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Ost und West · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1918) · p. Seite 33 - 34

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1918)
Article
Die Emanzipation der Juden in Ungarn
Date
1918-01-01
Page
Seite 33 - 34 (sequence 7)
Language
German
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Die Emanzipation der Juden in Ungarn. 34 vorlegte, welches die politische und bürgerliche Rechtsgleichheit der Juden aussprach, die Gültigkeit der zwischen Christen und Juden geschlossenen Ehen anerkannte, die Notwendigkeit der Reformierung ihrer Religion betonte, — ein aher Wunsch Ludwig Kossuths, welchem Wunsche die in Pest und in einigen ungarischen Gemeinden gegründeten Reformvereine schon während des Freiheitskampfes entsprachen — ferner wurde in dem Gesetze hervorgehoben, daß die Regierung die Bedingungen ihrer gesetzlichen Niederlassung festsetzen wird. Es gibt keine Konfession — so sprach der Ministerpräsident Bartholomäus Szemere, als er das Gesetz vorlegte — welcher in unserem Freiheitskampfe nicht Helden entstammt wären und solche, die reichliche Opfer gebracht. Kaum gibt es aber eine Volksklassc, die die Juden hinsichtlich der Treue und \rbei*, die sie im Nationalkampfe an den Tag gelegt, übertraf. Die Gleichberechtigung ist eine notwendige Folgerung unserer Wiedergeburt und wenn wir dies auch auf diejenigen anwenden, die der mosaischen Konfession angehören, so belohnen wir damit außer der Erfüllung der menschlichen und bürgerlichen Pflicht auch das patriotische Verdienst. Der Gesetzentwurf wurde nach der Begründung einstimmig angenommen, worauf der Ministerpräsident feierlich erklärte: Dies war ein großes Fest der Nächstenliebe und des Christentums! Cie Nationalversammlung drückte derart etwas in die Hand der Juden, was ihnen überhaupt keinen Nutzen mehr bringen konnte, weil der Freiheitskampf zu dieser Zeit in den letzten Zügen lag; sie wollte aber mit einer schonen Pose ihre Laufbann beenden. In Szeged wurde am 28. Juli die letzte Sitzung gehalten und der letzte Bcratung^gegenstand dieser Sitzung war die Emanzipation der Juden. Das Gesetz lebte bloß einige Tage. Als die ungarischen Heere bei Yilagos vor den Russen, die die Oesterreicher zur Hilfe gerufen, die Waffen streckten, begann die Schreckensherrschaft des österreichischen Absolutismus, die alles niedertrat, was mit dem Freiheitskampfe im Zusammenhange stand, und mit zügelloser Wut jede** zum Tode verurteilte, ins Gefängnis warf und verfolgte, der für die Unabhängigkeit Ungarns mit Worten oder mit dem Schwerte kämpfte. Sie ließ den hervorragendsten unten den ungarischen Rabbinern, Leopold Low, Rabbiner in Papa verhaften, der von herrlicher Begeisterung getrieben, dem Ungartum große Dienste geleistet und dem die Emanzipation der Juden sehr viel verdankt. Nicht bloß an einzelnen stillte sie ihre Rache, sondern bestrafte auch das ungarische Judentum, indem sie es mit einer Kriegskontribution von 2 300 000 Gulden belegte, die jedoch Kaiser Franz Josef am 20. September 1S30 nach mehrfachem Ansuchen auf eine Million verringerte. Den eingelaufenen Betrag ließ der Kaiser zur Gründung eines israelitischen Schulfonds verwenden. Der Kaiser machte in der aufoktroyierten Verfassung am 4. März 1849 den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte unabhängig vom Glaubensbekenntnisse. Die Juden wurden demzufolge in den österreichischen Provinzen mehr auf dem Papier als in Wirklichkeit Staatsbürger; in dem unterjochten Ungarn hingegen blieb alles beim alten mit der Ausnahme, daß sie Landgüter erwerben und sich überall frei niederlassen durften. Jedoch infolge des Berichtes, daß diese Konzessionen, sich als schädlich erwiesen, schränkte der Kaiser am 2. Oktober 1353 den Besitzerwerb und die Freizügigkeit ein. Die Pester isr. Gemeinde wandte sich zwar sofort mit der Bitte an Erzherzog Altrecht, den Gouverneur von Ungarn, er möge ihr Fürj-precher sein, damit die kaiserliche Verordnung zurückgezogen werde, dennoch dauerte es sieben Jahre, bis die Reihe daran kam. Cie Niederlage, die Oesterreich in Italien erlitt, hatte auf eine kurze Zeit die Aenderung des politischen Systems zur Folge. Es wollte das geschlagene L'n^arn versöhnen, deshalb gestattete es, daß der Reichstag einberufen werde. Die beiden Parteien des rasch aufgelösten Reichstages und ihre Führer Franz Deak und Koloman Tisza traten im Prinzipe für die Emanzipation ein. Während der Zu: des Reichstages hielten die Delegierten der Juden der ungarischen israelitischen Gemeinden Beratungen in Pest, wie sie sich in ihrer Angelegenheit verhalten sollten. In der am 17. April abgehaltenen Konferenz wurde beschlossen, daß sie es mit ihrem Selbstgefühl für unvereinbar hielten, um die Emanzipation anzusuchen, teils weil sie diese nicht als Gnadenakt, sondern als eine Frage der Gerechtigkeit betrachteten, teils weil sie nur zur Genüge Bekanntes wiederholen müßten, wenn sie mit Gründen für die Emanzipation hervortreten wollten. An diesen Beschluß hielt sich die Pester isr. Gemeinde, als sie nach Herstellung der ungarischen Verfas-ung dem Kultusminister Baron Josef EDtvös. der siel» an sie bezüglich der Wünsche der ungarischen Juden mit einer Anfrage wandte, im April ISoT Folgendes antwortete: L'nsere Ueberzeugung geht dahin, daß wir Israeliten über die Frage, ob die bürgerliche Freiheit aufhören soll, ein Vorrecht der privilegierten Glaubensparteien zu sein, nichts zu sagen haben. Es ist dies die Sache des Landes und der Nation, deren Wohl wird durch die Erfüllung dieser unabweisbaren Forderung des Fortschrittes befördert, daher auch die Lösung dieser Frage die Gesetzgebung der Nation angeht I\r ungarische Reichstag beglich seine alte Schuld den Juden und den menschlichen Rechten gegenüber im Krönungsjahre Franz Josefs. Am 23. November legte der Ministerpräsident Graf Julius

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