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Ost und West · 1918-08-01 · Heft 8 (August 1918) · p. Seite 273 - 274

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 8 (August 1918)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1918-08-01
Page
Seite 273 - 274 (sequence 3)
Language
German
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273 Rumänien und seine Juden. 274 inneren politischen Strömungen, erörterte alle im Komimissionsbericht berührten Fragen, betonte, daß sein Antrag keineswegs auf eine Intervention hinzielte; „es würde geniigen, daß das Deutsche Reich auch ferner seinen Einfluß geltend mache, um in Zukunft zu verhüten, daß derartige Vorkommnisse, die die Menschlichkeit verletzen und die Ruhe Europas' wirklich zu stören geeignet sind, sich wiederholen". Das europäisch e Bewußtsein habe sichl geregt. Die Regierungen haben die Begnadigung der unschuldig Verurteilten begehrt, diese ist nur zweien zuteil geworden, aber im Interesse der noch im Kerker schmachtenden Opfer der Rechtsbeugung bestand Redner darauf, ,,daß wir nicht zu einer bloßen Tagesordnung übergehen, sondern daß Vorstellungen und Schritte weiter ins Auge gefaßt würden." Erwünschte nur, „daß dieser guten, ehrenwerten Sache hier ein Zeugnis gegeben iwürde." „Ich habe mich gefragt, ob ich, an den (als1 an einen Juden) die Petenten besondere Ansprüche der Sympathie haben, der geeignete Mann sei, hier ihre Angelegenheit zu vertreten. Allein, ich habe meine Zweifel erledigt, indem ich mir einfach als! Argument sagte: res sacra miser! Und ich rufe auch Ihnen dieses res sacra miser zu, und bitte Sie, meinen Antrag anzunehmen." Der Abgeordnete Miquel forderte dagegen den Uebergang zur Tagesordnung, mit der Be-. gründung, daß die Annahme des Antrages Bam-, berger „das Gegenteil von dem zur Folge haben würde, was der Antragsteller wünscht. Ich kann nur sagen, daß ich Izu dem', was ich jetzt hier sage, aufgefordert und darum gebeten worden bin, durch in Rumänien ansässige Juden, welche fürchten, daß eine nicht im richtigen Sinne geleitete Verhandlung ihre Lage in Rumänien, die schlimm genug ist, nur verschlechtern kann." Miquel legte mit großer Sachkenntnis die politischen Verhältnisse in Rumänien dar, schilderte die Parteikämpfe und die Stimmungen der politischen Kreise. „Das bloße Fortsetzen der Vorstellungen (von seiten des Auslandes1) ist gerade das, was für den Zweck nicht wirkt, was1 aber die auf ihre Selbständigkeit außerordentlich eifersüchtige rumänische Nation aufs äußerst e erbittert und aufregt, und da-. durch gerade die unglücklichen Juden in permanente neue Gefahren bringt." Redner zitiert Rumänen, „ge-, gildete, angesehene und wohlwollende Männer", die die Judenverfolgungen aufs tiefste beklagten; aber sie sagten: * die fortwährenden Mahnungen an die Regierung werden vom rumänischen Volk als Eingriffe in seine Selb-, ständigkeit aufgefaßt, geben aber der Regierung keine Machtmittel in die Hand, erreichen also nur das Gegenteil von dem, was man erstrebt; die Bevölkerung wird erbittert,, und die Folge davon könnten nur neue Ausbrüche sein. — Miquel machte noch besonders folgendes geltend: „Die Stimmung gegen die Deutschen ist in Rumänien sehr erregt und teilweise mit Recht, weil Deutsche in Rumänien derart operiert haben, daß! eine tiefe Mißstimmung, in der man eben nicht unterscheidet, naturgemäß war." (Gemeint sind die Strousbergischen Bahnangelegenheiten, in denen die Deutsche Regierung zu intervenieren