Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Friedensziele der Juden
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 481 - 482 (sequence 9)
- Language
- German
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481 Friedensziele der Juden. 4S2 einer „jüdischen Republik in Palästina unter dem hohen Protektorat der Entente-Mächte" fortfahren, den Juden lockende Verheißungen zu machen, haben die Entente-Mächte die Aufteilung d e r T ü r k e i a u s i h r e n K r i e g s z i e 1 e n gestrichen! Am Anfang hieß es, Deutschland solle zergliedert, Oesterreich-Ungarn zertrümmert und in eine Reihe kleiner Staaten aufgeteilt werden; seit dem 'Eintritt der Türkei in den Krieg war auch dieser das gleiche Schicksal zugedacht. Konstantinopel mußte unbedingt russischer Besitz werden, ohne dieses, erklärten die verantwortlichen russischen Staatsmänner, könne Rußland nicht existieren, und ihnen stimmten die Führer der damals allmächtigen Kadettenpartei zu, ja, diese stellten die 'Eroberung von Konstantinopel als einzigen Sinn, Zweck und Ziel dieses ganzen Krieges hin, ein Ziel, das sich allerdings nicht ohne die Vernichtung von Oesterreich-Ungarn erreichen ließ. „Der Weg nach dem Goldenen Horn führt über Wien"; war die Parole „und über Berlin", lautete der Zusatz. Bald jedoch fand man es geraten, von der Zergliederung und Aufteilung des Deutschen Reiches abzusehen. Die Sache erwies sich als viel zu umständlich. Kurz darnach schenkte man auch Oesterreich-Ungarn das Leben. Hatte man vorher in allen Tonarten gerufen: „Detruisez PAutriche-Hongrie!", so entdeckte man bald in Paris, daßi die Doppelmonarchie eine „überraschend große Zähigkeit" an den Tag gelegt hatte; und sehr hervorragende englische Staatsmänner und Politiker bewiesen in inhaltsreichen und gründlichen Abhandlungen, daßi der Donaustaat eine Notwendigkeit des europäischen Gleichgewichtes sei, unentbehrlich eben im Interesse der Westmächte selber. Diese Entdeckung veränderte das zukünftige Antlitz von Europa sehr beträchtlich. Dann kam die russische Republik und sprach wiederholt mit allen Nachdruck und aller Feierlichkeit den Verzicht auf Konstantinopel aus. Die Aufpflanzung des russischen Kreuzes auf die „Hagia Sophia" wurde abermals, wie schon oft, auf das nächste Jahrhundert verschoben. Blieb immerhin noch die Aussicht, die Türkei aufzuteilen, Konstantinopel aber zu „internationalisieren". Inzwischen ist auch dieser Plan aufgegeben "worden. Das Journal de Geneve, ein anerkanntes Organ der Entente-Mächte, welches regeln mäßig zu wichtigen Kundgebungen benutzt wird,, brachte in seiner Nr. 233 vom 24. 8. 17 einen Leitartikel unter der Ueberschrift: „Paroles Allemandes", der sich mit der Rede des Reichskanzlers vom 21. August über die Kriegsziele der Entente, insbesonde're die Aufteilung der Türkei, beschäftigte, welche in der Konvention vorn März 1915 fest beschlossen wurde. „Es muß; daran erinnert werden." heißt es in diesem Artikel, „daß die Aufteilung des türkischen Reiches seit ienem Tage, da die Türkei ohne den Schatten eines Vorwandes zu den Waffen griff, einen Teil der Kriegsziele bildete . . . In jenem Zeitpunkt machten die Verbündeten kein Hehl daraus, daß sie entschlossen waren, die ottoinanische Frage ein für allemal zu regeln. Nicht sie hatten diese Frage aufgeworfen. Aber, da sie durch den deutschen Ueberfall gezwungen worden waren, sich zu verteidigen und den europäischen Frieden zu sichern, fühlten sie sich verpflichtet, im Osten von Europa keinen Seuchenherd und keine Eiterbeule bestehen zu lassen. . . . Sie nahmen sich vor, alle Fragen zu ordnen oder aus der Welt zu schaffen, welche seit Jahrhunderten nicht aufgehört hatten, den Frieden und die Ruhe von Europa zu gefährden; darunter das türkische Problem, eines der schwierigsten und gefährlichsten. Die Aufteilung der Türkei stand nie im Widerspruch mit dem Ziel, welches sie ihren Waffen gesteckt hatten. „Diese Sorgeii von ehemals liegen heute weit zurück. Die Welt ist seit dazumal ihren Weg gegangen, und die Enthüllungen des deutschen Reichskanzlers haben nur noch ein historisches Interesse. Die Dardanellen-Expedition ist gescheitert; die Türkei ist stärker als jemals, sie besitzt jetzt ein ganzes Netz von Eisenbahnen, wirtschaftliche Hilfsquellen, eine Armee, von der im Jahre 1915 niemand eine Vorstellung hatte. Das ist, wie ein Franzose gesagt hat, das größte, was die Deutschen im Verlaufe dieses Krieges gemacht haben. Sie haben eine Leiche zu neuem Leben erweckt. Die Aufteilung des türkischen Reiches, die wegen dessen Ohnmacht notwendig war, ist vom Gesichtspunkt der europäischen Ruhe weniger dringend geworden. Sie ist auch viel schwieriger, um nicht zu sagen: unmöglich geworden. Um ein Land aufzuteilen, genügt nämlich nicht eine Karte, ein Bleistift und ein grüner Tisch. Dazu bedarf es auch noch einer Armee. Wo ist die Armee, die ins Herz von Kleinasien vordringen soll, um die Türkei von dort ziu verjagen? Die Engländer sind in Bagdad und werden dort vielleicht bleiben, die Russen sind noch in iErzerum und Trapeziint. Werden sie darüber hinausgehen? Wenn dies nicht der Fall ist, wer s oll an ihrer Stelle die