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Ost und West · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 261 - 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Porträts des kgl. westphälischen Konsistoriums der Israeliten
Date
1917-07-01
Page
Seite 261 - 262 (sequence 4)
Language
German
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261 Porträts des Kgl. Westphälischen Konsistoriums der Israeliten. 262 Die talmudische Autorität des Konsistoriums war der Kasseler Rabbiner Löb Mayer Berlin (1738—1814), der als Siebzigjähriger in das Kon? sistorium eintrat. Sein Bild ist von Kohut a. a. O-, S. 678 verkleinert wiedergegeben. Kohuts Vorlage ist als Lithographie (11:9 cm) zweimal in unserer Kunstsammlung vorhanden, auf weißem (Acc. 59) und auf gelbem Papier (Acc. 60). Unsere Ab* bildung 3 zeigt das ovale Brustbild en face, das durch die großen Augen und die weißen, die Ohren völlig verdeckenden Haarbüschel (Peies) unsern Blick besonders fesselt. Ein großer, weißer Bart umran* det das Gesicht und bedeckt die Bäffchen, deren unterer Teil noch sichtbar ist. Am Rocke fällt auf, daß die drei oberen Knöpfe nicht zuge* geknöpft sind, mit dem vierten ge* schlossenen Knop* fe schneidet das Bild ab. Unter die* sem steht gedruckt: „L. M. Berlin. Landrabbiner in Kurhessen, gest. den 21 ten Mai 1814." „Lith. In* stitut v. L. Sachse & Co." Die Litho* graphie ist erst nach dem Tode Berlins gefertigt zu einer Zeit, da das Konsistorium nicht mehr bestand. Der Stellung alsKonsis* torialrat geschieht daher in der Un* terschrift nicht mehr Erwähnung. Die Quellenanga* ben „gez. von M. Heinemann, lith. von Hauer" geben uns leider bisher unbekannte Namen. Doch läßt sich annehmen, daß wir in dem Zeichner Heinemann einen Juden vor uns haben, vielleicht einen Verwandten des gleichnamigen Konsistorialrats. Der Steindruck er* folgte in Berlin, dort befand sich das lithographische Institut von L. Sachse & Co., dort lebte 1814 der Konsistorialrat Heinemann, vielleicht der Anreger der Lithographie, der sie auf Kosten des nunmehr gleichfalls in Berlin ansässigen Jacobson für die Kasseler Freunde herstellen ließ, dort werden auch Hauer und M. Heinemann zu suchen sein. Für das lithographische Institut ist kein Ort angegeben- Dem Leser muß Berlin als Lokalität für alle ge* nannten Personen selbstverständlich gewesen sein. Der Zweitälteste Konsistorialrat war der Rab* biner Simon Kalkar (1754—1812), der nach seiner Berufung ins Konsistorium das Rabbinat Witzenhausen und später das von Eschwege ver* waltete. Die Lithographie seines ovalen Brustbildes (15,6:11,8 cm) ist nach seinem 1812 erfolgten Tode hergestellt. Wiederum besitzt unsere Kunstsammlung zwei Exemplare: Acc. 286 auf weißem, Acc. 287 auf gelbem Papier. Wie die Unterschrift ausdrücklich bemerkt, hat der Konsistorialrat Heinemann die Abbildung veranlaßt: „Simon Kalkar, Koenigl. Westphael. Konsistorialrath, Rabiner (1) des Sprengeis Eschwege, geb. 7. Oct. 1754, gest. 21. Jul. 1812. Veranstaltet und S^ Hochwohlgeb. dem Herrn Konsistorial*Praesidenten Jacobson gewidmet von seinem Freunde Dr. David Frankel 1779-1863 (Abbildung 5) mit zwei Knöpfen modisch ab. und Kollegen dem Konsistorialrathe Heinemann." Be* merkenswert ist, daß die beiden Exemplare der Kunstsammlung in der Unterschrift nicht identisch sind. In dem auf weißem Papier gemachten und dadurch et* was helleren Abzug fehlt die auf den Veranstalter bezüg* liehe Notiz. Das Bild (Abbildung) ist aber in beiden Fällen dasselbe. Kalkar ist nach links gewendet, trägt Käppchen und Bäfxchen. Das Ge* sieht ist bartlos, doch sind unter dem Kinn und zu beiden Seiten des Halses Barthaare sichtbar. Die Klei* dung ist weder ein Ornat, noch ein Amtsrock. Das Jackett, das oben offen steht und in einen steifen Kragen ausläuft, läßt einen großen Teil der Weste frei, unten ist es geschlossen und rundet sich Auch von Kalkars Porträt bringt Kohut a. a. O., S. 689 eine kleine Reproduktion. Wie sonst bei ihm fehlt jede Angabe über die Unterschrift und die diesesmal so wichtige Urheberschaft: „Pinhas del., C. Schroeder &. Co." Hier tritt uns neben der Kasseler Lithographenfirma Schroeder der dortige jüdische Maler Salomo Pinhas als Zeichner ent* fegen. Dieser war der Sohn des Markgräfl. Ans* achischen und Bayreuthischen Hofmalers Juda Pinhas (1727-1793) und in Kassel seit 1789 als landgräflicher und kurfürstlicher Hofmaler tätig. In der Biographie des Vaters, die er 1818 in der „Su* lamith" V, 2, 289—296 schrieb, sagt er von sich selber: „Das hohe Zutrauen, dessen mein Vater von mehreren hohen Häuptern gewürdigt wurde, kam auch mir sehr gut zu statten; denn da ich die

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