gezwungen war.) „Da nun das Mißtrauen gegen uns in diesen Ländern sehr groß ist, so müssen wir im Interesse der Juden darauf bedacht sein, daß kein Zweifel darüber aufkomme, daß es keineswegs unsere Absicht ist, die einmal erworbene nationale Selbständigkeit dieses Landes weiter anzugreifen und aufzuheben." Darauf erwiderte Lask e r, indem er sich streng dagegen verwahrte, als zielte der Antrag auf eine Interv ention hin; wenn der Antrag auch nur im entferntesten so gedeutet werden könnte, wäre Redner der erste, ihn zu bekämpfen. „In keinem Falle, so groß meine Sympathie für die Leidenden in Rumänien ist, würde ich eine Intervention wünschen." Was er wünschte, war eine 'Interzession. „Ich glaube hoffen zu dürfen, daß, der Reichstag dem Ausdruck der Sympathie sich nicht verschließen wird." Solches sei, außerhalb der Intervention, mit dem völkerrechtlichen Brauch wohl erreichbar, und würde die Lage der vielgeplagten Juden verbessern. Er appelliere nicht an das rumänische Staatsoberhaupt, dessen deutsche Abstammung hier nicht in Betracht komme, „denn mit der Uebernahme der Souveränität in dem fremden Staat hat jener Herrscher zugleich die Verpflichtung übernommen, lediglich der Wohlfahrt des von ihm regierten Landes zu beraten, Und in keiner Weise an seine früheren Beziehungen zu Deutschland zu denken. Aber es ist schon von dem1 Herrn Vorredner (Miquel) hervorgehoben worden, daß die Juden dort wesentlich mit zu leiden haben unter gewissen äußerst bedauernswerten Geschäften, welche deutsche Untertanen in Rumänien gestiftet haben, wodurch gegen alle Ausländer ein erhebliches Mißtrauen wachgerufen ist, und daß dieses Mißtrauen gegen die Juden dort sich wendet, als gegen Ausländer, als1 welche man sie behandelt. Alle diejenigen Elemente der Unzufriedenheit, welche sich auf menschenfeindliche Weise Luft zu machen suchen, pflegen immer auf die schwächste Seite sich zu werfen. Da nun die Juden allerorten, wo ihnen nicht Gesetz und Kultur zur Seite stehen, als geborene Minderheit die schwächste Seite darbieten, so sind sie es> die büssen müssen für das, wasi der einzelne Ausländer gefehlt hat in jenem Lande; und ich meine deshalb, 'daß schon aus diesem Grunde wir im höchsten Grade angerufen werden, unsere Sympathien so lebhaft als möglich auszudrücken." Redner weist auf die Haltung des1 englischen und des nordamerikanischen Parlamentes hin, die in öffentlichen Sitzungen die Vorgänge in Rumänien scharf verurteilt hatten, und fordert Deutschland auf, sich in die Reihe der übrigen zivilisierten Staaten zu stellen. „Dem Mißverständnisse, als ob wir auf die Gestaltung der öffentlichen Verhältnisse in Rumänien einen übergreifenden Einfluß ausüben wollten", begegnet Lasker, indem er mit Nachdruck betont: „Es i s' t n i ch t unsere Absicht, Veränderungen der Verfassung in Rumänien zu empfehlen, das interessiert uns in keiner Weise." Er will nur, daß die Parteien in Rumänien einsehen, ,,daß sie 'in Europa und durch die gebildete Welt verurteilt werden, daß ihre kulturfeindlichen Handlungen überall in Europa sittliche Empörung hervorrufen. Nur in diesem Sinne wünschen wir, daß auch der Deutsche Reichstag das Gewicht seines Ansehens in die Wagschale werfe." Hatte ja der Kommissionsbericht sowie der Regierungsvertreter betont, daß. die bisherigen Vorstellungen der auswärtigen Kabinette in Bukarest bereits vorteilhaft gewirkt. „Jede Partei in Rumänien, die von irgend-

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