Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Article
- Bogumil Zepler
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 221 - 222 (sequence 2)
- Language
- German
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221 Bogumil Zepler. 222 wenn man die Leiden der kranken Menschen zu lindern sucht? Gott ist es, „der da heilet die Kranken" — und in seinem Ebenbilde schafft der Mensch, der die Geheimnisse des Körpers zu er* gründen strebt. Und die Heilkunde ward bei den Juden immer hochgehalten. Zepler wird Arzt. Aber er sieht, „daß wir nichts wissen können". Und dem, der die Menschen liebt, sagt dieser Beruf nicht zu; er kann nicht, bloß weil die Eltern es so gewollt, den Menschen dort zu helfen su* chen, wo es ihm nicht möglich ist, wenn er ihnen an* ders helfen kann, wenn er ein zeit? gemäßerSohn Isais, den bösen Dämon der Menschheit durch seine geliebte Leier bannen kann. Da stirbt der Vater, und Zepler siedelt mit der Mutter nach Berlin über, wo er nun mit Eifer sich der Mu* sik befleißigt. * * * ZeplersWeg zum „Lernen" ist der des Juden. Den Juden aber zeigen die Werke nicht minder. Er beginnt mit Parodien und komischen Opern. Der jüdische Hu* mor ist bitter und ironisch geworden; er lacht nicht mehr um seiner selbst willen, sondern auf Kosten eines Andern und wäre dieser Andre auch der Autor selbst. Zepler parodiert Mascagni in der „Cavalleria Berolina", er schreibt musikalische Lustspiele: „Der Brautmarkt zu Hira", „Der Vicomte von Letorieres", „Monsieur Bona* parte" und andere. Er wird Mitarbeiter an Wolzogens Ueberbrettl. Und hier erlebt er seine Glanzzeit. Tragisches Schicksall Und wieder echt jüdisch! Er strebt nach der Bühne, will mit guter Musik erheitern — und findet durch Zufall auf dem Brettl ungeheuren Erfolg! Man singt seine „Chansons" überall, die bekanntesten Sänger und Sängerinnen der Zunft wollen seine Lieder vortragen, wünschen immer neue von ihm, die Zensur trägt durch Verbote zu seinem Ruhm bei — er wird populär. Man ver* langt Einlagen zu alten Possen von ihm, er tut es. Dr. Bogumil Zepler Immer wieder: gefällig, liebenswürdig, reizend, seine Sächelchen, wie er selbst. Der Jude, der Sohn des Rcligionsvolkes, der sich heilig halten soll — „heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott"! — als Spaß* macher der „Gojim" (und solcher Juden, die daran Gefallen finden), der jüdische Geist in sinnlichem Rausche taumelnd. Fühlt er es nicht? Versinkt er nicht?---Nein, er fühlt es wohl, der jüdische Geist, der adelige, regt sich. Er sucht einen Aus* gleich, er will ed* lere Betätigung. Er will lehren. Aber wie? Der Welt* mann taugt nicht zum Professor, vom Brettl nicht aufs Katheder. Aber lehren muß er, und natürlich in seinem Fache. So wählt er denWeg des Mu* sikschriftstellers. Als Redakteur der. „Musik für Alle" lehrt er und zwar ganz ausgezeich* net. Er erläutert musikalische Büh* nenwerke, erzählt das Leben ihrer Schöpfer, anschau* lieh, anziehend, geistvoll; aus sei* nem reichenWissen gibt er stets das Wesentliche, läßt das Werk vor uns vorüberziehen, gibt die Notenbeispiele so, daß man den Gesamteindruck des Werkes erhält. (Der Jude als Vermittler fremder Kulturen!) Manches Heft dieser Sammlung erspart den Klavierauszug und gibt mehr als dieser. In unzählige Häuser hat Zepler so Kenntnisse getragen, hat Menschen durch Lehren bereichert und erfreut. Vom jüdischen Ge* Sichtspunkt: eine „Mizwah", Erfüllung eines Ge* botes, eine Stufe zum künftigen Leben. * , * * 'Je höher der Jude steht, je höher er sich durch* kämpft, desto leuchtender dringt sein Judentum durch, das echte Judentum, das Gefühl für sein Volk, für seinen Gott. Und er lernt sein Volk, seinen Gott erkennen und lieben; mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Seele, mit seiner ganzen Kraft. Und Zeplers Kraft ist die Musik. Weisen aus alten Zeiten klingen in ihm. Weisen, so ergreifend, so traurig und wieder gefühlvoll und Phot. E. Liebmann