Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Porträts des kgl. westphälischen Konsistoriums der Israeliten
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 263 - 264 (sequence 5)
- Language
- German
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263 Porträts des Kgl. Westphälischen Konsistoriums der Israeliten. 264 Malerkunst von ihm erlernte, so entschloß ich mich in meinem sechzehnten Jahre auf Reisen zu gehen, um mich in meiner Kunst zu vervollkommnen. Der Name meines Vaters war das beste Creditiv für mich, das mir den Weg in die Häuser der Großen bahnte, mir die Mittel zu meinem Lebensunterhalte erleichterte und mich in den Stand setzte, mich selbst als Künstler zu bilden. Nach Verlauf einiger Jahre, die ich teils in Erlangen, teils in verschiedenen Hauptstädten Deutschlands zubrachte, gelang es mir, endlich allhier in Kassel eine blei* bende St'itte zu fin* den, indem ich nicht nur vom damals re* gierenden Landgra* fen Friedrich einen sehr gnädigen Schutzbrief erhielt, sondern auch vom jetzt regierenden Durchlauchtigsten Churfürsten Wil* heim, Kgl. Hoheit, zum Hofmaler er* nannt wurde, welche Würde ich noch heu* tiges Tages genieße." Daß vonSalomoPin* has' Kunst auch die jüdischen Glaubens* genossen Gebrauch machten, zeigt das Bild Kalkars; denn es ist gar nicht zu bezweifeln, daß er mit dem Pinhas, dessen Name am Rande des Kalkar* sehen Medaillons steht, identisch ist. Unser Pinhas ist 1837 in Kassel ge* storben. Seine Ge* burt setzt Lazarus in das Jahr 1758, indem er vermutet, daß Salomo Pinhas mit dem Maler Pin* has Leo identisch ist, der an der Kasseler Konsistorialschule wöchentlich eine Stunde Zeichnen unterrichtete und 1810 in einem Alter von 52 Jahren stand. Doch haben beide Leute nichts mit einander zu tun. Der Zeichen* lehrer heißt Pinhas mit Vornamen, nicht mit Nachnamen. In dem Stundenplan der Schule 1813/14 ist Montag Nachmittag 2—3 Uhr Zeich* nen mit dem Lehrer „Leo" angesetzt, ebenso figuriert er in der Schulgeldliste vom 1. Januar 1812 (Bibliothek der jüd. Gemeinde Berlin, Akten betr. die Konsistorialschule zu Kassel 1810^1814 Nr. 5) als „P. Leo." Die Nachnamen standen durch das Dekret vom 31. März 1808 fest. Aus Salomo Pinhas konnte nicht Pinhas Leo werden, und ebenso war eine Vertauschung von Salomo mit Leo (Juda) möglich, für den Fall daß man in Leo einen Vornamen sehen will. — Bekannter Simon Kalkar 1754-1812 (Abbildung 4) als Pinhas ist sein Sohn, der Kasseler Redakteur Dr. Jacob Pinhas (1788—1861). Er sowohl wie sein Bruder Hirsch waren gleich dem Vater und Groß* vater künstlerisch tätig. Doch kann, ganz abgesehen von ihrer Jugend, die Zeichnung des Kalkarschen Porträts von ihnen nicht herrühren,, da sie zur Unterscheidung von ihrem Vater sicher? lieh auch ihren Vornamen vermerkt hätten. Kalkar, den fSalomo Pinhas auf Heinemanns Veranlassung für den Steindruck zeichnete, war zwar „geistlicher Rat" (Conseiller rabbin), hatte aber an den theologischen Ge? Schäften des Kon* sistoriums keinen Anteil. Diese er? ledigten Berlin und der Warburger Rab* biner Mendel Stein* hardt (1768-1825). Kalkar bearbeitete mit den „weltlichen Räten", (Conseillers laiques) Fränkel und Jeremias (Jerome) Heinemann (1778 bis 1855) die Schul* Sachen. Von dem Kon* sistorialrate David Fränkel (1779bis 1865), dem Heraus* geber der „Sula* mith", befindet sich in unserer Kunst* Sammlung eine bis* her unbekannte Li* thographie (Acc. 670). Das große Blatt (32,9:26,8 cm) stellt Fränkel im Hüftbilde von vorn dar, barhäuptig, mit Steh* kragen (Vatermör* der), Kravatte, offe* nem Rocke, das Oberhemd mit einer Busennadel (Perle und Steine) ge* schmückt. Beide Ar* me sind in ruhender Lage, der linke liegt auf einem Buche (Abbildung 5). Die Unterschrift lautet: „Dr. David Fränkel. Herzogl: Anhalt* Dessauischer Director der Israel: Schulen, Consis* torial*Rath a. D. etc. etc." Auch die anderen Angaben seien aufgeführt: „Gez. u. lith. von F. Wernecke. Herausgegeben v. J. Kornick. Druck von L. Sachse &. Co., Berlin." „In Commission bei L. Sachse &. Co. in Berlin." Das Bild stammt aus der Zeit, da Fränkel wieder in Dessau war und die dortige jüdische Freischule leitete.- Es dürfte um 1830 angefertigt sein, da es Fränkel im rüstigen Mannesalter zeigt. Vorsteher der Dessauer jüdi* sehen Freischule war Fränkel seit 1800, ordentlicher herzoglicher Direktor seit 1808, Ende 1808-1813 amtierte er in Kassel, 1814—1849 wieder in Dessau. Die Pluralbildung „Schulen" erklärt sich daraus,