Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1918)
- Article
- Dr. Echiel Tschlenow
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 69 - 70 (sequence 3)
- Language
- German
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69 Dr. Echiel Tschlenow. 70 kein m etwa r, lieh, sein bevor entscheidende Entschlüsse gefußt würden; er fühlte sich mehr als Richter denn als Anwalt, und liebte es daher, in der Diskussion am Knde noch alle Gesichtspunkte zu einem übersichtlichen Bilde zusammenzufassen, wobei er auch den von ihm abgelehnten Ansichten nach Möglichkeit gerecht zu werden strebte. Daß Tschlenow mit diesen lüer kurz gezeichneten Eigenschaften dem schnell entschlossenen, an weit ausgreifenden Ideen überreichen Herzl ganz beque- Mitkämpfer ist verständaber gerade nüchterner, kritischer, ärztlich geschulter Verstand, sein bedächtiger, . mehr wägender als wagender Sinn war eine wichtige Ergänzung des stürmischen Charakters Herzls und wirkte vielfach für die Bewegung überaus segensreich. Zu einem wirklich scharfen Konflikt kam es aber nur einmal, im Jahre 1903, gelegentlich der bekannten Uganda-Angelegenheit auf dem 6. Kongresse, bei der er übrigens durchaus nicht einen so schroff abweisenden Standpunkt einnahm, wie ihm häufig zugeschrieben wurde. Er gehörte im Gegenteil auch in dieser Frage zu den Versöhnlicheren,, indem er stets nur nach Garantien dafür suchte, daß die Ugandakolonisation der Palästinasiedlung kein Hemmschuh werde. Es war ihm daher auch sehr schwer und kostete ihn große Ueberwindung, dem Antrag auf Absen du ng einer Unter- Dr. Echiel Xeschlenow suclumgskommission nach Uganda sein Nein entgegenzusetzen. Als er dann, nachdem der Antrag dennoch angenommen wurde, mit einigen Freunden den Saal verließ, weil er sich bei der weiteren Diskussion für überflüssig hielt, dachte er gar nicht 'daran, damit eine große Demonstration zu veranstalten; diese entstand erst dadurch, daß alle Neinsager sein Herausgehen aus dem Saal als eine solche auffaßten und ihm folgten. Das Theatralische war ihm überhaupt fremd und sogar unsympathisch. Als diese durch die Charkower Konferenz noch mehr zugespitzte Angelegenheit im nächsten Frühling in ein ruhigeres Fahrwasser gekommen war, war Tschlenow einer derjenigen, die sich am meisten für eine Vermittlungsaktion einsetzten; die Versöhnung kam dann ja auch kurz vor dem Tode Herzls zustande, indem Herzl in einer Tagung des Großen Aktionskomitees durch eine Erklärung die Zweifler überzeugte, daß auch ihm Palästina am Herzen lag. , Nach dem Ableben Herzls war es der Wunsch des nächsten und aller folgenden Kongresse, daß Tschlenow mit an die Spitze der Bewegung trete, seine Arbeit also nicht, wie bisher, sich hauptsächlich auf Rußland beschränke. Aber er lehnte stets ab, da er aus persönlichen Gründen Rußland nicht verlassen konnte und nicht glaubte, fern vom Haupt-