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Ost und West · 1917-09-01 · Heft 9 (September 1917) · p. Seite 393 - 394

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 9 (September 1917)
Article
Friedensziele der Juden
Date
1917-09-01
Page
Seite 393 - 394 (sequence 5)
Language
German
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393 Friedensziele der Juden. 394 wollte, sie für immer von der drohenden Gefahr zu befreien. Die Juden veranstalteten in allefi Gemeinden ein zweiwöchentliches Fasten für Jung und Alt, sammelten die gewünschte Summe und übergaben sie dem Protektor. Dieser jedoch wußte genau, daß niemand imstande war, den Zaren von dem einmal gefaßten Beschluß abzubringen. Er zögerte daher mit der Ablieferung seines Gutachtens solange, bis der Ukas an alle Gubernialbehörden in den betreffennden Provinzen ergangen war, die Juden schon bei der nächsten Rekrutierung ausmustern zu lassen. Erst dann lief im Kriegsministerium der Bescheid des Großfürsten Konstantin ein, begleitet von dem Gutachten Nowosilzows, in welchem dieser entschieden davon abriet, die Juden zum Militärdienst heranzuziehen: Die Zeit hierzu wäre noch nicht gekommen, man müsse diesen Schritt stufenweise vorbereiten, die Juden könnten auf andere Weise der Regierung wertvolle Diensie leisten und hätten dies schon vielfach getan; schließlich betonte er: „daß die allgemeine politische Lage in [Europa es nicht erlaubte, durch eine derartige Maßregel ein so tückisches und rachsüchtiges Volk wie die Juden zu reizen." Diese wurden also als politisch gefährlich hingestellt. Das kam alles post festum, Nowosilzow aber weigerte sich, auch nur einen geringen Teil der Bestechungssumme zurückzuerstatten. (Ausführlich erzählt von einem seiner Mitarbeiter, einem hohen Beamten im russischen'Ministerium des Innern, im „Russ* kij Archiv", 1872, S. 1751/7). Die Juden als politisch gefährlich hinzustellen und ihre Ueberwachung als ein hochwichtiges Staatsinteresse erscheinen zu lassen, bemühte sich ihr Beschützer auch bei einer anderen Gelegenheit. Im Herbst 1821 wurden in dem sog. schwarzen Kabinett zu Warschau, das unter Nowosilzows Leitungdie gesamte eingehende Post zu kontrollieren hatte, zwei Briefe eines polnischen Juden namens Salomon aus Plonsk an seinen Schwiegersohn in Warschau beanstandet. Im ersten, der aus Konstantinopel datiert war, berichtete der Schreiber, daß er seine Pilgerfahrt durch das heilige. Land glücklich vollendet hatte und bald bei den Seinigen zu sein hoffte; im zweiten, der in Odessa aufgegeben war, bat er um Zusendung von 50 Dukaten zur Bestreitung der Heimreise. Beide Briefe waren in dem blumenreichen, unbeholfenen, allen Sprachregeln hohnsprechendeni hebräischen Stil jener Zeiten geschrieben, der aus Bibelversen, Phrasen aus dem alltäglichen Gebet, Jargonwendungen und dgl. bestand. Nowosilzow witterte hier eine gefährliche Staatsaffäre und verfaßte einen langen Bericht an den Großfürsten Constantin: er habe hier die Fäden einer verzweigten Intrige in der Hand, es handele sich offenbar um Emissäre, die im Auftrage einer Geheimorganisation nach dem Orient gegangen seien, um dort einen Staat zu gründen. Sobald der Schreiber heimatlichen Boden betritt, werde Nowosilzow ihn festnehmen lassen. — In der Tat wurde der arme Pilger verhaftet, ungefähr sechzig Briefe wurden bei ihm konfisziert — die ihm von Juden in Palästina an ihre nächsten Anverwandten im russischen Reiche mitgegeben worden waren. 'Eine hochnotpeinliche Untersuchung wurde angestellt, die „Dokumente" wurden ins Französische und daraus ins Russische übersetzt und nach Petersburg geschickt. „Unter den Juden, welche über die ganze Welt zerstreut sind" schrieb Nowosilzow an den Zaren, „existiert eine Art Regierung, bestehend aus Rabbinern, Almosenieren des Heiligen Landes, Vorgesetzten, Gabenverteilern für jede Stadt. Dieser geheimen Behörde schließen sich die reichen Juden aller Länder an, denen der Titel eines Fürsten (gegeben wird. ... Es erscheint zweifellos, daß seit einiger Zeit die Anhänglichkeit der Juden zum Lande ihrer Väter erwacht ist, sie bauen dort Synagogen, beten an den Gräbern der Propheten, 'betrachten es als Seligkeit, im Heiligen Lande zu sterben. Dort soll auch ihr Messias dermaleinst erscheinen. Geleitet von dem Gefühl der Devotion, welches allgemein zu werden anfängt, begeben sie sich dorthin in Massen. Durch Subskriptionen und Spenden tragen die Daheimgebliebenen zum Unterhalt der nach Palästina ausgewanderten Personen und der dort vorhandenen Wohltätigkeitsanstalten bei . . . Daraus folgt, daß nach Palästina aus aller Herren Ländern viel Geld zusammenfließt, besonders aus .jenen, wo die größte Anzahl der Juden wohnt. Dieses Volk hält die Augen unablässig nach dem Heilig-en Lande gerichtet, und entfremdet sich' dadurch immer mehr dem von ihm bewohnten Staat, wird immer widerspenstiger . . . Noch mehr, dadurch bilden sich von Asien aus in allen Landen Europas jgeheime Kundschafter, die im gegebenen Fall Spionage treiben können, ohne gefaßt zu werden. Gegenwärtig scheinen die Juden dem türkischen Reich als dem Herrn Palästinas sehr gewogen zu sein. Sie behaupten, daß der Sultan ihnen erlaubt habe, eine Synagoge wiederaufzubauen gegen Bezahlung einer Dispens. Polnische Juden, die in Palästina wohnen, also»

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