Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Friedensziele der Juden
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 473 - 474 (sequence 5)
- Language
- German
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473 Friedensziele der Juden.. 474 von langen Artikeln gegen die türkische Grausamkeit und Blutgier, und alle diese Artikel machten den fatalen Eindruck, daß sie aus denselben Quellen stammten, wie jene russischen Kundgebungen. Wenn der Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat seine Stimme zugunsten der Evakuierten in D. A. Haltrecht: Vor dem Spiegel auswärtiger. Faktoren, denen die jüdische Kolonisation ein Dorn imAuge war; in Wirklichkeit wurden sie niemals behelligt, und seit Jahren hörten und lasen wir nur von dem Aufblühen und dem Anwachsen der jüdischen Siedlungen in Stadt und Land, denen man eine große Zukunft Palästina erhoben hat, so ist darin offenbar nur ein indirekter Protest gegen die Schandtaten des Zarismus zu erblicken, und der feste, vor ganz Europa feierlich kundgegebene Entschluß, nie zuzulassen, daß diese Schandtaten sich wiederholen. Wenn der König von Spanien sich bei der türkischen Regierung für die Betroffenen verwendet hat — und zwar mit Erfolg — so übte er damit eine Sühne für die durch seine Vorgänger im Mittelalter den Juden zugefügten Leiden, die sie mit dem Untergang bedrohten und vor denen sie bei dem Vorgänger des jetzigen Sultans Zuflucht und Rettung fanden. Doch die Proteste in Amerika, in England und Frankreich bleiben leine Unbegreiflichkeit! Aber eine noch schwerer wiegende Frage drängt sich auf. Die Türkei verhielt sich stets, so weit unser historisches Gedächtnis zurückreicht, den Juden gegenüber wohlwollend, ja, siogar gütig. Von Massenunterdrückungen, ^Gewalttätigkeiten, Austreibungen oder Verfolgungen durch die Regierung hat man nie etwas gehört. Unter der Mißwirtschaft der Beamten haben sie wohl gelitten, aber nicht mehr als die Tüirken selber. Jedesmal, wenn die Türkei eine Provinz abtreten mußte, war sie darauf bedacht, den Juden Rechte zu sichern. Gegen die jüdischen Kolonisten sind wohl hie und da Erlässe gerichtet worden, aber nur zum Schein und hauptsächlich auf Betreiben verhieß. Die jüdischen Schulen der Alliance und des Hilfsvereins der deutschen Juden erfreuten sich der lebhaften Förderung seitens der Regierung; so mancher hohe Staatsbeamte war Zögling der Alliance-Schulen. Daßi die Juden in der Türkei, besonders in Palästina, etwas gegen das türkische Reich im Schilde führen könnten, oder gar seine Aufteilung ersehnten, ist niemandem in den Sinn gekommen. Das Regime der Jungtürken war ihnen ausgesprochen freundlich und erfreute sich der lebhaftesten Unterstützung von ihrer Seite. ,Wie soll man es sich erklären, daß auf einmal die türkische Regierung gegen die Juden eine dem Argwohn entspringende feindselige Haltung einnahm, und sich veranlaßt sah, sie aus dem Kriegsgebiet unter unerhörten Grausamkeiten auszuweisen, zu „evakuieren"? * * Vielleicht kommt man der Lösung des Rätsels näher, wenn man sich folgende Tatsachen vergegenwärtigt: lAls die Türkei auf die Seite der Mittelmächte trat, erließ der englische Gouverneur des Sudan an die Mohammedaner in Nordostafrika einen jAufruf, in dem er erklärte, der Krieg der Türkei gegen die'Westmächte sei von den Jungtürken entfacht worden, die „im Dienste eines Syndikats von J u d e n, Geldmämiern und Intriganten niedriger .Herkunft" (a syndicate of ijews, financers ,and Iow-born intriguers) „dem