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Ost und West · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1918) · p. Seite 73 - 74

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1918)
Article
Dr. Echiel Tschlenow
Date
1918-03-01
Page
Seite 73 - 74 (sequence 5)
Language
German
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73 Dr. Echiel Tschlenow. 74 so reiste er Ende 1914 zu einer Konferenz nach Kopenhagen und von dort weiter über England und Frankreich nach der Schweiz. Seine Aufgabe war es hierbei, mit den Zionisten dieser Länder die Grundlagen der zionistischen Politik festzulegen. Eine zweite Reise nach Kopenhagen im Sommer 1915 hätte für ihn infolge des Mißtrauens der automatischen russischen Regierung heinahe üble Folgen gehabt. Dann verschlimmerte sich sein altes Magenleiden zusehends, so daß er sich" im November einer Operation unterziehen mußte. Wenngleich diese ihm in bezug auf die Schmerzen, die ihm sein Leben vergifteten, eine große Erleichterung brachte, so bedurfte es doch einer langen Erholungszeit. Auch das Jahr 1916 brachte ihm keine Besserung, im Gegenteil, es traten sogar Rückfälle ein, ' so daß er keine weiteren Reisen 'wagen durfte und sich schon ernstlich mit dem Gedanken des Rücktritts aus dem Engeren Aktionskomitee der zionistischen Organisation trug. Hiervon nahm er zwar auf den Wunsch seiner Kollegen Abstand, aber er mußte sich andauernd schonen und hätte es auch wohl im folgenden Jahre getan, wenn nicht die Umwälzung in Rußland dringende Anforderungen an ihn gestellt hätte. In wenigen Monaten nach der Revolution war die zionistische Organisation in Rußland unter Tschlenows tatkräftiger Leitung schon auf 140 000 Mitglieder angeschwollen. Ihm gelang es, die russische revolutionäre Regierung zu veranlassen, als erste gegen die Judenverfolgungen in Palästina zu protestieren und ihre Bundesgenossen zu gleichen Schritten anzuregen. Die russischen Zionisten verlangten jetzt eine Delegierten-Konferenz, machten aber ihre Einberufung von der Teilnahme Tschlenows abhängig. Trotz seines leidenden Zustandes präsidierte er dieser, eine ganze Woche lang, in der ersten Hälfte des Juni dauernden Konferenz in Petersburg und leitete sie mit einer im besten Sinne des Wortes programmatischen, von minutenlangem 5eif all um brausten Rede ein, die unter der Ueberschrift: „Der Krieg, die russische Revolution und der Zionismus" unter anderen auch in deutscher Sprache erschienen ist. Sogar nach Jerusalem drang diese bedeutsame Kundgebung und wurde bald, wie Dr. Thon schreibt, in seinem Hause vor einem zahlreichen Publikum vorgelesen. Es war der Höhepunkt des Lebens Tschlenows. Sofort nach Schluß der Konferenz begab sich Tschlenow, noch ganz angetan von der gehobenen Stimmung derselben, von Petrograd nach Kopenhagen, wo ihn seine Kollegen zum letzten Male bei längeren Konferenzen sehen sollten. Dort stärkte er sich noch in einem Sanatorium bei Helsingör für seine Reise nach England, von der er nicht wieder zurückkehren sollte. In London war er eifrig beschäftigt mit hochpolitischen Aufgaben, welche die Sicherung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zum Ziel hatten. Er war voller Hoffnung dorthin gegangen, hatte ihm doch der Minister des Aeußern in Kerenskis Kabinett die Zusicherung gegeben, daß die russische Delegation auf der Pariser Konferenz sich zum Dolmetscher der zionistischen Forderungen machen werde. Auch konnte er in London noch die historische Erklärung Balfours an Lord Rothschild vom 2. November bezüglich Palästinas erleben und ebenso die denkwürdige jüdische Riesendemonstration daselbst am 2. Dezember. Auch die Nachricht der Einnahme Jerusalems konnte er noch in vollem Maße würdigen. Wie sehr er noch bis zuletzt an seiner großen Aufgabe hing und mit welcher Klarheit er die Lage betrachtete, zeigt ein Brief, der am 2. Februar auf der Jahreskonferenz der englischen zionistischen Föderation verlesen wurde; er hatte ihn zwei Tage vor seinem Tode geschrieben. In deutscher Uebersetzung lautet der Brief, sein letztes Dokument: „Im 'Namen des Engeren Aktions-Komitees der zionistischen Organisation sende ich Ihnen herzliche Grüße. Ich bin überzeugt, daß die bevorstehende Konferenz von großer historischer Bedeutung sein wird und bedauere es außerordentlich, infolge von Umständen, über die ich keine Macht habe, verhindert zu sein, an ihr teilzunehmen." „Die Erklärung der englischen Regierung hat die Aussichten unserer Bewegung geändert. Wir haben jetzt das Versprechen Großbritanniens, dessen Freundschaft für die kleinen Nationen traditionell ist, „die größten Anstrengungen zu machen, um uns bei der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina beizustehen". Die Weltgeschichte, im besonderen aber die Geschichte des jüdischen Volkes, wird diese Tat mit goldenen Buchstaben verzeichnen. Die

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