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Ost und West · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1918) · p. Seite 27 - 28

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1918)
Article
Die Emanzipation der Juden in Ungarn
Date
1918-01-01
Page
Seite 27 - 28 (sequence 4)
Language
German
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27 Die Emanzipation der Jaden in Ungarn. 28 in Ungarn ein besseres Los beschieden war als gegenwärtig, und daß der Zustand der Juden im Groß fürst emuin Baden, in Preußen, im Fürstentuni Mecklenburg, in Bayern und Dänemark eine bedeutende Besserung erlangt hätte. Dieses Ersuchen, daß ihnen die Bürgerrechte wenigstens stufenweise zuerkannt werden möchten, blieb ohne Erfolg. Ihre Wünsche wurden im Reichstage nicht einmal einer Verhandlung unterzogen. An den im Jahre 1S26 einberufenen Reichstag vvendeteit sie sich mit einem in ungarischer Sprache verfaßte.1 Gesuche. Doch ist dies nichts anderes als ein« verkürzte Umarbeitung des deutschen Originalte.-tcs, in welchem sie ihr Anliegen auf folgende We'sc begründeten: „Macht uns zu gemeinnützigen Menschen. Wir fühlen in uns die regste Kraft und den besten Willen, es zu werden. Es hat uns hieran auch in der Vorzeit nicht gemangelt, wie es unser Zeitgenosse, der geachtete vaterländische Schriftsteller Stephan Horvat durch viele Beyspiele sattsam beweiset. Nur ein unseliges Vorurteil hat später uns dessen für unfähig gehalten. Aber die Ereignisse neuerer Zeit .haben das Gegenteil bewiesen. Wie lange, hat man uns zum Vorwurf gemacht, daß wir zum Welirstanoe untauglich sind, die letzten 30 Jahre widersprechen dieser Behauptung. Auch unsere Sohne haben in den Reihen der heldenmütigen Krieger für das Vaterland tapfer gefachten. Man frage die mit dem Lorbeer bekränzten Heerführer, ob man uns Feigheit. Indisziplin. öder andere, den Krieger entehrende Untugenden zur Last legen konnte. Eine große Menge von den geschicktesten Unteroffizieren haben -ich in unserer Mitte gebildet und viele divnn >ind rni: d^r Tapferkeitsmedaille ge-chmückt. Finer von ihnen i<t selbst bis zum Range eines Hauptmanns avanciert. Daß nicht mehrere Ober-Offizier geworden sind, lag nicht an ihnen, sondern an den Verhältnissen. Wir haben auch außerdem bey jeder Gelegenheit, wo e< für König und Vaterland gegolten hat. die unzweideutigsten Beweise von unserer wnemen Anhänglichkeit an Beyde gegeben/4 Die frische, freie und liberale Strömung, die sich in den Jahren 1S3M"10 lühlbar machte, die in den Komitat^itzungen wie auch in der Presse zum Ausdruck gekommenen Stimmungen. ließen die Hoffnung bei den Juden erwachen, daß die Erfüllung ihrer Wünsche an der Schwelle stehe. Selbst die Kanzeln dei verschiedenen Konfessionen w Vren ihre Beschützer. Der Franziskaner Stani-!au> Albach in Prcßhurg erörterte in einer seiner Fastenpredigten die Unentbehrlichkeit der Emanzipation, ibenso Jo- *ef Szekacz, der Pastor der evangelischen. Paul rr.rök, der Pa>U>j^^er Kalvinerkirche. Der Färstprima« Josef TvTpacsy empfing eine Deputation der Grancr Juden mit den Worten: ich werde meine Hand über euch halten. Auf Anregung des Dr. Philipp Jakobovics hatte die Pester israelitische Gemeinde eine weitgehende Agitation unter den Gemeinden des Lsndes eingeleitet, um die Abgeordneten der Komitate für die Emanzipation zu gewinnen. Aber auch ohne dies wirkte alles aufmunternd, weil eine mächtige Tendenz in den maßgebenden Schichten des Landes zur Geltung" kam. die nach einer Wiedergeburt, einer Reform drängte. Die ausgezeichnetsten Männer führten im Reichstage mit Wärme und Begeisterung das Wort für sie, schilderten teilnahmsvoll die Lage der Juden und verurteilten scharf die Ungerechtigkeit der Toleranzsteuer. Franz Dcak, der in Ungarn der Weise des Vaterlandes genannt wurde*, Baron Josef Eötvös, Bischof Baron Barkoc/y, Graf Alexander Erdödy, Graf Josef Telekv, Edmund Beöthy. Gabriel Klauzal, Moritz Szentkiralyi. Simon Dubravitzky, legten die triftigsten <iründe in die Wagschale, um die Emanzipation zum Gesetze zu erheben. Szentkiralyi forderte in der Sitzung vom 4. November 1S39 im Namen des Pester Komitates, daß die Juden nicht bloß sämtlicher bürgerlicher und politischer Rechte, sondern auch der Rezipierimg ihrer Religion teilhaftig, und daß die Würdigen in den Adelstand erhoben werden. Unter den Magnaten erregte die Rede des Baron fo-ef Eötvö> tiefe Wirkung, die im damaligen kurzen deutschen Parlarnentsberichte folgendermaßen lautet: Einen schöneren Beweis des Vorwärtsschreitens werden wir kaum in gegenwärtiger Zeit für die Zukunft zum Andenken liefern kennen, als wenn das erfüllt wird, was im vorliegenden Stände-Nuntium enthalten ist. Ich wüßte aber auch keine größere Inkonsequenz, als wenn wir das, was wir der Menschheit und der reinen Vernunft zu leisten schuldig sind, unterdrückten Menschen entziehen machten. Nichts als" die Vorurteile, daß in der jüdischen Religion verächtliche und dem Christentum gefährliche Grundsätze enthalten sind, dienten zur Scheidewand, indes kann sich jedermann ihre Religionsbücher prüfen lassen, und wer da etwas Unrechtes findet, dem neige ich gern mein Haupt; sie enthalten die schönste Moral ebenso wie die christlichen. Wenn wir, welchem Volke immer, die Nationalität absprechen, wo eine Menschenklasse, auf den Trümmern der Andern ihr Wohlseyn hauet, dürfen wir uns auch nicht verwundern, wenn solche Mängel einzeln vorkommen, welche nur die Unterdrückung veranlagte, nur daß wir dieselbe bei den Juden immer durch ein schwarzes Glas seh«tü und vergrößern. Ich will dieses Volk in morilischer Beziehung nicht lossprechen; man könnte mehrercs -agen. wavon der verwalteten öffentlichen Meinung auf da^-elbe einen Schatten werfen möchte, allein sind sie denn nicht eben-o Menschen als wir,

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