Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1918)
- Article
- Sein oder Nichtsein?
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 157 - 158 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Sein oder Nichtsein? 15 tholische, den menschlichen Geist terrorisieren und zu Tode quälen. Im Grunde besteht zwischen beiden nur der Unterschied, daß. das eine kirchlicher, das andere staatlicher Natur ist. Beide halten sich für alleinseligmachend. Die römische Kirche nennt sich die beste unter allen Kirchen, der deutsche Staat den vollkommensten unter allen Staaten, beide glauben blindlings an ihre Gewalt und kein Opfer ist ihnen zu teuer, um sie aufrechtzuerhalten, Leben und Tod der Menschen sind ihnen nur Mittel, um zur Allmacht zu gelangen. Die Kirche war seit jeher despotisch organisiert, Deutschland ist es vornehmlich seit einem halben Jahrhundert. Ganz wie die Kirche im 15. und 16. Jahrhundert, gefällt sich Deutschland gegenwärtig in Grausamkeiten und. blutigen Rasereien. Es mordet, plündert, brennt, Deutschland repräsentiert den irdischen Terror, wie die Kirche den himmlischen. Undi da die Ironie der menschlichen Schicksale darin besteht, daß zwei Mächte, die einander ähnlich sind, sich fast immer bekämpfen, so geschah es, daß der furor teutonicus sich auf Löwen, Mecheln und Reims stürzte. Priester wurden ermordet in großer Zahl, Kirchen zerstört, ohne Zögern, ohne Mitleid. . . Wilhelm II. verabscheut den Katholizismus, und betrachtet dessen Zertrümmerung als . das Ziel seines Lebens, aber bevor. er. ihn vertilgt, entlehnt er ihm dessen furchtbare Disziplin und die wahnsinnige Verwegenheit, in der Aufstellung grundloser Behauptungen.. ... Deutschland fordert, daß, man an eä glaube, wie an eine irdische Gottheit, man darf weder seine Unfehlbarkeit leugnen, noch den unvergleichlichen Wert, seiner Macht bezweifeln. Das deutsche Volk ist der Genasführte seiner preußischen Erzieher, denen es aufs Wort glaubt. Diese haben.es der Fähigkeit zu urteilen und zu kontrollieren beraubt,, es in eine .militärische Autorität un.d;_ feudale Vergangenheit zurückgeworfen; sie haben,ihm. .als Ideal .nicht .den Geist Heines o.:.de:r._:S. cli.Ulers ,; sondern den des Chemie - Professors (Dstwald... eingeflößt, der überzeugt ist, daß' die, Welt nach unabwendbaren Wirkungen uncL.iGeg.enWirkungen eingerichtet werden müsse, gleich wie der. chemische Niederschlag in .einer Retorte;.;. Ist nun die ganze vielgerühmte deutsche Organisation nichts als eine Nachahmung der römischen Kirche^ so ist dagegen der Geist, der diese Organisation beseelt und sich ihrer bedient, nichts weniger als christlich, er ist semitisch!. (Eigentlich' ist ja das Christentum selber, wie männiglich bekannt,- auch ein bißchen semitisch, aber das' übersieht der Lyriker.) „Deutschland weiß das! sehr wohl, aber es' widerstrebt ihm, dies ein- ■zugestehen. Es versichert im Gegenteil, daß' es unter allen arischen Völkern sich am reinsten voi jeder Vermischung bewahrt hat." Verhaeren aber weißes besser und er. läß die Tatsachen aufmarschieren. In keinem Lande haben sich die Juden mehr eingenistet, als in Deutschland, fast alle ihre Familiennamen sind deutsch und sie führen sie über die ganze Welt spazieren. Nachdem ihre Ghettos aufgehoben wurden, arbeiteten sie an dem Aufblühen der freien Städte: Lübeck, Hamburg, Bremen; Frankfurt wurde eine Art abendländisches Jerusalem. Die Juden haben überall den Reichtum geschaffen. Ihre Macht war stark genug, um der Schaustellung und des Hochmutes entbehren zu können. Sie blieb im Schatten, war aber gefestigt und regsam. Als die Deutschen nach 1870 sich daran machten, ihren Handel und ihre Industrie zu entwickeln, waren es die Semiten, die sie auf der Stelle lehrten, den Handel zu organisieren und die Geschäfte vorzüglich zu leiten. Sie waren wunderbare Erzieher, die besten Erzieher der Welt. Die großien Handelshäuser, die Schiffahrtslinien, die Elektrizitätsgesellschaften, haben mächtige Juden an ihrer Spitze. Andere traten in den Hintergrund und zogen es vor, unter ihrer Aufsicht authentische Germanen die Unternehmungen leiten zu lassen . . . Sogar die Krautjunker und der Hochadel, angetrieben von der Gier nach raschem Gewinn, vertrauen den Juden ihre Kapitalien und ihre Projekte an. Auch das politische und diplomatische Deutschland trachtete, sich diesen kühnen und unternehmenden Geschäftsgeist anzueignen. In den Augen dieses Deutschlands waren die Beziehungen von Volk zu Volk nichts mehr als1 ein Geschäft. Selbst als es an Belgien sein Ultimatum richtete, bot es den Preis an die Hand, nicht einen Augenblick dachte es an die moralischen Kräfte, die dieses Volk geheim in seiner Seele aufgespeichert haben könnte, Deutschland sprach nur von Gewinn und Verlust, wie an der Börse. Wer aber war der Faktor, der den praktischen und materialistischen Geist der Juden der festgefügten hierarchischen Organisation der Kirche, die semitische Seele dem katholischen Körper einflößte? Es war- Preußen, welches dies Werk vollbrachte. Oesterreich,und Süddeutschland folgten nur widerwillig'. ' Preußen nahm die Zügel fest in die Hand. Seit seinem Sieg über Frankreich führte es eine laute Sprache und wußte sich Gehorsam zu verschaffen. Bismarck, der Mann mit dengroßen Stiefeln, verstand es1, alle Protestationen und alle Rechte mit Füßen zu treten. Er hat die Seele des Volkes umgebildet, es mit Tatkraft und Kühnheit ausgerüstet, ihm den Geist der Zweckmäßigkeit und der Rücksichtslosigkeit eingeflößt, es von den edlen Spe-