Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Friedensziele der Juden
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 475 - 476 (sequence 6)
- Language
- German
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475 Friedensziele der Juden. 476 dringenden Befehl Deutschlands gehorchend" (in deference of the urgent demands of Germany) gegen England, diesen besten Freund des Islams> zu Felde zögen. (,,Jewish Chronicle", 2. Januar- Nummer, 1915.) Die mohammedanische Welt wurde also bedenklos gegen die Juden aufgehetzt. Gleichzeitig wurden alle im Bereiche der englischen Herrschaft befindlichen russischen Juden zum Militärdienst gegen die Türkei gepreßt, eine eigene „jüdische Legion" wurde geschaffen, die in der Gallipoli^EixSpedition ein trauriges Ende fand. Dieser ^jüdischen Legion" versprach man die Eroberung Palästinas für die Juden! Seit sechs oder acht Monaten, insbesondere! seit der Kriegserklärung Amerikas wird das Thema von der ^Eroberung Palästinas für die Juden" oder der „Rückgabe Palästinas an die Juden" unaufhörlich erörtert Französische und englische Zeitungen haben das Fell des Bären, lange bevor er erlegt ist, an die Juden verschenkt und bestimmt, daß sobald die englische (oder franzosische?) Flagge über Jerusalem weht, das heilige Land »an die Juden abgetreten" wird. In Italien entstand eine merkwürdige Gesellschaft unter dem Titel «Assoziatione non israelitica per la difesa dei diritti ebraici," und erließ einen Aufruf, in welchem es unter anderem heißt: „Die feierliche Stunde, da die Völker die Grundlagen einer neuen internationalen Lebensordnung festlegen werden, rückt immer näher heran. Das veranlaßt uns, unsere Propaganda zugunsten des jüdischen Volkes, welches während zweier Jahrtausende unterdrückt und verfolgt wurde, zu verstärken. Die russische Revulution hat bei vielen den Eindruck erweckt, als sei durch sie die Judenfrage gelöst worden. Wir aber vertreten einen anderen Standpunkt. Die Juden erstreben die völlige Gleichberechtigung in allen Ländern, sie erstreben aber auch die Freiheit der Kolonisation in Palästina mit autonomer jüdischer Verwaltung unter dem hohen Protektorat der (West-)Mächte. Kein Zeitpunkt war so geeignet, für die Verwirklichung dieser Bestrebungen, wie gerade der gegenwärtige. Die militärischen Operationen lenken die Aufmerksamkeit auf Palästina, welches mit den jüdischen Rechten eng verknüpft ist. Die alliierten Mächte sollen es sich zur ehrenden Aufgabe machen, die Bestrebungen eines Volkes zu unterstützen, welches einen so großen Anteil am menschlichen Fortschritt hatte, und gegen welches sich die Menschheit so arg verschuldete." Das ist ergreifend. Wie freigebig" man in Italien mit fremdem Gut ist! Während man Ströme von Blut vergießt, um ein Gebiet des alten Oesterreich an sich zu reißen und nach der Ostküste des Adriatischen Meeres hinübergreift, nach Ländern, die von Albanesen und Slaven bewohnt sind und sich nie darnach gesehnt haben, durch Italien befreit zu werden, begeistert man sichfür die alten Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina, das einen Teil des osmanischen Reiches ausmacht. Man hat nie davon gehört, daß die Juden in Palästina nach dem hohem Protektorat der Westmächte Verlangen getragen hätten, die Freiheit ihrer Kolonisation in Palästina ist von niemandem als von den natürlichen und sozialen Bedingungen und den finanziellen Mitteln eingeschränkt gewesen, sie haben nie die Italiener gebeten, für ihre autonomen Rechte; gegen den Sultan zu kämpfen. Im Gegenteil, wir wissen, daß im Jahre 1897 und 1912 zahlreiche junge jüdische Aerzte aus neutralen Ländern den Feldzug mit der türkischen Armee im freiwilligen Sanitätsdienst mitgemacht haben. In beiden Kriegen war die Sympathie der Juden der D. A. Haltrecht; Bildnis neutralen Länder auf Seiten