Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · p. Seite 209 - 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Article
Abraham Epstein
Date
1918-07-01
Page
Seite 209 - 210 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2583875-2584078-2584082-2606424--17081-2606467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Abraham Epstein. 2lÖ Edition , des Midrasch Tadsche, die als Beilage zu seinem ersten größeren selbständigen Werk, benannt Mikkadmonijjoth Hajjehudim (Bd. I., Wien 1887, weitere Bände sind nicht erschienen), das in seinem Hauptteil gesammelte Abhandlungen enthält. Epstein verfolgte diese seine Studien weiter, fand frappante Parallelen zu Midrasch Tadsche auch bei Philo und legte seine Resultate in einer größeren Abhandlung jnieder, die ü.d. T. „Le livre des Jubilees Philo et le Midrasch Tadsche" in der Revue des dtudes juives: (zu deren eifrigsten Mitarbeitern er gehörte) m-m k'P % 1890—1891 erschien. Das Buch der Jubiläen und verwandle Literaturwerke enthalten oft eine Auffassung des jüdischen Gesetzes, die man als eine Abzweigung1 von dem Tlauptstromö der Halaeha bezeichnen kann. Solche Abzweigungen oder Nabenströme lassen sichbesonders in jenen Ländern beobachten, die mit den Hauptzentren der jüdischen Gelehrsamkeit, mit Palästina und Babylonien, nicht in direktem Verkehr standen, wo also die religiöse Praxis in vieler Hinsicht sich anders und im Gegensatz zum Talmud gestaltete. Auf Grund dieser Tatsachen glaubte Epstein für ein Jahrhunderte hindurch ungelöstes Rätsel in der jüdischen Literatur die Lösung gefunden zu haben, und zwar für die merkwürdigen Berichte des Eldad ha-Dani über die zehn Stämme und über deren Ritus. Schon bei seinem -ersten Auftreten in Kaiman im IX. Jahrhundert erregte Eldad das' Staunen aller auch dadurch, ,,daß manche seiner Worte mit denen unserejr Weisen übereinstimmten, manche aber mit ihnen in Widerspruch standen". Eldad wurde daher von den neuen Forschern bald als karäischer, bald als anti-. karäischer Propagandist, bald als Scharlatan, bald als Schalk bezeichnet, ja, man leugnete sogar seine Existenz und hielt seine Berichte für späte, V 'v:'^>.. IT-''? '"\-.r- ■ i ■ Abraham Epstein erfundene Apokryphe. Epstein läßt als ersten- Eldad Gerechtigkeit widerfahren. Er läßt ihn aus dem südöstlichen Afrika, also aus einem solchen Lande, wie es oben charakterisiert war, stammen und erklärt daraus alle seine Eigentümlichkeitein. Epstein sammelte auch alle vorhandenen Versionen der Berichte Eldads und seiner Haladhoth, edierte sie kritisch in seiner zweiten größeren Publikation „Eldad ha-Dani (Preßburg 1891) und fügte ihr einen Exkurs über die Falascha und ihre Gebräuche hinzu. Hier zeigte Epstein auch eine ausge-. dehnteKenntnis der Plalacha und seine Schrift fand allgemeinen Beifall. Zu seinen. Midras'ch- Studicn kehrte ' Epstein immer mit Vorliebe zurück, und er gab zrlelzt ein Resume dieser seiner Forschungen in einem kurzen Aufsatze, der im dritten Bande von Bachers Agada der palästinensischen Amoräcr enthalten ist. Hier stellte Epstein fest, daß die rabbinische HomUie in Palästina eine gewisse Entwicklung' durchimachte und daß man zwischen einfachen und rhetorischen Homilien zu enterscheiden habe. Letztere seien durch ihre kunstgemäße Form sowie durch ihre gesuchte Sprache erkennbar und verraten dadurch den Einfluß der sophistischen Rethorenschulen. Bacher, der meisterhafte Ordner der Agada, ist zwar nicht mit allen Ausführungen seines verehrten Freundes, „dieses ausgezeichneten Forschers auf dem Gebiete der rabbinischen Literatur", einverstanden, gibt aber zu, daß ,,Epsteins Annahme eines Einflusses der spätgriechischen Rethorenschulen auf die Agadisten Palästinas volle Beachtung verdiene". Epstein beschäftigte sich aber auch eingehend mit den späten Ausläufern des Midrasch, mit den Sammelwerken und mit den Kommentatoren dieses Literaturzweiges' und lieferte hier eine Reihe gediegener Abhandlungen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.