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Ost und West · 1917-10-01 · Heft 10 (Oktober 1917) · p. Seite 483 - 484

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 10 (Oktober 1917)
Article
Friedensziele der Juden
Date
1917-10-01
Page
Seite 483 - 484 (sequence 10)
Language
German
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483 Friedensziele der Juden. 484 AufteilungderTürkeivornehmen, wer soll Konstantinopel besetzen? Anstatt sich mit Geschichte zu befassen, wäre der Reichskanzler viel interessanter, wenn er es vorzöge, Politik zu treiben; anstatt in Betrachtungen über die so weit zurückliegenden Dinge von 1915 sich zu ergehen, sollte er uns lieber in die Geheimnisse von 1917 einweihen, die die nächste Zukunft betreffen. Nachdem die Verbündeten ausgezogen waren, um die "Welt umzugestalten, haben sie heute i h r e Forderungen auf das u n ti m g ä n g 1 i c h not vv e n - dige Mindestmaß beschränkt: die vollständige Wiederherstellung Belgiens, Serbiens und R u m ä n i e n s, die Zurückgabe Elsaß-Lothringens, Entschädigung für die in den besetzten Gegenden angerichteten Verw ü stunge n. Was denkt der Reichskanzler über dieses Programm? Das ist die Frage, die einzige, welche heute gestellt w i rd. Warum versteift sich der Reichskanzler darauf, andere Fragen zu behandeln, anstatt diese zu beantworten?" * * * Ton und Charakter des ganzen Artikels geben ihm die Bedeutung einer fast amtlichen Kundgebung. iEr spiegelt vortrefflich die Anschauungen der Entente wieder. Mit der Aufteilung der Türkei ist es vorderhand nichts. Nur hat man die freiwilligen Hilfspolitiker in Amerika noch nicht davon verständigt. Es gibt keine Armee, die Konstantinopel erobern und die Türkei zertrümmern soll. Wer soll Palästina der Türkei entreißen, um den Judenstaat zu errichten? Man denkt an Belgien, Elsaß-Lothringen, Rumänien und eine Menge anderer Dinge, an Palästina denkt niemand. Man hat die ursprüngliche Absicht, die ganze Welt umzugestalten, aufgegeben. Man hat anderes zu tun. Vermutlich wird man sich reden lassen, und von dem neuen reduzierten Programm noch manches als derzeit minder wichtig, um nicht zu sagen, undurchführbar, unter den Tisch fallen lassen. Aber man fährt fort, den Juden die jüdische Republik in Palästina vorzuspiegeln. Kann man sich ein frivoleres Spiel mit dem Schicksal und der Zukunft tausender Menschen vorstellen? Wir wissen jetzt, daß diese Methode, mit den Juden eines fremden Landes wie mit herrenlosem Gut zu verfahren, nicht neu ist. Aber selten ist sie wohl mit solcher Skrupellosikeit gehandhabt worden und nie zuvor hat sie so rasch Früchte gezeitigt, wie diesmal. Wenn wir aus diesem Beispiel keine Lehre ziehen, dann verdienen wir unser Schicksal vollauf. Daß: hier gründlich Wia nd e 1 geschaffen werde, muß daher eines der hauptsächlichsten Friedensziele der Juden sein. — Allein es wird nicht genügen, auf den kommenden jüdischen Kongressen in dieser Angelegenheit bloß das Forum externum anzurufen und nur an das Gewissen der Außenwelt zu appellieren. Wir werden mit uns selbst hierüber ins Gericht gehen und unsere Anschauungen und Gesinnungen in vielen wichtigen Punkten einer gründlichen Revision unterziehen müssen. Das aber gehört schon in ein anderes Kapitel. Bemerkungen zum Artikel „An den Pforten der Ewigkeit/ In Heft 9 von „Ost und West" stellt Herr Bar- Ami, der Verfasser des Aufsatzes „An den Pforten der Ewigkeit, Skizzen zur Volkskunde der Juden", die Behauptung auf, daß das Beten für das Seelenheil der Toten und das Beten, die Seelen der Toten möchten bei Gott Fürbitte für die Lebenden einlegen, zwei Vorstellungen seien, die, „logisch" be^ trachtet, sich nur schwer miteinander vereinbaren! ließen. (S. 423.) Dieser Behauptung muß ich entschieden widersprechen. Die Kritik des Herrn Bar- Ami richtet sich in Wirklichkeit nicht gegen die angeblich mangelnde Logik des Nebeneinanderbestehens dieser beiden Vorstellungen, sondern, gegen die Logik des Betens überhaupt. Ob und wie das Wesen des Betens mit der Logik vereinbar ist, darauf braucht hier nicht eingegangen zu werden. Aber wenn man voraussetzt, daß das Beten an sich etwas „Logisches" ist, dann ist die Folgerung des Herrn Bar-Ami durchaus hinfällig. Ebenso hinfällig, wie etwa die Behauptung wäre, daß eine Mutter, die für ihr unschuldiges Kindchen betet, unlogisch handelt, da doch das unschuldige Kind sündenloser und daher Gott näher sei als ein Erwachsener. Nach der Theorie des Herrn Bar-Ami, die von ihm zwar nicht ausgesprochen wird, die aber aus seiner Behauptung sich logisch ergibtt darf logischerweise nur derjenige für einen anderen beten, der besser ist als der andere oder sich für besser hält als den anderen. Das ist aber eine Gebetstheorie, die auf Willkür beruht, aber nicht auf Logik. Ich schheße~mit einem Zitat: Freund sage: „Was ist Theorie?" „Wenn's stimmen müßt' und stimmt doch nie." „Und was ist Praxis?" „Frag' nicht dumm, „Wenn's stimmt, und niemand weiß, warum." Hindenburg. Rabbiner Dr. Kaatz.

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