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Ost und West · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · p. Seite 195 - 196

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Article
Sein oder Nichtsein?
Date
1918-07-01
Page
Seite 195 - 196 (sequence 2)
Language
German
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195 Sein oder Nichtsein? 196 Schiller" geworden ist. Man möchte dem Herrn Grafen Trützsehler von Falkenstein gern empfehlen, Herüber die zu Schillers 100. Todestage („Ost und West", Jahrg. V, Heft 5) erschienene Studie.;,Schliler in hebräischem Gewände" nachzulesen, und sich über dieses Thema einige Gedanken zu machen. Es ist hier nicht der Ort, das Verhältnis1 des jüdischen Geistes zu Spinoza und zu Kant zu erörtern, aber so viel steht fest, daß die jüdischen Denker des Mittelalters sowie die Metaphysik dqs Sohar auf Spinoza von tiefster Wirkung1 gewesen sind. Manches 'Blatt in seinen (Schriften wirkt förmlich wie eine Abschrift aus iChisdai Crescas. Aber diese Gedankenmassen haben in seinem Geiste eine derartige Umgestaltung erfahren, daß sie in ihrer vollendeten Form den Juden völlig fremdartig erscheinen mußten. Und zwar war es viel weniger sein Pantheismus, als seine Art, Welt und Menschen zu betrachten, die die Juden am stärksten abstieß. Die Handlungen und das Leben der Menschen mit derselben Kühle und nüchternen Herzlosigkeit zu betrachten, und sie more geometrico zu behandeln, als wären sie Punkte, Linien und Dreiecke, dazu kann ein rechter Jude sich nie und nimmer entschließen. Ob Maimuni wohl imstande gewesen wäre, einen solchen Satz niederzuschreiben? ,Die Begeisterung, in welche Philosophie-Historiker ausbrechen, sobald sie über den lauteren Charakter, das weitabgewandte, einzig der Kontemplation des' Ewigen geweihte Leben Spinozas zu sprechen kommen, erscheint den Juden unverständlich. Sie haben unter ihren Rabbijnern und Lehrern zu allen Zeiten Gestalten gesehen, Welche alle diese Prädikate in einem ungleich höheren Maße verdienten, aber sie verhimmelten sie deswegen noch lange nicht. Was dagegen die Juden an Kants Lehre zunächst anzog; und ihnen den Weg in das Innere seines 'Systems (erschloß, das war kein Kategorischer Imperativ. Das' (übersetzten sie sich einfach mit Mizwah, was ja lexikalisch ganz richtig ist; und man weiß, welch eine Fülle des Beseligenden, Herzerquickenden, Lieblichen und Bezwingenden dieses Wort für den Juden einschließt. Im Gegensatz zu allen Kant-Interpreten, vielleicht ein wenig auch zu iKant selber, betonten sie nun nicht die kalte, freudlose, pedantische Pflicht, sondern die Mizwah, die man in freudiger, hingebender Liebe erfüllt. Man muß es sich nämlich zweimal und dreimal überlegen, ehe man, davon ausgehend; daß S.pinoza che moderne jüdische Denkweise begründet habe, den „jüdischen Geist" in die Formel zu pressen wagt: „Der, dem Juden eigentümliche Standpunkt ist durchaus intellektuell: nur erkennen mit Hilfe des1 Verstandes. Das ahnungsvolle, intuitive Erleben und Erkennen liegt ihm fern." Müßte da nicht auch Goethe das ahnungsvolle, intuitive Erleben und Erkennen ein wenig fern gelegen haben? 1 Diese jüdische Eigientümlichkeit ist, wie es scheint, dem Verfasser die Wurzel aller Uebel, die dem „jüdischen Geist" anhaften und das deutsche Volk bedrohen. Dieser jüdische Geist aber ist nach ihm „Handeisigeist", „Mammonismus". Es ist eigentlich ein bißchen schwer zu veristehen, wie Spinoza mit diesem Judengeist zusammenhängt, was immer man dem von Goethe bewunderten jüdischen Philosophen vorwerfen mag, Mammonismus und Handelsgeist hat ihm noch keiner zugeschrieben. Ziemlich unklar ist auch, wie sich dieser jüdische Mammonismus' und Handelsgeist mit folgenden Sätzen vereinen läßt, die; der Verfasser, offenbar aus tiefster Ueberzeugung und persönlicher Erfahrung heraus niederschreibt: „Schon oft hat der Verfasser dieses Buchejs in ernsten Stunden der Unterhaltung mit bedeutenden Religionsphilosophen die Ansicht bzw. Ueberzeugung gehört, daß die Juden im täglichen Leben, besonders in der sogenannten Gesellschaft, christlicher handeln an ihren Nächsten, indem sie ihnen einen vielleicht vor vielen Jahren gegangenen Fehler, einen sogenannten dunklen Punkt in Liebe gern verzeihen, wenn der betreffende Mensch durch Arbeit und ordentliches Benehmen bewiesen hat, daß er ein Besserler, Vollkommenerer geworden ist.. Diese vornehme, - echt christliche, großzügige Nächstenliebe. . . aber finden wir, bei den Juden schon deshalb, weil sie ein so wundervolles, mit Herzenswärme verbundenes Familienleben führen." Allerdings muß hier außer dem Familienleben auch noch die jahrhundertelange Erziehung durch die jüdische Lehre in Betracht gezogen werden. Einige Rechtsgrundsätze des Talmud mögen da erwähnt werden: „Sobald der Schuldige seine Strafe abgebüßt hat, ist er, wie zuvor, wieder dein Bruder." „Man darf keinem seine früheren Vergehungen vorhalten." „Jeder Mensch wird nur nach seinen Handlungen in dieser Stunde gerichtet." Einem jüdischen Richter, der nach mosaisch-talmudischem Recht einen Prozeß durchzuführen hatte, wäre es z. B. nie in den Sinn gekommen, den Angeklagten nach etwaigen ehemaligen Missetaten zu befragen. — Auf jeden Fall bekundet dieser Zug im jüdischen Charakter, daß der Judengeist nicht ,ausschließilich vom Mamm'onismus beherrscht sein dürfte. Der Verfasser konstatiert selber, daß dieser „Weltkrieg die Folge der Selbstsucht und des übertriebenen Begehrens nach Geld und Gut ist". D,a nun dieser Weltkrieg äm Ende nicht ausschließlich von Juden, sondern nebenbei auch von einer" erklecklichen Anzahl1 Christen, sogar sehr guter Christen geführt wird, so scheint der Mammonismus

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