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Ost und West · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · p. Seite 235 - 236

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1918-07-01
Page
Seite 235 - 236 (sequence 7)
Language
German
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235 'Rumänien und seine Juden. 236 Allein die allcrgetfeuesLe -Opposition,lief auch;gegen diese Fassung Sturm. Sie wollte es nicht dulden, daß man Von den Juden als von „rumäschen Untertanen" sprach, obwohl man gleich hinzufügte, daß sie nicht als YolLbürger anerkannt wurden, obwohl man sie den Ausländern darin gleichstellte, daß sie nur einzeln und auf Grund eines Sondergesetzes1 naturalisiert werden konnten. Die Opposition war mit dem Fürsten ein Herz und eine Seele. Nie hat ein Parlament eine getreuere Opposition in seiner Mitte gesehen. Selbstverständlich wollte die Opposition nicht zulassen, daß die paar Ehrenjuden (oder, nach dem Herzenswunsch des Fürsten, auch nur ein einziger), mit deren Naturalisation die Großmächte sich zufrieden geben mochten, durch die Revisi Gaskammern in den Staatsverband aufgenommen wurden, ohne daß sie darum, wie jeder Fremde, einzeln nachsuchten. Die Sachlage war nun genau dieselbe, wie zu Beginn des Feldzuges. Die Mächte verlangten, daß außer den gedienten Soldaten noch eine Handvoll Juden naturalisiert würde. Obgleich der ganzen Sache müde und -überdrüssig, waren sie gezwungen, auf dieser Forderung zu bestehen, um nicht in ihren eignen Augen lächerlich zu erscheinen, und den von ihnen feierlichst unterzeichneten Berliner Vertrag, al's einen Fetzen Papijers1, als ein wertloses „Machwerk" zu erklären. Die Regierung war bereit, sich diesem Verlangen zu fügen, um endlich die langersehnte Anerkennung der Souveränität Rumäniens zu erlangen. Die Opposition jedoch beharrte unerschütterlich darauf, daß auch' diese paar Juden nur dann naturalisiert werden durften, wenn, jeder einzelne ein diesbezügliches Gesuch überreichte;. Allein, die Juden waren einig, und kein einziger von ihnen wollte sich dazu herbeilassen, durch die Ueberreichung eines solchen Gesuches der Theorie der Opposition seine Zustimmung zu geben und auf das allerheiligste Menschen recht, das Recht auf die Heimat, zu verzichten. In öffentlichen Versammlungen war dieser Beschluß gefaßt, und allen Juden zur Pflicht gemacht worden. Und die Juden hielten stramme Disziplin. Die Regierung war in eine Sackgasse geraten. Die Anerkennung Rumäniens konnte nur errungen werden, indem die Opposition besänftigt oder aber der Widerstand der Juden gebrochen wurde. In dieser Seelennot wandte sich die Regierung an die Juden, und appellierte an ihren — Patriotismus! Aus Vaterlandsliebe sollten |sie auf das Vaterland feierlich verzichten, um den Herren Bratianu und Boeresco aus der Verlegenheit zu helfen. Die Juden antworteten damit, daß sie in den größten Städten öffentliche Versammlungen von Juden und Christen einberiefen und energisch gegen die unverschämte Zumutung protestierten. „Sie verteidigten auch in der Presse mit großer Kraft ihre Eigenschaft als AutoChthone." Auf eine Nachgiebigkeit von selten der Tuden war also nicht zu rechnen. Da griff die Regierung zu einem echt rumänischen Mittel, um die Opposition umzustimmen. In dem, wirklichen oder geheuchelten, Glauben, daß die Juden unermeßlich reich seien und die Pariser Alliance unzählige Millionen zur Verfügung habe, schlugen der Kriegsminister Lecca und der Justiz minist er Stolojanu den Juden vor, diie Opposition mit Geld zu bestechen. Marcus schreibt wörtlich: „Der Justizminister ließ mir durch Herrn Paul Bucovineanu eine Liste der judenfeindlichen Deputierten zukommen, die noch in meinem! Besitz ist, und auf der die Marnen derer, die er als käuflich vermutete, mit einem Kreuz bezeichnet waren. Wir gaben dem Justizminister zur Antwort, daß wir zu solch verwerflichen Mitteln nicht greifen können und wolleil." DIE ABMACHUNG MIT DER REGIERUNG. Mittlerweile berief das Aktionskomitee auf den 15. Oktober eine Notabeln-Versammlung von Delegierten aller jüdischen Gemeinden nach Bukarest ein, um die Lage 'zu beraten. Einer der Hauptführer der Opposition, der Deputierte Heraclidi (ein Grieche von Geburt, Nachkomme der Phanarioten, die noch vor wenigen Jahrzehnten zu den ärgsten Unterdrückern des rumänischen Volkes gezählt wurden), erschien in dieser Notabeln-Versammlung, um im1 Namen seiner Partei mit den Juden zu verhandeln. Er stellte folgenden Antrag: „Wir von der Opposition wissen, daß Sie sich hartnäckig weigern, individuelle Gesuche um' Naturalisation an die Kammern zu überreichen, offenbar, weil Sie hoffen, in die Regierungsliste aufgenommen Jzu (werden. Sie) müssen mdessen bedenken, daß die Regiilerung höchstens ungefähr tausend Personen in ihre Listen aufzunehmen beabsichtigt. Wir dagegen bieten Ihnen die Naturalisation von dreitausend Personen an, aber unter der Bedingung, daß jeder 'einzelne ein individuelles Gesuch überreiche. Wir beugen uns vor dem Grundsatz der Rechtsgleichheit, was wir Ihnen aber nicht zuerkennen wollen, das5 ist eben der Anspruch auf das Indigenat (Heimatrecht)." Die Juden antworteten: „Den Anspruch auf das Indigenat kann uns niemand abstreiten, denn dieses ist in den Gesetzen des Landes seit Jahrhunderten verbrieft, obgleich wir nicht die Gleichberechtigung des Vollbürgers (citoyen) besaßen. Die Anzahl der Personen, welchen Sie die Naturalisation (und damit die volle bürgerliche und politische Gleichberechtigung) gewähren wollen, ist uns vollkommen gleichgültig. Was uns einzig interessiert, ist das. Schicksal der nicht naturalisierten großen Masse der jüdischen Bevölkerung, der Sie nicht nur die politische Gleichberechtigung, sondern auch die bürgerlichen Rechte verweigern. Wir 'wollen wissen, ob nach der Absicht der Opposition dieser Teil der jüdischen Bevölkerung in den Besitz der bürgerlichen Rechte (die ihr bis 1866 niemand bestritt) wieder eingesetzt werde, Und ob alle Ausnahmegesetze, wie alle gegen diese Juden gerichteten, peinigenden und willkürlichen Maßnahmen der Verwaltungsbehörden nicht mehr zur Anwendung kommen sollen." Heraclidi erwiderte: „Unsere Partei ist geneigt, den Kampf gegen Ihre Glaubensgenossen einzustellen, und es unterliegt keinem (Zweifel, daß

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