Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Article
- Sein oder Nichtsein?
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 197 - 198 (sequence 3)
- Language
- German
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197 Sein oder Nichtsein? - 198 nicht nur 'den Judengeist allein 'zu beherjrsehen. Undes wird a.m' (Ende eher 'wahr sein, was1 dem Verfasser ein anderes' Mal entschlüpft: „Es gibt unter den Juden prozentual ebenso viel und ebefriso wenig Edelmenschen, wie unter den Nichtjuden."*... Gleichwohl sieht er in dem mammonistischen Handelsgeist der Juden eine Gefahr für da's Deutsche Reich, und zwar, gleich Wie Scheler. aus dem Grunde, — weil sich die Juden viel zu übermäßig mit der Politik' befassen! Natürlich hätte er nichts dagegen, wenn die Juden alle die Politik seiner Klasse, nämlich die konservative, machen würden. Dann könnte er freilich nicht genug Juden in die Politik' hineinbekommen. Er weist sogar auf einen solchen Musterjuden hin. ,.Wenn min bedenkt, daß ein getaufter Jude, oder wie ich ihn erstmalig benennen will: jüdischer Christ, namens Julius Stahl, der Hauptbegründer der preußischen Kreuz-Zeitungspartei ist, so haben wir ein markantes Beispiel, wie konservativ und nationaldenkend ein überzeugter, deutscher, jüdischer Christ sein kann." Leider aber gibt es nur wenig solcher Musterjuden. „Der heutige Jude 'gehört im allgemeinen politisch der liberalen Partei an. Die jüdische Hochfinanzwelt ist wohl meist nationalliberal. Andererseits befinden sich unter den sozialdemokratischen Führern, Redakteuren, Journalisten und Agenten viele Juden." „Wie kommt das1?" fragt sich der Verfasser. Er hätte sich antworten sollen, es kommt daher, daß der sogenannte Liberalismus die politische Gesinnung des städtischen Bürgertums ist, und die Juden, mit sehr wenigen Ausnahmen, seit Jahrhunderte! Städter sind. Es kommt noch der besondere Umstand hinzu, daß der Konservatismus aller Schattierungen die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden seit jeher mit aller Macht bekämpfte und .bis auf den heutigen Tag ihrer vollen Verwirklichung alle möglichen Hindernisse in den Weg stellt, während der Liberalismus gerade das Gegenteil tat. Die Erfahrung hat die Juden gelehrt, daß ihre volle Emanzipation erst eintritt, wenn alle anderen -Klassen im Staate befreit sind. Als Unterdrückte seit Jahrhunderten fühlen sich die Juden zu den anderen'unterdrückten Volksgruppen hingezogen, und jene unter ihnen, die durch Temperament und Ueberzeoigung dazu geeignet sind, gehen unter die Sozialdemokraten. Was das alles mit Mammonismus und Handelsgeist zu schaffen hat, ist nicht ersichtlich. Diei jüdischen Redakteure und Agenten de|r Sozialdemokratie werden doch wahrhaftig nicht aus Geldgier dorthin getrieben. „Die Presse", versichert der Verfasser, „besitzt auf die Gemüter viel mehr Einfluß, als der Staat selbst, weil und so lange die Pressefreiheit besteht." Er hält es daher begreiflicherweise für sehr wichtig, „daß die Pres'seleute eine anständige, menschenfreundliche, staatserhaltende Gesinnung haben". Nun, Staats erhaltend und menschenfreundlich gehen nicht immer Hand in Hand. Zar' Nikolaus' I. z. B., sowie sein Urenkel, femer Murawiew der Henker, Pobjedonoszew, Plehwe und Purischkewitsch, der Liebling ider Kreuzzeitung, deren eifriger Mitarbeiter er bis kurz vor Ausbruch des Krieges gewesen, waren doch unzweifelhaft staatserhaltend, aber von dem Vorwurf allzu großer Menschenfreundlichkeit wird man sie doch wohl freisprechen müssen. Es ist bezeichnend für die Denkweise des Verfassers, daß er nur die Politik seiner Klasse allein für staatserhaltend und national erachtet. Jede Klasse hält sich für die alleinige Repräsentantin -des Staates oder der Nation. Als der absolute Monarch noch eine besondere Klasse für sich bildete, sagte Ludwig XIV.: „L'etat C'est moi." Und um die Mitte des' 19. Jahrhunder!ts rief Proudhon dem' Arbeiter!zu: „Merk.dirs, der Staat, das bist du!" In den Kreisen des Grafen Trützschler von Falkeinstein empfindet man es sehr unangenehm, daß die Juden in der Politik, und zwar in der nichtkonservativen, viel zu viel sich betätigen, und dies kommt" in der Behauptung zum Ausdrück, daß die Juden ihren mammonistischen Handels'geist in die Politik hineintragen und mit ihm 'das öffentliche Leben verseuchen. DIE DREI WEGE. Wie wäre dem abzuhelfen? Ganz einfach: m an muß es so anstellen, daß d i e J u d en aus dem Deutschen Reich verschwind e n. Wenn die Juden aufgehört haben, zu sein, dann haben alle Uebel auf einmal ein Ende genommen. Zwei Wege sind bisher bekannt geworden, die zu diesem 2iele hinzuführen versprechen. Der; eine Weg ist der Zionismus, der, nach der Meinung des Verfassers, die An Siedlung aller Juden in Pal äs ti na als NaJt.ion" erstrebt. Nach dieser radikalen Lösung gibt es keine Juden mehr in Deutschland, damit ,,würde den Juden zweifellos am besten gedient sein", und das deutsche Volk wäre von ihrem mammonistischen 'Handelsgeist für imimer befreit. „Aber der zionistische Gedanke wird wohl ewig ein theoretischer bleiben, schon weil die wirtschaftliche und finanzielle Loslösung der Juden aus dem' Bestehenden unausführbar erscheint " Der zweite Weg ist der Antisemitismus. Dieser will die Juden mit Stumpf und Stiel aus-