Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Article
- Rumänien und seine Juden
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 231 - 232 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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fci Rumänien und seine Juden. 232 mit einem Mitglied des jüdischen "Aktionskomitees meinem Briefe an unsere Delegierten beischließen." Darauf entspann sich folgendes1 Gespräch: ,Marcus: Erste Frage: Gibt es in Rumänien eine autochthone jüdische Bevölkerung? Boeresco: Natürlich. Sowohl die Geschichte als die Gesetzgebung unseres Landes bestätigen, daß seit Jahrhunderten eingeborene Juden in den Fürstentümern lebten, Juden, die nur als Angehörige Rumäniens und keines anderen Landes zu betrachten sind. Marcus1: Zweite Frage: Was sind die Ursachen der gehässigen Stimmung gegen die Juden? Boeresco: Einzig und allein der Religionsunterschied. Dieser hat den politischen Haß heraufbeschworen, der von Fanatismus und Vorurteilen genährt wird. Marcus: Dritte Frage: Kann die Gleichberechtigung der Juden Gefahren für das Wohl des Landes nach sich ziehen? Boeresco: Nein! Durchaus nicht. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß die Emanzipation der Juden' nicht den geringsten Nachteil, (nicht die kleinste Gefahr für das rumänische Volk nach sich ziehen kann. S. LABOSCHIN BRESLAU Die alten Fleischbänke (Breslau) (Oelgemälde) Marcus: Wie läßt sich also diese Ihre Ueberzeugung, die auch von einigen Ihrer Ministerkollegen geteilt wird, mit dem Programm' vereinigen, welches Sie vor den Kammern entwickelt haben? Boeresco: Mich dürfen Sie nicht nach dem äußern Schein beurteilen, überdies sollten Sie die ernste und gefahrvolle Lage nicht übersehen, in die dieser beschränkte Bratianu das Land gebracht, indem er mich erst jetzt in sein Kabinett aufgenommen hat. Wäre dies1 vor den Wahlen zur Konstituante geschehen, so hätte ich mit Hilfe meines Anhanges im Lande ein wahrhaft patrioti- ' sches und liberales Parlament zusammengebracht, welches der großen, von Europa uns gestellten Aufgabe gewachsen wäre. Jetzt stehe ich, an Händen und Füßen gebunden, einem Haufen von Narren gegenüber, welche dieser Bratianu auf dem Metropolitain-Hügel (wo das Parlamentsgebäude sich erhebt) zusammengetrommelt hat. Uebrigens ist das der Kammer vorgelegte Programm1 nicht das vollständige. Ich darf, wie ein General auf dem Schlachtfelde, meinen strategischen Plan nicht vorzeitig aufdecken. Ich bin gezwungen, vorsichtig zu Werke zu gehen, um zu verhindern, daß die Führer der Opposition die chauvini-. stische Dummheit der Deputierten gegen uns entfesseln. Ich' will Ihnen folgendes verraten: am 22. Juli (also einen Tag vor dem Auftreten in den. •Kammern) habe ich an unsere Vertreter im Auslande ein Rundschreiben gerichtet, in dem ich mich verpflichte, zugleich mit der Revision des Artikels 7 eine größere Anzahl von . Juden kumulativ zu naturalisieren, nämlich alle, die in die von der Opposition, abgelehnten Kategorien gehörten. Indem ich mir zum Schein die lächerliche Theorie aneigne, daß die Juden „einheimische Ausländer"' seien, gehe ich jnoch einen Schritt weiter, als die europäischen Kabinette wünschen, da ich in meine Listen sogar einige verdienstvolle Juden, die wirkliche Ausländer sind, aufzunehmen gesonnen bin. Marcus: 'Für uns hat die An-, zahl der Juden, die Sie naturalisieren wollen, um ihnen die bürgerlichen und politischen Rechte zugänglich] zu machen, keineswegs jene Beedutuing, die Sie ihr beizumessen scheinen. Was uns in erster Reihe bekümmert, ist das Schicksal jener großen Masse von Juden, die außerhalb der Naturalisation bleibt. Für diese werden wir nicht müde werden, die bürgerlichen. Rechte zu fordern, die sie unter dem F ü r s t e n C u s a besaßen, während sie seit 1S66 unablässigen Quälereien und Verfoglungen ausgesetzt und völlig entrechtet sind. Ich muß Sie. also bitten, mich in dieser Beziehung" aufzuklären. Ist die Verbesserung der Lage dieser Juden in Aussicht genommen? Werden alle diese verbrecherischen, verabscheuimgswürdigen Gesetze, welche gegen sie gerichtet sind, abgeschafft werden? Oder werden diese nichtnaturalisierten Juden auch