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Ost und West · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. Seite 433 - 434

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Sprichwörter der Ostjuden
Date
1917-09-01
Page
Seite 433 - 434 (sequence 1)
Language
German
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433 Sprichwörter der Ostjuden. 434 SPRICHWOERTER DER OSTJUDEN. Poetisch übertragen von Max Weinberg. Es denkt wohl jedes Mütterlein, Der Klasse schönstes Kind ist mein. * * * Wenn ein Kindlein fällt, Sein Schutzgeist die Flügel ihm unterhält. * * * Wie oft in Not zieht armer Mann Sein Sabbatkleid am Werktag an. * * * Von Glück zu Unglück Kurze Brück'. Der Weg zurück — Ein weites Stück. * * * Zu manchem Ding ist kecker Mut Weit wertvoller als Geld und Gut. * * |* Mit den Augen dler Liebe geschaut, Gibt es keine häßliche Braut. * ' * ■* Bei leerem Beutel frohen Mut haben, Heißt reich sein und ein hohes Gut haben. * * * War' ich vor meinem Vater gekommen, So hätt' ich mir die Mutter genommen. * * * Lieber Fleischkost noch so schmal, Als ein vegetarisch Mahl;. * * * Unglück, wo hinaus? Zum Armen ins Haus. * * * Das wäre fein, Könnt' man zugleich auf zwei Hochzeiten sein. * * * Zu lang' besinnen ist ein schlimmer Brauch: Besinnt der Kluge sich, besannt der Narr sich auch. * * * Mancher möcht' das Huhn genießen. Doch sein Blut nicht gern vergießen. * * * Wenn, die Toten dem Tanze fröhnen, Wer wird die Musikanten löhnen? * * * . . Will man damit zu gutem End' gelangen, Darf man sein. Liedel nicht zu hoch anfangen. * * * Die mit ihrer Klugheit sitzen bleiben, Haben meistens selbst sich's zuzuschreiben. * * * Wie auch der Arme ruht. Er liegt nicht gut. * * * Der Doktor kann für Alles was verschreiben. Doch deine Armut kann er nicht vertreiben. * * * Könnt' sich der Reiche vom Tode loskaufen, Würden wenig Arme auf Erden laufen. * * * Wird der Reiche arm und der Arme reich, Ist ihre Lage doch noch nicht gleich. * * * Hat auch eine Witwe ein. golden Dach, Sie ist doch Wijtwe mit Weh und \ch. * * Meist tut man selbst sich ärgeres an. Als der ärgste Feind uns antun kann. * * * Strohhut im Winter — Da steckt die Armut hinter. * * * Auch Feindes Rat sich gut bewährt, Wenn man — grad' umgekehrt verfährt. * * * Was ist ein goldner Becher wert, Wenn er mit Wermut ist beschwert? Sagt dir der Tod: Jetzt ist es Zeit, Hat er auch einen. Grund bereit. * * * Ein Narr bei einem Klugen zu, Gast, Die fallen einander beide zur Last. * * * Schenkt der Vater dem Sohn, Beider Gesichter lachen, Schenkt der Sohn, dem Vater, Trauergesichter sie machen. * * *

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