Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1918)
- Article
- Die Emanzipation der Juden in Ungarn
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 31 - 32 (sequence 6)
- Language
- German
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3! Die Emanzipation der Juden in Unf am. 32 drei Jahren wieder zusammentrat, wurde die Angelegenheit der Juden nicht mit solcher Sympathie begleitet wie auf dem früheren. Den fetten Jahren des Liberalismus folgten dünne magere Jahre. Es trafen sich dort zwar .Männer wie Beöthy, Paioczyr Kailay, Somsich, Bezcrcdj. Banhidv, Karacsonvi, Szentkiralyi, Klauzal — Franz Deak hielt sich, von den Sitzungen fern — die die Juden mit der Wärme ihrer lÜberzeugung unterstützten, doch der überwiegende Teil brach in scharfen Tönen gegen die Juden aus. besonders aus dem Grunde, weil sie ihre Religionsgesetze nicht einer Reform unterziehen wollten. Vor Beginn des Reichstages betonten die Juden, daß ihnen nicht bloß die Bürgerrechte ohne jede Einschränkung zugesprochen werden mögen, sondern forderten auch infolge der Erfahrungen, die sie bezüglich des XXIX. Oesetzesartikels des Reichstages im Jahre 1S40 gesammelt, daß der Reichstag Vorkehrungen treffe. ..daß das Leben ihnen dasjenige. *vts das Gesetz ihnen verliehen hat oder verleihen wird, nicht wegnehme, und es nicht zum Spott hinstelle." Der Reichstag arbeitete nicht im Geiste jenes von IS30 40. sondern war kühl und den Juden gegenüber unfreundlich gesinnt, aber die Regierung änderte plötzlich ihren Standpunkt, den sie seit dein Tode Josefs II. eingenommen hatte, indem sie sich den Juden freundlich zuwandte. Der K-.nig ermäßigte in seiner Verordnung vom 24. Juni 1S46 die auf 2 354 203 fl. C. M. angewachsenen Toleranz-Taxen-Rückstände auf 1 200 000 fl. und setzte für die Zukunft die Toleranzsteuer ab. Es war eine große finanzielle Erleichterung für die Juden; aber der Schritt der Regierung war auch aus dem Grunde von Bedeutung, weil damit der den Juden in Form de« Geldes angeheftete gelbe Fleck schwand, dessen Name schon so beschämend und häßlich war. daß Josef II. die Benennung dieser Steuer in Kameraltaxe umänderte. Die Gun^t der Regierung ermutigte die F ührer der Juden, den König zu bitten, daß das Los der im Lande wohnhaften dreihunderttausend Juden in eine den Forderungen des Zeitalters entsprechende Richtung geleitet werde. L'eberhaupt waren die so sehr loyalen Vertreter der Juden der Ansicht, daß sie ihr Ziel eher erreichen, wenn sie von Wien die Erlösung erhoffen, und nicht von der der Regierung gegenüberstehenden liberalen Opposition. Hiese höchst umsichtigen Führer der Juden, die auf den Fußspitzen einhergingen voran der Präses der Pester isr. Gemeinde gebrauchten in dem Oesuche. in welchem sie sich an den König wendeten, einen abgestumpften Ton, das Wort Emanzipation wagten sie überhaupt nicht auszusprechen, bloß darum erlaubten sich diese Ghettofiguren anzusuchen, daß ,.eine aus Staatsbeamten bestehende Kommissen zur genauen Prüfung unserer Verhältnisse, zur Anhörung unserer mündlichen Erörterungent und daraus hervorgehender Vorschläge zu unserer inneren Versittlichung und äußeren Erhebung zu er nennen." Der Präsident der Pester isr. Gemeinde, der gar bald seine Gemeinde und seine Religion im Stich ließ, hatte es durchgesetzt, daß an den Reichstag keine Petition gerichtet wurde; damit sie aber auch mit den Ständen die Angelegenheit nicht ganz verderben, sandten die Führer der Juden Rundschreiben an die Komitate und Abgeordneten des Inhaltes, daß sie mit Liebe und Wohlwollen ilrrer bedacht seien *md sie darin unterstützen m5gen — was sie vor dem König nicht auszusprechen wagten —, daß sie in die Bestimmungen der Verfassung aufgenommen werden. Beschimpfung der Juden, Angriffe auf sie, nirgends ein Wort der Verteidigung, und keine Hoff nung, daß ihre Zukunft sich baldigst bessere, dies charakterisiert den letzten Reichstag der Stände, bevor die Wirkung der Pariser und Wiener Revolution nach Ungarn drang. Hie große Begeisterung, die am 13. März IS4S, an dem Tage, an welchem die Preßfreiheit erkämpft und die Ideen der Freiheit proklamiert wurden, die Straßen in Pest durchzog, riß auch die Juden mit sich. Mit schwärmerischer Hingebung begrüßten sie die neue Zeit, freuten sich mit den Freuenden, meldeten sich massenhaft als Nationnlgardisten und hielten es für ihre Pflicht, ihre Dienste dem Vaterlande anzubieten, in der Ueberzeugung. daß sich das März-Postulat auch auf sie erstrecket: wird: die Gleichheit vor dem Gesetze sowohl in bürgerlicher wie auch in religiöser Hinsicht. In der Hauptstadt wie in einigen Teilen des Landes brachen Aufstände gegen die Juden aus, an manchen Plätzen wurden sie sogar aus den Reihen der Nationalgardisten gewiesen. Diese unangenehmen Erscheinungen entmutigten nur wenige; den größten Teil der Juden konnten sie nicht wankend machen, vielmehr waren sie von dem Gedanken durchdrungen, zum Baue eines Ungarns, welches auf neuem Fundamente ruhen wird, jedes Opfer zu bringen. Obzwar auch der auf Grund der Volksvertretung gewählte Reichstag ihre Wünsche nicht erfüllte, selbst diese traurige Erfahrung bildete kein Hindernis, daß sehr viele zur Zeit, als die Wiener Regierung die Nationalitäten gegen Ungarn aufwiegelte, und der Freiheitskampf im Lande dauerte, ihr Blut auf dem Schlachtfelde, die zu Hause gebliebenen hingegen ihr Vermögen opferten. Vor dem Ende dieser herrlichen Nationalbewegung, die ein Jahr hindurch währte, wollte die ungarische Regierung ihre Pflicht den Juden gegenüber auf die Weise erfüllen, daß sie am 28. Juli 1819 der Nationalversammlung ein Gesetz in Szeged