Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Article
- Rumänien und seine Juden
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 229 - 230 (sequence 4)
- Language
- German
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220 - Rumänien und seine Judefl. 230 Deutschlands, und war bestrebt, Aufklärung in sein Vaterland zu verpflanzen. Mit den Mi&iistern und führenden Staatsmännern Rumäniens unterhielt er nahe, sogar freundschaftliche Beziehungen und hatte auch Verbindungen bei Hofe. Einige Jahrzehnte seines Lebens widmete er dem Kampf um die Befreiung seiner Glaubensgenossen in Rumänien. Es ereilte ihn schließlich das gleiche Schicksal, wie manchen anderen seiner Mitstreiter; er wurde — ein lästiger Inländer — aus seinem Vaterlande ausgewiesen. Er trat in türkische Dienste und wurde Generalihispektor der Tabakregie in Smyma. Er verstarb am 23. Februar 1906 im Alter von 7(5 'Jahren zu Charlottenburg, wo er Heilung von einem Leiden suchte. (Näheres über ihn „Ost u. West" 1906, S. 143, wo sich auch sein Bildnis findet.) Im Jahre 1901 veröffentlichte Saniel Marcus in einem der größten und verbreitetsten Pariser Tageblätter eine Reihe von Artikeln, . in denen er nach seinen Erinnerungen und Auf Zeichnungen die Vorgänge von 1879 schilderte, die sich hinter den politischen Kulissen abspielten, und an denen er einen so hervorragenden Anteil nahm. Aus diesen Artikeln, die h i e r zum erstenm a 1 die gebührende Beachtung finden, lernen wir das Intrigenspiel der rumänischen Regierung kennen, durch welches die Juden um ihr heiligstes Recht, das H e im at recht, schamlos betrogen wurden. Boeresco rech-, nete, wie Marcus erzählt, „auf seine jüdischen Freunde", daß sie ihm die Aufgabe, die Großmächte umzustimmen, an welcher seine Vorgänger gescheitert waren, erleichtem würden. Da er wußte, daß Marcus, als Schriftführer des1 jüdischen Aktionskomitees, den Delegierten dieses letzteren in Paris und Berlin regeL mäßig Bericht zu (erstatten hatte, schickte er seinen Sekretär zu ihm, um ihn zu bewegen, den Komitee-Delegierten den Eintritt JBoerescos in das neue Kabinett Bratianu anzuzeigen, und ihnen zu versichern, daß' jener entschlossen sei, die S. LÄBOSCHIN Judenfrage auf befriedigende Weise zu lösen.- Damit sollte dem Reiseminister der Weg, gebahnt werden. „Ich war von Bukarest abwesend und der 'Sekretär, der die Adresse des Berliner Delegierten kannte, sandte an diesen eigenmächtig eine mit meinem Namen gefertigte Depesche in dem von seinem Herrn gewünschten Sinne. Ich war nach meiner Rückkehr über diesen inkorrekten Schritt sehr aufgebracht, drahtete an unseren Delegierten sofort den wahren Sachverhalt und bat ihn, keinen Schritt zu unternehmen, bevor unser authentischer Bericht eintraf." Zugleich ließ er Boeresco durch einen gemeinsamen Freund wissen, daß er auf die Mitwirkung des jüdischen Aktionskomitees nicht mehr rechnen dürfe, nachdem er sech zu der vorhin von ihm selbst bekämpften Lehre bekannt habe, daß sämtliche rumänische Juden Ausländer seien; umgekehrt, das Komitee sei entschlossen, alles anzuwenden, um iMndenselben Miß-, erfolg zu bereiten, wie ihn seine Vorgänger: von ihren Rundreisen nach Hause brachten. — Am 2. August ließ Boeresco Marcus in seine Privatwohnung bitten, um sich mit ihm aus einanderzus etzen, bevor er seine Reise antrat. Marcus berichtet hierüber nach seinen Aufzeichnungen, von demselben Tagte folgendeis: Trotz der Vorwürfe iü,ber seinen jähen Meinungswechsel beharrte Boeresco darauf, daß das Komitee seine BRESLAU Schritte bei den Kabinetten unterstütze; man wisse ja, daß er allein hierzulande wahrhaft liberal und fest ent-, schlössen und befähigt sei, die Judenfrage im Einklang mit dem von Europa verkündeten Prinzip der Gleichberechtigung zu lösen. Marfcus verlangte vor allen Dingen vom Minister die Beantwortung dreier Fragen, die damals1 gerade in der rumänischen Presse leidenschaftlich diskutiert wurden. „Ich verlange .aber nicht die Ansicht meines Freundes Boeresco, Sondern die des rumänischen" Ministers des' Aeußern zu hören. Ich will sie hier vor Ihren Augen redigieren und als1 ein Gespräch des Ministers Boeresco Das Morgengebet (Radierung)