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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 569 - 570

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1917-11-01
Page
Seite 569 - 570 (sequence 3)
Language
German
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569 Rumänien und seine Juden. 570 Kammern einen Gesetzentwurf unterbreiten wolle, die politischen Rechte anbetreffe, müßten sie sich wonach allen Juden, auch den „Ausländern", die noch sieben, oder acht Monate, bis zum Zusammenbürgerlichen Rechte gewährt werden sollten; was tritt der Konstituante, gedulden. BISMARCK UND BLEICHROEDER. Am 9. September erließ' die rumänische Regierung an die Kabinette sämtlicher.Signatarmächte ein Rundschreiben, in dem sie ankündigte, daß sie die Judenfrage im liberalen Sinne zu lösen entschlossen sei. Ganz wie Rosetti es der jüdischen Deputation ankündigte, sollten zunächst die bürgerlichen Rechte an sie gewährt werden, die später zusammentretende Konstituante sollte durch Aufhebung des Artikels 7 der Verfassung das Hindernis wegräumen, welches der Naturalisation der Juden, also ihrer völligen Gleichstellung, im Wege stand. Hier war also implicite der Grundsatz ausgesprochen, daß alle Juden in Rumänien vor dem Gesetz als- Ausländer galten. Gemerkt haben die auswärtigen Kabinette diesen Trick der rumänischen Diplomatie erst später; diese hatte also scheinbar den ersten Schritt zur Verwirklichung des Kongreßbeschlusses getan und durfte Entgegenkommen beanspruchen. Jetzt trat Gerson von Bleichröder in den Vordergrund. Fürst Bismarck, als Präsident des Berliner Kongresses, fühlte sich gewissermaßen in erster Reihe dafür verantwortlich, daß1 dessen Beschlüsse auch respektiert wurden,. Bleichröder war Bismarcks intimer Vertrauter; er hatte sich dem seit fast zehn Jahren in Berlin bestehenden Rumänenkomitee angeschlossen und während des Kongresses die Bemühungen um die Sache der rumänischen Juden mit großem Eifer unterstützt. Unzweifelhaft war der Erfolg zu einem sehr großen Teil sein Verdienst. Es war also nur natürlich, daß die weiteren Bestrebungen um die Verwirklichung des Kongreßbeschlusses sich in Berlin konzentrierten und immer mehr in Bleichröders Hände gerieten. Da es sich um eine jüdische Sache handelte, konnte Bismarck sich ruhig auf seinen vertrauten Mitarbeiter verlassen. Man darf getrost annehmen, daß der Reichskanzler die ganze Angelegenheit seinem Bankier überantwortete. Während es unter den rumänischen Diplomaten gärte, faßte Bleichröder die Geschäfte kräftig an und erhielt anfangs September vom Staatssekretär von, Bülow die bündige Erklärung (die er der Allian.ce nach Paris übermittelte), daß' er es für unmöglich halte, dem Wunsche der rumänischen Regierung nachzukommen; das Beste wäre, mit Frankreich und England dahin übereinzukommen, daß die Anerkennung Rumäniens nicht früher ausgesprochen, werde, bis nicht die Emanzipation der Juden ohne jeden Hintergedanken durchgeführt sei. Der Reichskanzler zog indessen mildere Saiten auf. Arn. 18. September berichtete Bleichröder an die Alliance folgendes: „Bismarck hat mir gesagt, daß! die Emanzipation vollständig verwirklicht werden müsse; allein das Deutsche Reich könnte in die Lage kommen, auf die Vorschläge der rumänischen Regierung einzugehen, wenn diese, wie sie es ja getan, die Versicherung gäbe, den Juden die Bürgerrechte sofort einzuräumen, und ihnen nachher, - beim Zusammentritt der Konstituante, die politische Gleichberechtigung zu gewähren." Bleichröder schließt seinen Brief an den Präsidenten der Alliance: ,,Es ist unbedingt notwendig, daß. Sie Waddingion veranlassen, er solle das Berliner Auswärtige Amt auffordern, sich mit Frankreich und England zu vereinen, um Rumänien gegenüber dabei zu beharren, daß es die Beschlüsse des Kongresses vollinhaltlich ausführe, und die Emanzipation der Juden durch Erteilung der bürgerlichen und politischen Rechte ins Werk setze." Waddington seinerseits erklärte, „er sei fest entschlossen, keinen diplomatischen Vertreter nach Bukarest zu senden, ehe nicht die rumänische Regierung die Forderungen des Kongresses erfüllt und den Juden gewährt habe, was ihnen einmütig zugestanden worden, ist. Das ist unser Wille und auch der Wille Englands, das mit uns denselben Weg gellt und von denselben Gedanken beseelt ist." Drei Wochen, darauf konnte denn auch Bleichröder an die Alliance berichten, daß Bismarck ihm die Antwort mitgeteilt habe, die die deutsche Regierung dem rumänischen Kabinett erteilt hatte. Sie lautete kurz und bündig: „das Deutsche Reich könne die Anerkennung Rumäniens nur nach der Durchführung sämtlicher Beschlüsse des1 Kongresses aussprechen." Der Reichskanzler fügte hinzu, „es bestehe für Frankreich und England, vielleicht auch für Italien, die Möglichkeit, sich auf diesen Standpunkt zu stellen; sogar Oesterreich, obgleich es in der Frage der Anerkennung schon weit gegangen sei, könnte jetzt etwas mehr Zurückhaltung" ühesn." Die Sache der Juden stand gut. Das war offenbar r?ri Erfolg der Diplomatie Bleichröders. Mar», konnte merken, daß er ernsthaft und entschlossen die Rechte seiner rumänische» Glaubensgenossen verfocht. Die rumänische Regierung sah vor sich eine harte Wand, gegen die es zwecklos war, anzurennen. Cogalniceano, der bedeutendste unter den Bukarester Diplomaten, scheint denn auch geneigt gewesen zu sein, loyal an die Durchführung des Artikels 44 zu gehen. Sein Schwiegersohn Liteano, der diplomatische Agent Rumäniens in Berlin, schrieb am 29. September: „Von. welcher Seite man diese Frage behandeln mag, es ist immer erwünscht, ihr so schnell als möglich ein Ende zu machen. Es ist zweifelhaft, ob die Lösung) solchen Wirrwarr stiften würde, wie der jetzige Zustand ihn unterhält. Der Status quo bietet alle Nachteile, die eine endgültige Lösung mit sich bringen würde, ohne irgendeinen Vorteil zu gewähren. Indem wir diesen Ausnahmezustand unserer Gesetzgebung verlängern, verlieren wir in Europa jede Achtung, sind aber keineswegs sicher, daß es Uns gelingt, noch länger zu verhindern, daß die Bestimmungen «eines Vertrages angewendet würden, dessen Durchführung die Mächte übereinstimmend fordern." Die beiden. Kammern des rumänischen Parlaments berieten am 25. und 26. September. Die Senatskommission konstatierte „mit tiefem Bedauern, daß' die Großmächte dem kleinen Lande peinliche Opfer auferlegt haben" und beantragte, „die Regierung zu ermächtigen, sich dem Berliner Vertrage zu fügen ,und behufs endgültiger Lösung

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