Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1918)
- Article
- Dr. Echiel Tschlenow
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 75 - 76 (sequence 6)
- Language
- German
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75 Arbeit, die uns bevorsteht, ist schwer, die Periode des Wiederaufbaus beginnt. Unsere Gedanken und unsere Kritik müssen zusammen arbeiten. Alles aber muß beherrscht sein von dem einen Gedanken: Wie verwirklichen wir am besten unser Ziel?" „Das letzte Jahr stellt einen gewaltigen Fortschritt dar; nur durch Einigkeit können wir unsere Forderungen erfolgreich zur Geltung bringen. Lassen Sie uns hoffen, daß das kommende Jahr uns in Erez Israel'sehen wird, und daß die Grundlagen unseres nationalen Heims treu und fest gelegt werden." Tschlenow verschied schmerzlos und friedlich, aber fern von Heimat und Familie; sein Tod ist, wie sein Kollege Nahum Sokolow aus Paris sehr richtig schreibt, „seit Herzl und Wolffsohn der größte Verlust für den Zionismus''. Und ebenso, richtig schreibt. Max Nordau aus Madrid: ,,Es scheint unser tragisches Schicksal zu sein, daß unsere besten Männer das Land der Verheißung nur aus der Ferne sehen dürfen und daß ihnen das Glück versagt ist, ihren Fuß auf heiligen Boden zu setzen. So war es mit unserem Lehrer Moses, so mit Herzl, und jetzt wiederholt es sich mit Tschlenow." Für die beiden letzteren gilt das freilich nur bildlich; Tschlenow hat sogar zweimal Palästina besucht, im Jahre 1907 und 1912, und hat die Fortschritte der jüdischen Siedlung während dieser Periode in einer, vom jüdischen Verlag auch in deutscher Sprache herausgegebenen Schrift: „Fünf Jahre Arbeit in Palästina" in reizvoller, eindringlicher Weise geschildert. Sein Ideal aber, im Kreise seiner Gesinnungsgenossen im heiligen Land bis an sein Lebensende wirken und dort ernten zu können, was er g'esät hat, sollte er nicht erreichen. Seine Beisetzung fand am 6. Februar in London statt. Oberrabbiner Dr. Herz und Chacham Dr. Gaster hielten die Trauerreden 76 in der Großen Synagoge, und ein bedeutender Teil-der jüdischen Gemeinde folgte dem Sarge von der Synagoge bis zum jüdischen Friedhof in Willesdon. Auch das englische Ministerium ließ sich bei der Beerdigung Tschlenows vertreten, und zwar durch Mark Sykes, den Fachmann der Regierung für den Vorderen Orient, sowie durch Ronald Graham; auch die armenische Kommission sowie die arabische Legion entsandten Vertreter. Tschlenow'starb in dem Augenblick, wo die zionistische Arbeit an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt ist, wo sein Hinscheiden also der denkbar schwerste Schlag für die Bewegung sein mußte. Daß dies die allgemeine Empfindung war, zeigte die imposante Trauerfeier, die am 13. Februar in der bis auf den letzten Platz besetzten Great Assembly Hall in London abgehalten wurde und bei der Dr. Weizmann, Achad Haam, Israel Zangwill, Rabbiner Kuk und Vertreter der verschiedenen jüdischen Parteien und zionistischen Richtungen seine Verdienste würdigten. Ueberall, wo Zionisten in größerer Menge wohnen, wurden Trauerfeiern für Tschlenow abgehalten; zahllose Beileidskundgebungen, sogar aus den fernsten Winkeln der Erde, strömten ein und bewiesen, daß das jüdische Volk eine dankbare Verehrung für seine großen Männer besitzt. Um aber seinen Namen dauernd mit den Bestrebungen seiner Arbeit und dem Ziel seiner Sehnsucht zu verbinden, hat das Zionistische Aktionskomitee . beschlossen, unverzüglich an die Sammlung einer Million Francs für eine Tschlenow-Kolonie im heiligen Lande heranzutreten. Mögen die zukünftigen Kolonisten unter diesem Banner auch seiner Charaktereigenschaften teilhaftig werden, dann wird die Tschlenow-Kolonie gedeihen und seinen Namen ehrenvoll in ferne Zukunft tragen. Dr. Echiel Tschlenow.