Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Porträts des kgl. westphälischen Konsistoriums der Israeliten
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 259 - 260 (sequence 3)
- Language
- German
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259 Porträts des Kgl. Westphälischen Konsistoriums der Israeliten. 260 Israel Jacobssohn (Abbildung 1) toren ausprägen. Der Abdruck des Kupferstiches kommt in der „Sulamith" infolge des gelblichen Papieres nicht zur Geltung. Besser wirkt ein Stich (11,7:9,1 cm), den auf weißem Papier mit gepreßtem Rande unsere Kunstsammlung unter Acc. 269 be* sitzt (Abbildung 1). Er stimmt gang genau mit dem Sulamithbilde überein, ist nur um zwei Milli* meter niedriger. In der Unterschrift heißt es hier korrekter: „Geheimer Finanzrath". Ganz anders ist das Bildnis, das uns die Photo* graphie in der Arnheimschen Schulschrift und das Klischee bei Kohut bieten. Schon die schwache, photographische Wiedergabe zeigt den Staatsmann, den wir uns an der Spitze des Konsistoriums sehr gut denken können. Wie steigert sich aber dieser Eindruck, wenn wir das prächtige, große, viereckige Schabekunstblatt (27: 21,7 cm) betrachten, das Arn* heim und Kohut als Vorlage aiente und in unserer Kunstsammlung unter Acc. 270 aufbewahrt wird {Abbildung 2). Es trägt die in der bisherigen Literatur fehlenden Ursprungsbezeichnungen „Schöner pinx., F. K. Tielker sculp." und als Unterschrift: „Jacob* son, Konsistorial Präsident und Mitglied der Westph. Reichsstände." Während Tielker bei dem Sulamith* bilde der Zeichner war, ist er hier der Stecher. Der Meister des Bildes ist zu dessen Vorteil der Maler Gustav Friedrich Adolph Schöner (1774-1841), ■dessen Tätigkeit in Kassel bisher unbekannt war. Er hat Jacobson nach dem Leben gemalt und da* mit sich und dem lebensvollen, tätigen Philanthropen ein schönes Denkmal gestiftet. Jacobson ist im Brustbild in einem durch helleren Rand sichtbar gemachten Medaillon (25,5:20,8 cm) von vorn dargestellt, den Kopf ein klein wenig nach links gewendet. Die Tracht ist offenbar der Talar des Geistlichen. In dem erwähnten Schreiben vom 28. Oktober 1808, in dem Jacobson um Genehmi* gung des Amtssiegels ersuchte, bat er auch um die Erlaubnis, in seiner Eigenschaft als Präsident „ein schwarzes Gewand mit Silber gestickt und die Ge* setzes * Tafeln um den Hals gehängt" tragen zu dürfen. Von der Silberstickerei sehen wir auf dem Bilde nichts, und von der Geschmacklosigkeit, die Gesetzestafeln am Halse zu tragen, hat Jacobson Abstand genommen, aber der Ornat ist geblieben. Die geschlossene Kleidung läuft oben in einen steifen Kragen aus, unter dem noch ein weißer hoher Stehkragen sichtbar ist. Die Stelle der Bäff* chen vertritt ein reichgesticktes Spitzen * Jabot. Auf dieses folgen nach unten vier Knöpfe und dann nach dem Beispiele der französischen Geist* liehen eine um den Leib geschlungene Schärpe. Das Gesicht ist wie beim Sulamithbilde bartlos, nur ist diesesmal der Ansatz eines Backenbartes angedeutet. Während ferner dort der Kopf bedeckt ist, ist hier das lockige Haupthaar vollständig sichtbar. Auf dem Hinterkopf scheint ein kleines Käppchen zu sitzen, es läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Da Jacobson im Ornat dargestellt ist, möchte man die Entstehung des Bildes erst nach dem 19. De* zember 1808 (siehe oben) annehmen. Anderer* seits gibt uns der Ornat keinen sicheren Anhalt, da Jacobson schon vor der Konsistoriumszeit als Prediger im Ornat auftrat. Dagegen weist die in der Unterschrift betonte Mitgliedschaft der west* phälischen Reichsstände auf die Zeit nach dem 2. Juli 1808 hin. Jacobson hatte in der Versamm* lung der Reichsstände, die damals eröffnet wurde, als Vertreter des Okerdepartements Sitz und Stimme. Das Königreich Westphalen war auf deutschem Boden der erste Staat, der die Gleichberechtigung der Juden aussprach und dies nicht nur auf dem Papier tat, sondern auch verwirklichte. Löb Mayer Berlin 1738-1814 (Abbildung 3)