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Ost und West · 1918-08-01 · Heft 8 (August 1918) · p. Seite 277 - 278

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 8 (August 1918)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1918-08-01
Page
Seite 277 - 278 (sequence 5)
Language
German
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277 Rumänien und seine Juden. 278 in manchem Punkt sogar hinter den Forderungen des Berliner Vertrages1 zurückbleibt, daß. also die berechtigten Hoffnungen der Juden sich auch diesmal kaum erfüllen dürften. Es sei nun gleich bemerkt, daß' die richtige Stellung der Frage, also die Forderung, daß den Juden die Heimatberechtigung zuerkannt werde, ein iV er dienst des1 Herrn von Kühl mann ist, der, von einer jüdischen Persönlichkeit in Deutschland über die Rechtslage genau informiert, die Sache am richtigen Ende angefaßt hat. Leider gelang es dem1 Grafen Czernin, seinem deutschen Kollegen die Angelegenheit aus der Hand zu nehmen — und gründlich zu verpfuschen. Graf Czernin, Schöpfer des berühmten B.rotfriedehs', der weder Frieden noch Brot gebracht,, ist es gewesen, der die rumänische Judenfrage auf eine Sandbank anlaufen ließ, gerade, als sie auf dem Punkte stand, der günstigsten Lösung entgegengeführt zu werden. Die Friedenspolitik des Grafen Czernin soll im Hinblick auf die Judenfrage in einem besonderen Kapitel ausführlich behandelt werden. V orläufig sei hier nur bemerkt, da ß; die polnischen und galizisehen Juden dem Kaiser Karl nicht genug danken können, daßf er diesem merkwürdigen Diplomatien rechtzeitig den Laufpaß geg e b en h at. Für die r u mäni s c,h e n Juden aber wäre es ein großes Glück gewesen, wenn dies' noch vor den Bukarester Friedensverhandlungen geschehen wäre! * Wir wollen nun zusehen, wie sich der Deutsche Reichstag zu dem „Judenartikel" des Bukarester Vertrages gestellt hat. Der erste, der die Frage berührte, war der konservativantisemitische Abgeordnete Graf Westar p. Ihm ist es „zweifelhaft, ob es gerade ein spezifisch deutsches Interesse war, dein Juden in Rumänien das Maßi der Gleichberechtigung zu verschaffen, das ihnen durch den Vertrag verschafft worden ist". Das hätte man als eine innere Angelegenheit des Landes1 behandeln sollen, jedenfalls^ habe Deutschland keine Veranlassung gehabt, um dieses Zieles willen eige-ne Vorteile etwa in Frage zu stellen, und für sich eine Mißstimmung in Rumänien zu schaffen. Anderer Ansicht war der Nationalliberale Stresemann, er betonte, daß; die rumänische Judenfrage vom ersten Augenblick ihres Entstehens internationalen Charakter hatte; nachdem .aisio an die Zentralmächte der Appell herantrat, „daß' längst geschlossene internationale Abmachungen diesmal auch von Rumänien bestätigt würden, konnten säch die Zentralmächte dem Appell auch nicht entziehen". Der Konservativfe von Graefe rief hier dazwischen : „Das kann geschehen bei den nächsten internationalen Abmachungen." Er verwies somit die Judenfrage vor das Forum des kommenden allgemeinen Friedenskongresses. Der Abgeordnete Stresemann replizierte darauf mit Recht: „Ich hätte Sie nicht für so pazifistisch und schwach gehalten, daß; Sie der Meinung wären, ein Friedq Deutschlands mit Rumänien bedürfe erst noch der Genehmigung Englands, Frankreichs, Italiens und aller anderen Staaten. Wir verhandeln jetzt mit Rumänien und setzen den Schlußpunkt unter diesen Vertrag. Was! hier abgemacht wird, gilt jetzt und infolgedessen bedarf es doch in der Beziehung nicht erst der Rücksicht darauf, daß: die anderen mitsprechen. Es ist doch durchaus vertretbar, daß wir auch in dieser Frage, selbst wenn sie ganz internationalen Charakters ist, jedenfalls v o r - ans'chreiten und nicht warten, bis Paris, Rom, Washington usw. ihrerseits sich damit beschäftigen." Der Abgeordnete Warmutili von der antisemitischen „Deutschen Fraktion" ließ! eine förmliche Brandrede gegen die rumänischen Juden vom Stapel: „Es ist bei den ganzen Friedensverhandlungen der Gesichtspunkt maßgebend gewesen, daß man sich in die innere Politik Rumäniens nicht einmischen wolle. . . Da ist es doch zu verwundern, daßi man sich eine gewisse Inkonsequenz hat zuschulden kommen lassen, indem' man die Judenemanzipation mit hineingenommen hat. Ich halte es für eine ethisch durchaus berechtigte Forderung ersten Ranges, die Gleichberechtigung der Konfessionen überall, wo möglich, durchzuführen. Aber diese Forderung sollte doch gewisse Einschränkungen erleiden, wo ein fühlbares deutsches Interesse warnend die Stimme erhebt, in diesem Punkte sich nicht 'j'n die Politik eines anderen Landes einzumischen, und es ist nicht wegzuleugnen, daß weite Kreise des rumänischen Volkes — ich denke zunächst an die Bauern — durchaus keine Sympathien für die Juden haben, und wohl auch allen Grund zu dieser Abneigung besitzen." (Sehr richtig! bei der Deutschen Fraktion.) „Ich sehe durchaus nicht ein, warum 'wir gerade die rumänischen Bauern, deren Sympathien wir sonst während des Weltkrieges1 in reichem Maße erworben haben — die rumänischen Bauern haben es oft und bei jeder Gelegenheit ausgesprochen, wie wohltuend sie es empfinden, daß z. B. deutsche Gerichte ihre Streitigkeiten in die Hand nehmen, so daß sie zu ihrem Rechte gegenüber ihren Verpächtern, vor allem gegen ihre jüdischen Verpächter, kämen, alles Dinge, die bis dahin sehr im argen lagen, unter denen die Bauern sehr geglitten haben —, wie gesagt, ich sehe nicht ein, warum wir diese Sympathien der rumänischen Bauern wieder damit iaufgeben. Jetzt haben wir sie durch diese Einmischung erheblich vor den Kopf gestoßen." Der Abgeordnete Ledebour behandelte den ganzen Vertrag vom! Standpunkte seiner Partei, der Unabhängigen Sozialdemokraten, aus. Ueber den Artikel 28 sagte er: „Daß! wir diesen Artikel bekommen haben, ist dem Umstand zuzuschreiben, daß die rumänische Regierung ihre vertragsmäßigen Verpflichtungen im Berliner Vertrage nicht erfüllt, sondern in unqualifizierterer Weise um'- gangen hat, indem1 sie die Juden für staatenlos erklärt hat." Der Zweite Absatz des Artikels 28 sei eine Einschränkung. „Nicht allen Juden soll in 'Konsequenz des ersten Absatzes Gleichberechtigung gewährt werden... Da öffnen Sie der rumänischen Regierung eine Hintertür, oder die rumänische Regierung hat auf dieser Hintertür besjanden^ damit 'sie die Möglichkeit habe, eine große Anzahl von Juden genau so rechtlos zu lassen wie früher." Der Abgeordnete von Graefe erklärte nachträglich, mit seinem Zwischenruf habe er lediglich die Ansicht zum] Ausdruck bringen wollen, daß', wenn man sich1 auf die damalige Auffassung! des 'Berliner Vertrages berufen wollte, man dann

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