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Ost und West · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 247 - 248

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1917-07-01
Page
Seite 247 - 248 (sequence 7)
Language
German
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247 Rumänien und seine Juden. 248 glaubten, die Wohltaten seien ausschließlich den Juden zugedacht, sie mußten ermutigt und herangezogen werden, um ihren Anteil in Empfang zu nehmen. Die österreichisch-ungarischen Behörden und Bahn Verwaltungen, bezeugten das größte Entgegenkommen. In Triest wurden die Flüchtlinge von dem Rabbiner der dortigen sephardisehen Gemeinde, Melli, mit einer spaniolischen Ansprache begrüßt, und es tat ihnen, die lauter Spaniolen waren, besonders wohl, sich hier in ihrer Muttersprache verständigen zu können. Von Triest wurden sie auf einem österreichischen Schiffe nach Konstantinopel befördert, wo sie das Lokal-Komitee der Alliance Israelite Universelle in Empfang nahm. Mittlerweile wurden aus russischen Quellen Nachrichten verbreitet, die die Bulgaren als die grausamsten und heimtückischsten Menschen hinstellten, denen gegenüber die Russen, die das Land überschwemmt hatten, als die Beschützer der Humanität erschienen. Der Oberbefehlshaber der russischen Armee, Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch, erzählte einer Abordnung des Internationalen Hüfskomitees, welches ihm den Dank für eine Spende von tausend Imperialen aussprach, die schlimm1sten Dinge über den Charakter dieser slawischen Brüder, zu deren „Befreiung vom türkischen Joch" der Krieg unternommen worden war. Er versicherte, es bedürfe der größten Strenge, um1 Ausschreitungen hintanzuhalten. „Meine Soldaten finden bisweilen mehr Sympathien bei den Türken, als bei den Bulgaren; der Türke teilt mit unseren Soldaten das letzte Stückchen Brot, das er besitzt, während der Bulgare, wenn auch seine Kammer von Lebensmitteln strotzt, sich nicht zu dem geringsten Opfer herbeilassen will." Das Wiener „Fremdenblatt" (dessen Chefredakteur, nebenbei gesagt, ein Bruder Heinrich Heines war), ein Organ des Ministeriums des Aeußeren, versicherte, daß das gleiche Urteil von allen russischen Offizieren gefällt wurde, und fügte hinzu: „Und solchen Menschenstamm soll man zum Beherrscher von mehreren Millionen Griechen, Juden, Türken und Walachen machen! Es ist unmöglich, daß die russische Staatsregierung vor einer solchen, -Monstrosität die Augen schließe, nachdem die russische Heeresleitung selber zu solcher Erkenntnis gekommen ist. Jedenfalls müssen den Bulgaren die Hände gebunden werden, um ihre brutale Herrschaft nicht nach ihren Herzensgelüsten über die Andersgläubigen ausüben zu können." Als der Vorfriede von San Stefano bekannt wurde, der die Errichtung eines bulgarischen Staates vorsah, ging durch die Zeitungen ein Artikel, der u. a. folgende Bemerkungen enthielt: „'In dem Lande, welches die Bulgarei heißen soll, wohnen Millionen von Griechen, Walachen, Juden und Mohammedanern unter den Bulgaren, deren Zahl auch nicht viel größer ist. Wessen man sich von diesen Bulgaren gegen die übrigen Nationalitäten und Konfessionen zu gewärtigen habe, das hat ihr ebenso hinterlistiges wie grausames' Verfahren, ihr bloß auf Raub und Mord ausgehendes! Wesen während des Krieges hinlänglich gezeigt, und in den russischen Blättern selbst kam oft die Entrüstung und Verachtung gegen diese Halbbarbaren zum Ausdruck." Nun folgen Besehwerden, daß der Friede von San Stefano die Rechte dieser Minoritäten nicht genügend schützte, und zum Schluß heißt es : „So sehen wir in eine düstere Zukunft hinein für alle die unglücklichen 'Menschen, die in der Balkanhalbinsel ihren Geburtsort haben. Solche Saat ist nicht geeignet, zu einem friedlichen und menschenwürdigen Dasein zu reifen." Die jüdischen Zeitungen wiederholten gläubig alle diese aus hochauthentischer Quelle stammenden Nachrichten und flößten der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit ein wahres Gruseln ein vor der Möglichkeit einer kommenden bulgarischen Selbständigkeit. So verkündete die Allgemeine Zeitung des Judentums, damals das am1 sorgfältigsten und gewissenhaftesten redigierte jüdische Wochenblatt, in der Nummer 17 von 1878, ,,daß verschiedene Berichte über das Verhalten der Bulgaren zeigen, was man von diesen als Selbstherrschern zu erwarten habe." In Rustschuk habe sich eine bulgarische Deputation zu dem russischen Platzkommandanten begeben und von ihm verlangt, er solle alle nichtbulgarischen Handelsleute aus der Stadt entfernen, damit die letzteren allein die Geschäfte betreiben könnten. Der russische General jedoch (der ausschließlich für Freiheit und Gleichheit schwärmte) habe diese Unverschämtheit mit einigen Tagen Haft für die Mitglieder der Deputation bestraft. Aus Paris wiederum kam1 einige Tage später die Nachricht, daß die Bidgaren in Rumelien Griechen und Juden unbarmherzig behandelten. Man könne sich denken, wie sehr bereits die unterdrückten Nationalitäten und Konfessionen sich nach der Zeit der türkischen Herrschaft zurücksehnten. „Und diese Menschen sollen die Herren eines Landes werden, welches ihnen niemals angehört hat!" Auf Anfang Mar seien zu einer Versammlung nach Tirnowo ausschließlich bulgarische und keine anderen Notablen einberufen worden. (Zum Verständnis dieser Notiz sei bemerkt, daß es sich damals, imJ Frühjahr 1878, darumi handelte, Ostrumelien, das überwiegend von Bulgaren bevölkert war, an Bulgarien anzugliedern.) * * * Die Flüchtlinge waren, wie wir gesehen, nach Konstantinopel gebracht worden, und teils in dieser Stadt, teils in Adrianopel und anderen Städten der; Türkei untergebracht worden. Es hatten sich ihrer in der Hauptstadt viertausend, in Adrianopel zweitausend, und ebensoviel in anderen Städten angesammelt. Türken waren natürlich in noch größerer Anzahl als Juden aus dem Kriegsgebiet geflüchtet. Es bildeten sich auch internationale Komitees zur Unterstützung der Kriegsflüchtigen. Das englische Komitee allein unter dem Protektorat des britischen Botschafters, des berühmten Assyriologen und Orientalisten Layard, verteilte, nach einem vorliegenden Bericht, z. B. am 17. September 1877 tägliche Unterstützungen an siebenhundertfünf undfünzig mohammedanis che, hunderteinundsechzig bulgarische und an dreihunderteinundzwanzig jüdische Flüchtlinge. Nach Beendigung des Feldzuges, während die Friedensunterhandlungen im Gange waren, bildeten sich in der Türkei mehrere Komitees zwecks Heimbeförderung der Flüchtlinge. Allein, wie das Monatsbulletin der Alliance Israelite Universelle für Mai versicherte, wünschten die Bulgaren, daß die Flüchtlinge überhaupt nicht zurückkehrten, damit sie sich deren Besitz aneignen könnten; die Türken insbesondere fürchteten sich heimzukehren, da sie überzeugt waren, in ihren früheren Heimstätten keine Sicherheit zu finden. Die türkische Re-

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