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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 527 - 528

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Heeresdienst und Vaterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege
Date
1917-11-01
Page
Seite 527 - 528 (sequence 4)
Language
German
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527 Heeresdienst und Verterlandsdienst der deutschen Juden im Kriege. 528 aus ihrem zweifellos niedrigen Prozentsatz im Heere, dann muß man denselben Vorwurf der gesamten großstädtischen Bevölkerung und der ganzen wohlhabenden Bevölkerung machen." Sehr lehrreich ist es, den geschilderten Verhältnissen die Militärbeteiligung der Juden in Rußland entgegenzustellen, wie sie der Verfasser auf Grund amtlicher Daten aus dem Jahre 1908 darstellt." In Rußland ist das erste Gebot der Bibel: „Seid fruchtbar und mehret euch" auch noch das erste Gebot des russischen Juden-dementsprechend und wohl auch infolge der geringeren Kindersterblichkeit bei clen Juden ist auch ihr Prozentsatz im russischen Heer größer als ihr Prozentsatz in der Bevölkerung." Dieser beträgt ungefähr 4,13 Prozent, aber in den Jahren 1902 und 1903 war der Prozentsatz der jüdischen Gestellungspflichtigen 34 Prozent bis 35 Prozent größer, als zu erwarten war. Die Militärtauglichkeit der russischen Juden war ebenfalls viel höher als die der Gesamtbevölkerung, so daß die Zahl der als militärtauglich Ausgehobenen und in das Heer eingereihten Juclen in Rußland um 50 Prozent größer war als ihrem Prozentsatz in der Bevölkerung entsprechen würde. Es sollten nämlich im Jahre 1902, entsprechend dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in Rußland, 42013 Stellungspflichtige Juden sein; es waren ihrer aber in Wirklichkeit 56 462; eingereiht sollten werden 13 013; es sind aber als tauglich befunden und eingereiht worden 19 545; im Jahre 1903 sollte es stellungspflichtige Juden in der Zahl von 43 512 geben, es waren aber 58 635; da,von sollten tauglich befunden werden 13 250, es sind aber eingereiht worden 19 911. Dieses günstige Resultat ist, wie erwähnt, auf die geringere Kindersterblichkeit zurückzuführen, wohl aber auch auf den Umstand, daß die Trunksucht, die unter den Russen so verheerend wirkt, unter den Juden ganz unbekannt ist. Auch diese Statistik verdankt, wie uns der Verfasser belehrt, ihren Ursprung der gegen die Juden erhobenen Beschuldigung, daß sie sich dem Militärdienst entziehen. „Das wäre in einem Lande nicht verwunderlich, wo sie auf Gleichberechtigung im Dienst und in (der Beförderung nicht rechnen dürfen, wo sie, die fast ausnahmslos schreiben und lesen können, mit den dem Schnaps ergebenen Analphabeten zusammen in der Kaserne leben müssen, wo sie Gefahr laufen, von allerhand Schmutzkrankheiten angesteckt zu werden, von denen sie in ihrer eigenen Behausung, bei verhältnismäßig größerer Reinlichkeit, verschont bleiben. Es wäre das umso weniger verwunderlich in einem Lande, in dem selbst in der Kriegszeit der Offrziersstand einen schwunghaften Handel mit Militärbefreiungen treibt, für die im Anfang des Krieges eine Taxe von tausend Rubel gezahlt wurde, die schließlich auf drei Rubel herabsank. Trotz, dieser wahrhaft russischen Zustände kann, nach der bevorstehenden Statistik, die Entziehung der russischen Juden vom Militärdienst schwerlich großen Umfang haben, es sei denn, daß sie bei den russischen Christen noch größeren hat und daß die große Masse der russischen Juden zu arm ist, um sich, in demselben Umfange freikaufen zu können, oder zu gewissenhaft, um es zu tun. Jedenfalls zeigt die russische Militärstatistik, daß die Jahrgänge des militärpflichtigen Allers bei den russischen Juden so stark besetzt sind, cla,ß die Militärdienstentziehungen der Juden schon einen ziemlichen Umfang annehmen müßten, um in der Statistik zum Ausdruck zu kommen." Wir haben gesehen, daß die Protestanten in Deutschland, sowie die großstätische Bevölkerung eine verhältnismäßig viel kleinere Anzahl von Front- und Schützengrabenkräften dem Heere liefern. Aber mit ihrem fast doppelt &o hohen Prozentsatz höherer Schüler, stellen eben diese Bevölkerungsklassen der Wehrmacht nicht nur eine absolut, sondern auch eine relativ größere Zahl geistiger Kräfte zur Verfügung. ,,Wenn nun die Brauchbarkeit der Konfessionsangehörigen sich nur danach richtete, wie groß im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl ihr Prozentsatz im Heere und ihre körperliche Tüchtigkeit in ihm ist, würden die Katholiken mit. ihrer größeren Kinderzahl und ihrer stärkeren Herkunft vom Lande und der Landwirtschaft ihren protestantischen Volksgenossen wohl um reichlich 10 Prozent überlegen sein." Um 10 Prozent höher müßte man auch ihre Vaterlandsliebe und ihren bürgerlichen Wert veranschlagen. Dieser Krieg hat aber bewiesen, daß das eine wie das andere Element im gleichen Maße unentbehrlich ist. „Die Mauer im Westen hat die Bedeutung der Zahl, der Fortschritt im Osten die Ueberlegenheit des Geistes erwiesen. Unerhörte Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit sind im Osten wie im Westen, sind über und unter dem Wasser gestellt worden, und doch hat der Kampf auf allen Fronten, bei uns positiv, bei den Russen negativ, bewiesen: die Zahl allein tut es1 nicht, es ist der Geist, der sich den Körper baut, ja den menschlichen Körper im buchstäblichen Sinne nicht ausgenommen, den die ärztliche Kunst in einem bisher ungeahnten Maße erhalten und in einem bei keinem unserer Feinde erreichtem Mäße wieder hergestellt, wieder „verwendungsfähig" gemacht hat. Und wenn

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