Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Sprichwörter der Ostjuden
- Date
- 1917-09-01
- Page
- Seite 435 - 436 (sequence 2)
- Language
- German
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435 Sprichwörter der Ostjuden. 436 Auch wo man dich gern hat, sollst du nicht zu oft geh'n, Und wo man dicli ungern hat, soll man dich gar nicht seh'n. Oft scheint es, schaut man, auf Menschen und Leben, Als sei die Welt nur den Narren gegeben. Würde unser Herrgott bei uns auf Erden sein, Die Menschen, schlügen die Fenster ihm ein. Was tut man, wenn kein Ethrog gedieh'n? Dann feiert man Succoth ohne ihn. Jedes ,,Bchüt' Gott'' kann, sich erfüllen, Bedenk das und wappne dich im Stillen. Wie der Bräutigam sie schaut, So sieht aus die Braut. Wer liest, was Leichensteinen eingegraben, Der darf kein gutes Gedächtnis haben. * * * S' kommt auf den Ort an, wo die Chamra*) steht, Und ob sie festliegt oder geht, Steht sie im Stall und hat vier Bein', So denk' ich, wird's ein. Esel sein. Liegt sie im Keller, ist es Wein, Es kann wohl gar Champagner sein. Polak, wo ist dein linkes Ohr? Er nimmt die rechte LIand hervor Und führt sie um das rechte Ohr. O unbeholfner, blöder Tor! Ed eis ein Besser als Edelstein. Wer schlecht spricht von den. Seinen und seinem Stande, Dem gereicht das selber zu Schimpf und Schande. Wenn Gott es will, kann auch ein Besen schieß: Kann Wasser aus dem Felsen fließen. Wohl ist des Ochsen Zunge lang und spitz. Zum Schofarblasen ist sie doch nicht nütz. Wann auch der Arme die Freude schmeckt? Wenn er Verlorenes wiederentdeckt. Ein ganzer Wagen „Hätf ich" voll, Bleibt dennoch frei von Zins und Zoll. Vom versprechen zum vollführen Kann gar vieles noch passieren. * * Des Glücks eine Handvoll, Besser als Verstand ein Land voll. Du denkst und sagist: „Mein einzig Kind!" Dein Nachbar preist das seiine dir nicht minder, So liebt und lobt ein, jeder seine Kinder. Doch wie auch jeder seines find't, Bei Gott, da gibts kein „einzig Kind." Mancher geht hin, eine Erbschaft heben. Und muß noch Begräbniskosten zugeben. Trug man das Kind zum Haus hinaus, Ist auch die Gevatterschaft aus. Ist ein Mädel schön, Ist's mit Mitgift halb verseh'n. Was wissen ich und du und er, Das ist schon kein, Geheimnis mehr. Man tanzt, wie man spielt. Und man, trifft, wie man zielt. Vor stilien Wassern. Und stillen, Hassern Und stillen Hundes Wut Sei; Jeder auf der Hut. Man muß den. Mond begrüßen, wenn er am,Himmel T' 1 ' . " steht, Und nicht vergessen, daß er rasen vorübergeht. Kaum schied der Sabbat mit seinem Behagen, Kommt scfyon der Werktag m,i.t seinen Plagen. *) „Chamra" heißt auf aramäisch Esel, aber auch "Wein.