Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1918)
- Article
- Die Emanzipation der Juden in Ungarn
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 29 - 30 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2583875-2584078-2584079-2606183--16909-2606228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
29 Die Emanzipation der Joden in Ungarn. und wird denn auf uns das Sprichwort nicht anwendbar seyn: errare humanuni est, d. i. Fehlen ist menschlich, wie auch, daß bei uns, die wir doch frev athmen, die wir uns mit denen reinen Prinzipien des christlichen Glaubens rühmen, mehr dagegen haben, die Moral um vieles schwerer verletzen als jene. Geben wir ihnen die Nationalität, beschenken wir sie mit einer Gleichförmigkeit in bürgerlicher Beziehung, und es wird sich enNche«- den, daß sie die Konzession verdienen, welche ihnen dieStändeverheißen*. Die Petition der Juden, die Oberrabbiner Schwab in Pest verfaßte, wurde von den unteren Ständen* in der Weise beantwortet, daß ein aus zwei Paragraphen bestehender Gesetzentwurf geschaffen wurde, der folgendermaßen lautete: 1. Die Tolcranzsteuer wird gestrichen. '2. Hie Juden genießen auf dem Ciebiete der ungatischen heiligen Krone, überall gleichmäßig sämtliche bürgerlichen Rechte, die die Nichtadligen des Leindes ausüben. Das menschliche Gefühl des Reichstages übte auf die Hofkreise in Wien keine Wirkung aus. Maßgebender war dort die Stimmung der Stadt Preßlurg und anderer königlicher Freistädte, die auch damals ihrer bisher gepflogenen Antipathie, die sie gegen die Juden, ihre Konkurrenten, hegten, treu blieben. Die Stadt Preßburg sandte eine Abordnung zu Ferdinand V., damit er den Gesetzentwurf nieht sanktioniere, denn sonst würde die Stadt n< tli mehr von Juden überschwemmt werden, und ließ an den Straßenecken Plakate ankleben, in denen die Juden und die Stände verflucht wurden. Die ..Allgemeine Augsburger Zeitung" bemerkte schon vorher in der Nummer vom P). April, daß der König das Judengesetz nicht gutheißen würde, und dieses Blatt war gut informiert. Auf den Druck d«.s Hofes kam der XXIX. Gesetzes irtikcl zustande, wel- AKilU K SKGAI. eher nichts anderes als eine Paraphrase der Verordnungen Josefs II. war. Der Reichstag wollte vorwärts schreiten, doch der Hof erlaubte nicht weiter als bis 1790 zu gehen. Allein auch die Ausübung des Gesetzes ging nicht glatt vor sich. In einigen Gegenden wurde es nicht gestattet, die Verordnung des Gesetzes durchzuführen, daß die Juden außer den Bergstädten auch anderswo sich niederlassen können. Obzwar das Gesetz die alten Schranken, die die Juden in der Entwicklung ihrer Energien hinderten, nicht entfernte. Iieii der Verlauf des Reichstages dennnoch bleibende Spuren irn Leben der Juden zurück. Zum Zeiche;-, der Dankbarkeit für die humane Denkungs weise der Stände bestrebten sie?ich„ dem naronalenLeben sogar hinsichtlich der. Tracht anzupassen. In den Sehu'en. in den Geineindesitzungssäleu uie auch in den Synagogen wurde die ungarischeSpracheein<:eführt; behufs Verbreitung der ungarischen Sprache und Litcrat'ir wurden Vereine gegründet, und zu dieser Zeit n.:km die ungarische konfessionelle Literatur ihren Anfang, deren erste Versuche die Tebersetzung der Heiligen Schrift, einige lÜbersetzungen aus der jüdischen Literatur wie auch in ungarischer Spreche verfalle Re'igion^hüchcr waren. Infolge des Vorwurfes, da!! die Juden den Handel monopolisierten, sorgten sie für die Verbreitung des Handwerk«, der i >ekonom:e. der KimstindiiStrie wie auch der Künstlicher durch Gründung von Schulen und Vereinen. Auch die wissenschaftliche Laufbahn betraten sie in gr.»fer Zahl, was der l instand beweist daß sich unter den 1311 Hörem, die im Jahre 1SJ0 41 die Ilster l'niversität besuchten. 163 jüJische Härcr befanden. TO in der ärztlichen. 34 in der chirurgischen. 5i* in der philosophischen Fakultät Auf dem Reichstage, welcher nach Verlauf von .Ä'.r.r ~5r Landschaft mit Dame im Gri< i^-üJ