicht anerkannt und lauern nur auf jede Gelegenheit, sie in Frage zu stellen. Wenn sie die Macht hätten, würden sie sie am liebsten aufheben und die Juden unter Fremdenrecht stellen. Es ist also kein Wunder, daß die Juden im Heerbann des Liberalismus marschierten, seine Denkweise und Anschauungen sich zu eigen machten und auf alle seine Lehren schworen. Daraus ergab sich für die Konservativen zweierlei. Zunächst wurden die Liberalen als Judenknechte, als Judenschutztruppe verschrien, die sich den Juden mit Haut und Haaren verkauft haben und die heiligsten Güter des christlichen Volkes ihnen schnöde ausliefern wollen. Sodann wurde der ganze Liberalismus als ,,jüdische Erfindung" gebrandmarkt. Seine umstürzlerischen Lehren, die den christlichen Staat und die ganze christliche Gesellschaftsordnung in den Grund und Boden bohren wollen, seien sämtlich jüdischen Köpfen entsprungen. Der Liberalismus sei „verludet", nicht nur in dem Sinne, daß man alle Juden in seinen Reihen finde und seine sämtlichen Führer und Parteigänger Juden seien, sondern er sei „jüdischer Herkunft", seine Ideen seien den Gedankengängen der Juden entnommen, die Juden hätten ihn ersonnen, um durch ihn ihre Herrschaft über die christlichen Völker aufzurichten. Das war in den Händen der Konservativen eine wirksame Waffe gegen den Liberalismus. Jüdisch] Durch nichts kann man eine Sache so gründlich diskreditieren, als indem man sie jüdisch schilt. Die Sache mag an sich noch so gut sein, wenn sie als jüdisch gebrandmarkt ist, muß sich jede christliche Seele vor ihr bekreuzen. Konstitution, Parlamentarismus, Minist er Verantwortlichkeit, Trennung der Gewalten, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, allgemeines Wahlrecht — das hatten alles die Juden ersonnen, das war alles „jüdisches Gewächs". Sogar der Freihandel und die Goldwäkrung wurden auf einmal jüdisch. Das Gegenteil von alledem war „christlich", lag im Interesse der christlichen Kultur und des christlichen Volkes. Es war natürlich unschwer, irgendeinen Juden zu entdecken, der auch für die den Juden gleichgültigste Forderung eine Lanze gebrochen hatte. Das genügte. Für irgend etwas hatte ein Jude gesprochen oder geschrieben, in irgendeinem Komitee saß ein Mann mit jüdisch klingendem Namen — flugs war die Sache jüdisch, und jeder rechtlich denkende Christ war verpflichtet, sie zu bekämpfen. Es ist interessant, zu beobachten, wie dieselbe Methode bis auf den heutigen Tag unentwegt befolgt wird. In Unglarn z. B. wütet jetzt der weiße Terror viel schlimmer als der rote unter Szamuelly und Bela Kun. Im Namen der „christlich-nationalen" Idee wird gehängt, gewürgt, gemordet, geplündert, werden unbeteiligte Bürger, Frauen und Kinder ins Gefängnis geworfen. Gleich wie die Bolschewisten jeden als Gegenrevolutionär Verdächtigen aufs Korn nahmen, so werden jetzt alle, die im Gerüche stehen, irgendwie mit der „Opposition" in Berührung gekommen zu sein, von der „nationalen"' Regierung der Horty, Huszar und Friedrich dem Verderben preisgegeben. Von welchem Geist diese Regierung beseelt ist, beweist ihr Wüten gegen — verdächtige Bücher. Ganze Bibliotheken von unschätzbarem Wert, Zehntausende von Bänden sind, ganz nach mittelalterlicher Methode, durch den Henker öffentlich verbrannt worden, weil ihr Inhalt dem „christlich-nationalen" Geist des Herrn Friedrich ketzerisch dünkte. Dieser Herr Friedrich, der den magyarischen Nationalismus im christlichen Gewände repräsentiert, hat kein Tröpfchen magyarischen Blutes in den Adern, er ist ein slawisch-germanischer Mischling und hat binnen kurzer "Zeit die verschiedensten politischen Wandlungen durchgemacht: er war in den letzten zwei Jahren nacheinander demokratischliberal, organisierte sogar zionistische Legionen, dann war er Anhänger Karolyis, nachher Vorsitzender des Budapester Arbeiter- und Soldatenrates, um schließlich beim klerikal-nationalistischen Monarchismus anzulangen. Nun organisierte er unter Hortys Leitung den weißen Terror. Um diesem ganzen Treiben einen gemeinverständlichen Sinn zu geben und in allen Kreisen Anhänger und Mitläufer zu werben, wird das Schlagwort .ausgegeben: „Der Bolschewismus ist jüdisch! Die Republik ist jüdisch, die Anarchie ist jüdisch! Es lebe das christlich-nationale Ungarn! Nieder mit den Juden!" Es gilt einen Kampf gegen "das Judentum. Die Juden sind an dem ganzen Unglück schuld. Daß Graf Michael Karolyi den Bolschewisten das Land ausgeliefert hat, daß der Jude Tibor Szamuelly längst getauft ist, mit einem christlichen Edelfräulein aus der Gentryfamilie von Agoston verheiratet war, daß Bela Kun trotz seines scheinbar jüdisch klingenden Namens "überhaupt kein Jude ist, daß dagegen der heftigste und meistgehaßte Gegner der Bolschewisten und Revolutionäre der frühere Justizminister Wilhelm Vaszonyi war, daß die Schergen der Szamuelly 1 und Kun unter den Juden ebenso gewütet haben wie unter den Nichtjuden, daß die von ihnen vorgenommenen Sozialisierungen den jüdischen Gewerbestand zugrunde gerichtet haben, während der christliche Bauernstand und die Arbeitermassen den Nutzen daraus zogen, — das wird gern übersehen. Man stellt sich auch nicht die sehr naheliegende Frage: Wie konnte es geschehen, daß eine Handvoll jüdischer Vagabunden und Strolche drei Monate lang die ganze tapfere ungarische Nation terrorisieren, im Blute waten, unzählige Galgen aufrichten, Millionen enteignen durften, ohne daß die so kriegerischen und unerschrockenen Magyaren die ganze Bewegung im ersten Stadium erstickten? Standen die Millionen kernmagyarischer Bauern, Soldaten, Bürger und Arbeiter abseits, mit den Händen in den Taschen, und sahen ruhig zu, wie einige Dutzend jüdischer Hyänen im Lande der heiligen Stefanskrone blutig hausten und schamlose Orgien feierten? Waren sie alle von den Juden verhext, zu Stein verwandelt, so daß sie sich nicht regen konnten, bis die Rumänen einzogen und sie aus dem Zauberschlaf aufweckten? Oder sollten an den Untaten der Bolschewisten doch auch einige nichtjüdische Ungarn beteiligt gewesen sein? So ungefähr in demselben Verhältnis, in dem die christliche Bevölkerung Ungarns zur jüdischen steht, nämlich 20:1? Aber ach, die nichtjüdischen Teilnehmer an den Greueln waren die verführte Unschuld, sie handelten in der Hypnose, unter der Suggestion der Juden, vollstreckten bloß die Befehle der Söhne Israels . . . Diese Behauptungen sind so leicht faßlich, so. einleuchtend, daß