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Ost und West · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1918) · p. Seite 145 - 146

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1918)
Article
Sein oder Nichtsein?
Date
1918-05-01
Page
Seite 145 - 146 (sequence 4)
Language
German
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145 Sein oder Nichtsein? 1-46 jenen, der gar keine „Ursache" hat, -den grundlosen Haß, für den der Hasser, wenn er eine« gewissenhafte Selbstprüfung unternimmt, gar keinen greifbaren Grund anzugeben vermöchte. Er haßt, ohne . selber zu wissen, warum; nur so, weil der Haßin der Luft schwebt und weil es ihm eine Wollust und eine Genugtuung bereitet, mitzuhassen. Die Kompliziertheit der Erscheinung, hat Scheler nicht berücksichtigt, während er >die_ Ursachen des Deutschenhasses untersuchte. Und dieser Umstand macht seine Darlegungen einseitig und ungerecht. META COHN * HENDEL Sonnenuntergang in der Heide (Holzschnitt) BERLIN METAPHYSIK UND REALISTIK DES HASSES, Auch sonst bewegen sich seine Ausführungen viel zu sehr in abstrakt spekulativen Regionen,' und gehen darum vielfach an naheliegenden und; sichtbaren Erscheinungen achtlos vorbei. Es ist z. B. durchaus unrichtig, wenn er versichert, Träger des Hasses gegen die Deutschen sei überall der Mittelstand, die industriellen und kommerziellen Schichten der Bevölkerung. Diese Behauptung entspricht der ganzen Lebensanschauung Schelers. Es ist der aristokratische Radikalismus, der auf die Auserwähltheit der „hohen (Sphären" pocht und ihnen die Mission zuschreibt, die Arbeiterschaft von der Tyrannei der . Bourgeoisie zu befreien. Das war eine geraume Zeit neueste Mode, ist aber bereits von einer, allerneuesten überholt worden. Man fühlte sich, als konservativer Aristokrat, war aber mit einem Tropfen echt demokratischen Oels gesalbt und hätte die höhere Aufgabe, das Volk zu führen. Das war pikant, aristokratisch und doch zugleich revolutionär, eine interessante Vereinigung unversöhnlich scheinender Gegensätze. Man donnerte gegen Bourgeoisie, Kapitalismus, Liberalismus, Mammonismus'. In diesen . Stil paßt es1 hinein, wenn Scheler die aristokratischen Schichten, sowie die Arbeiterschaft der Ententeländer von der Schul'd des Deutschenhasses freispricht und diese ganz auf das „liberale Bürgertum" schiebt, auf die' Arbeiter nur insofern, als sie sich noch nicht von der geistigen Bevormundung durch die industrielle Bourgeoisie befreit haben. Leider bekundet diese Behauptung eine vollständige Verkennung der Wirklichkeit. Zunächst bildet der „Mittelstand" in den. Ländern der Entente weder .sozial noch wirtschaftlich eine einheitliche Schicht mit gleichen Neigungen, Lebensgewohnheiten und Anschauungen. Was in England zum sehr bescheidenen Mittelstand gehört, kann sich .in Italien und Rußland schon zur hohen Plutokratie rechnen: Wie kann man übrigens Burzew, Krapotkin, Plechanow, die gleich nach Kriegsausbruch in wildem Deutschenhaß, aufloderten, zu den Vertretern des Mittelstarides oder (der „liberalen Bourgeoisie" rechnen? Esl ist bekannt, daß* die russischen Arbeitermässen gegen Deutschland bittern Groll hegten, und zwar aus z-weierlei Gründen; sie behaupteten, der Rußland abgenötigte Handelsvertrag bringe -zwar, dem Handel und dem Finanzkapital großen, Nutzen, hindere aber die Entwicklung, der Industrie und das Steigen der Löhne, mache also den .russischen Arbeiter zum Sklaven der Deutschen; ferner behaupteten die russischen Arbeiter (und darin wurden sie von der Regierung bestärkt), Deutsch-

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