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Ost und West · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. Seite 409 - 410

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
An den Pforten der Ewigkeit
Date
1917-09-01
Page
Seite 409 - 410 (sequence 2)
Language
German
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409 An den Pforten der Ewigkeit. 410 brauche. Selbstverständlich soll man im Stillen für ihn beten. Gewisse Arten von Kranken darf man nicht besuchen, da ihnen der Besuch lästig fällt und das Reden und Zuhören sie anstrengt. Man darf nur ins Vorzimmer kommen und sich nach ihrem Befinden erkundigen. Zu den ältesten Einrichtungen jeder jüdischen Gemeinde, auch der kleinsten, gehörte eine Brüderschaft für Krankenbesuch (Bikkur Cholim). Ist einer, besonders in vorgerückten Jahren, drei Tage krank, so tut er gut, an das mögliche Ende zu denken. Freunde, die ihn besuchen, haben die Pflicht, ihn schonend daran zu erinnern,1 und ihm nahezulegen, dass er «seine Rechnung mit dem Himmel mache", d. h. dass er seiner Sünden gedenke und beichte. Es handelt sich natürlich nicht um eine Ohrenbeichte vor einem Priester, der etwa Absolution zu erteilen mächtig wäre, sondern darum, dass der dem Tode Entgegengehende seine Sünden bekenne und wenigstens in Gedanken Busse tue. Es gilt als ein Segen, wenn in der Stunde, da die Seele den Leib verlässt (jeziath neschamah), zehn erwachsene Männer (wie bei einem regelrechten Gottesdienst) anwesend sind; jedenfalls ist es eine grosse Mizwah, einem Sterbenden beizustehen, mit ihm die Gebete zu rezitieren und seinen letzten Willen anzuhören. Eine merkwürdige Vorstellung hat sich im späten Mittelalter unter dem Einfluss der Kabbaiah herausgebildet, die, in einem Aberglauben wurzelnd, doch eine tiefere Wahrheit enthält und eine poetische Blüte getrieben hat. In den letzten Stunden, wenn der Todeskampf (gessissah) eintritt, müssen sich wohl, nach der populären Meinung, sonderbare Verwirrungen und Seelenschmerzen des Sterbenden bemächtigen; diese Zustände gaben den Gedanken ein, dass Satan und sein Geleite im letzten Augenblick an den Menschen herantreten, um ihn zur Abtrünnigkeit zu verführen. In der Todesangst und körperlichen Schwäche könnte es leicht geschehen, dass der Sterbende der Versuchung erliegt. Er muss daher Sorge tragen, dass dieser Abfall noch rechtzeitig in aller Form annulliert werde. Die Sache wird juristisch aufgefasst und so lange der Kranke bei klaren Sinnen ist, legt er eine rechtskräftige Verwahrung (messirath modada) gegen eine etwaige spätere Entgleisung ein. Unter den zahlreichen Formeln ist die Bernstein s Landsberg: Radrennen folgende wohl die vollkommenste; sie ist Gebet, Bekenntnis und juristische Erklärung zugleich: „Hiermit bin ich bereit, Seele, Geist und Atemliauch hinzugeben für die Heiligung des hochgepriesenen Namens Gottes. Herr der ganzen Welt, ich komme zu Dir, um vor dem Thron deiner Herrlichkeit eine Gnade zu erbitten. Wenn die Stunde naht, da Du die Seele von mir nimmst, so möge Satan und sein Geleite keine Kraft besitzen, mich zu verführen, eines Deiner Gebote zu übertreten, welcher Art und welchen Grades es auch sei, damit meine Seele hinausgehe in Heiligkeit und Reinheit, und dorthin komme, wohin ich mich sehne, wo die Seelen der Gerechten und Frommen Israels, die Seeien Abrahams, Isaaks und Jakobs weilen. Wenn aber Satan kommen sollte, um mich zu überreden, eines deiner Gebote zu übertreten, oder gar den Gott des Himmels zu verleugnen, während mich die Schrecken des Todes umfangen und mein Verstand sich verwirrt — bewahre, dass ich seinen Lockungen folge, in Worten oder Gedanken, was die Lippen an Lauten hervorbringen und was das Herz sinnen kann. Ich erkläre hiermit in allerstrengster Form rechtens von jetzt ab in alle Ewigkeit, dass ich von vornherein dagegen Verwahrung einlege; sollte mir ein solches Wort entschlüpfen, oder in mir ein solcher Gedanke sich regen, so sei dieses Wort und dieser Gedanke für null und nichtig geachtet, wie wenn sie n/'e existiert hätten. Denn ich will nicht einen Augenblick von Dir getrennt sein, ich glaube an Dic'h, dass Du wahr bist, Dein Knecht Mose wahr ist und seine Lehre wahr ist; Du bist der einzig und allein

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