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Ost und West · 1917-10-01 · Heft 10 (Oktober 1917) · p. Seite 479 - 480

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 10 (Oktober 1917)
Article
Friedensziele der Juden
Date
1917-10-01
Page
Seite 479 - 480 (sequence 8)
Language
German
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479 Friebensziele der Juden. 4S0 friedliche Bevölkerung wider ihren Willen in die politischen Intrigen hineingezogen worden. Die Evakuierung und alles, was damit zusammenhängt, haben die Opfer einzig und allein ihren ungebetenen Beschützern jenseits des Kanals und jenseits des Ozeans zu verdanken! 'Es wurde hier das alte Spiel wiederholt mit dem Bluts der Juden, überall, wo man sie vorfindet, Politik zu machen, sie für Zwecke zu mißbrauchen, die ihnen fern liegen. Solchen Vorkommnissen muß ein für allemal ein Ende gesetzt werden. Ueberall, wo Juden zusammentreten werden, um im Anschluß an die Ereignisse dieses Krieges über jüdische Angelegenheiten zu beraten, wird es ihre heilige Pflicht sein, laut ihre Stimme zu erheben, um vor aller Welt gegen diesen säkularen Mißbrauch zu protestieren. Nicht an die Politiker und Diplomaten, sondern an das Gewissen der Völker müssen sie sich wenden, und mit größter Energie Einspruch dagegen erheben, daß man sie überall als eine Art herrenloses Gut betrachtet, und über sie nach momentanem Belieben verfügen zu dürfen meint, daß man ihre Ehre und ihr Blut freigibt für Zwecke, die sie nichts angehen, die ihren wirklichen Interessen zuwiderlaufen. Es ist sehr begreiflich, daß der Entente daran liegt, die Türkei vor der ganzen Welt in Mißkredit zu bringen, und die Gesamtjudenheit gegen sie aufzuhetzen, vor allem, in ihrem eigenen Lande ihr alle möglichen Feindschaften erstehen zu lassen. Hat man im Januar 1915 die Mohammedaner gegen die Juden aufgewiegelt, so bemüht man sich1 jetzt, die Juden zunächst in Palästina gegen die türkische Regierung und gegen die gesamte mohammedanische Bevölkerung aufzustacheln, indem man ihnen die Schaffung einer „jüdischen Republik" auf den Trümmern des osmanischen Reiches vorspiegelt. Was soll man sich unier dieser „jüdischen Republik" vorstellen, die man unter dem Protektorat Frankreichs und Englands ins Leben zu rufen verspricht? Sollen die neunzig; bis hunderttausend Juden Palästinas das Menschenmaterial abgeben, aus dem dieser Staat gebaut werden soll? Mitten unter sechsmalhunderttausend Arabern, Türken und Syriern, die im Lande wohnen? Gegen diese hätten sie Krieg zu führen im Interesse ihrer abendländischen Beschützer, um ihnen die weiteren militärischen Operationen im Orient zu erleichtern? Dem britischen Reich eine Brücke zu bauen zwischen Aegypten und Indien? Vor den syrischen Interessen Frankreichs Wache zu halten? Soll das die Verwirklichung der heißen Wünsche und der mühevollen Arbeit tausender von Juden sein? . Aber nehmen wir an, es saßen jetzt schon in Palästina einige Millionen jüdischer Bauern, und die ganze Ackerfläche würde schon von ihnen bestellt, und das Volk wäre jetzt schon zahlreich genug und genügend mit dem Boden verwachsen, um ein eigenes Staatswesen zu bilden. Könnte einer, der es gut mit den Juden meint, ihnen im Ernste anraten, sich unter den Schutz der Westmächte zu stellen und ihre Republik sich von ihnen „machen" zu lassen? Auch Griechenland, Rumänien, Serbien, Montenegro — und Belgien sind ja von diesen Mächten „gemacht" worden. Ist das Schicksal dieser Staaten, das wir jetzt miterlebt haben, wirklich so verlockend, daß es zur Nachahrnlung reiizen könnte? Der Ehrgeiz der palästinensischen Juden reichte nie so hoch. Sie wünschten nichts sehnlicher, als daß sie ruhig ihre Aecker bebauen konnten und daß man sie ungeschoren ließ. Im Rahmen des türkischen Reiches fanden sie hinreichende Möglichkeit, ihre Bedürfnisse nach Selbstverwaltung zu befriedigen und auszubauen. Die Kolonien entwickelten sich und blühten, die Kolonisten befaßten sich mit keiner Politik, sie hofften, über die Schwierigkeiten der Kriegszeit hinweg!zukom(men u|nd dann ihre Arbeit fortzusetzen. Nun kamen die ungebetenen Beschützer aus der Ferne und stellten sie der türkischen Regierung und der ganzen mohammedanischen Welt als den „inneren Feind" hin, der es heimlich mit dem „Giaur" halte und mithelfen wolle, die Türkei aufzuteilen, den Khalifen aus Stambul und sein Reich aus Vorderasien zu verdrängen! Wer weiß, wie lange es dauern und wieviel Arbeit es kosten wird, bis sich die Juden von diesem Verdacht gereinigt, den künstlich entfachten Häß; gegen sie beschwichtigt, und wieder ein leidliches Verhältnis zur türkischen Regierung und zur umgebenden Bevölkerung hergestellt haben werden. Den Engländern und Franzosen wird es viel leichter werden, ihren Frieden mit dem jetzigen Feind zu machen. Wir haben ja gesehen, wie leicht in den hohen Regionen der Diplomatie das Wetter umschlägt. * * * Und das Wetter hat auch diesmal gründlich umgeschlagen. Während die Christlichen Gründer

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