Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Rumänien und seine Juden
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 245 - 246 (sequence 6)
- Language
- German
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245 Rumänien und seine Juden. 246 falt des Personals nach jeder Seite hin, wären viele der Tapferen an der Seuche umgekommen, welche in der letzten Zeit, grausamer als der Feind, die Reihen der Armee dezimierte. Herr Präsident, indem ich Ihnen die Dienste bezeichne, die die Ambulanz dem Vaterlande und den Divisionen, die ich befehligte, in diesem Feld;-/ zug geleistet hat, bitte ich Sie, meinen wärmsten Dank dafür entgegenzunehmen und versichert zu sein, daß das Andenken an die Treue, die brüderliche Liebe und die Dienste, welche die Ambulanz „Zion" während des ganzen Feldzuges uns erwiesen hat, in unser aller Herzen fortleben wird. Ich spreche ganz besonders dem Herrn Dr. Cocciu, dem Chef der Ambulanz, meinen Dank5 aus1, der keine Anstrengung und keine Opfer gescheut hat, um den Verwundeten und Kranken in der ganzen Zeit, während welcher er den von mir befehligten Divisionen attaehiert war, nützlich zu sein. .Der Divisionskommandant Im April 1878. General G. Angelesoo." Auch in der türkischen Armee kämpften übrigens Juden mit, allerdings nur als Freiwillige. So hatte das Bataillon von Jerusalem anstatt der üblichen Zahl von acht Kompagnien, deren zehn, die überzähligen zwei bestanden aus jüdischen Freiwilligen, die sich aus den gebildeten und wohlhabenden Ständen rekrutierten. Sie trugen eine von den Mohammedanern etwas unterschiedene Uniform, ein jüdischer Feldgeistlicher war ihnen beigegeben und sie durften ihre Speisen nach dem jüdischen Brauch zubereiten. — Die türkischen Juden verkauften, auf Anregung des Rabbinats von Konstantinopel, Silbergeräte aus den. Synagogen und spendeten den Erlös für den türkischen Kriegsschatz. So kämpften auch hier, wie in allen europäischen Kriegen, Juden gegen Juden, jeder in der Armee des Landes., dem] er angehörte. DIE KRIEGSLEIDEN DER BALKANJUDEN. Die Schrecknisse des . Krieges bekamen die Juden noch besonders zu spüren. Nach Veröffentlichung des1 Uebereinkommens zwischen Rußland und Rumänien, als1 der Einmarsch der russischen Truppen zur Gewißheit wurde, ließ der Fürst Carol die rumänische Armee sich konzentrieren und zurückziehen, um dem russischen Freunde zunächst auszuweichen. Der ganzen friedlichen Bevölkerung, insbesondere der Juden, bemächtigte sich eine Besorgnis, die sich bald als nur zu begründet erwies. Es bildeten sich nämlich Räuberbanden, die die Gegend plündernd durchzogen. Zuerst wurden natürlich die Juden betroffen. In Giurgewo wurden acht Juden erschlagen und elf getötet. Die Russen unternahmen nichts, um dem1 Treiben Einhalt zu gebieten; die österreichische Regierung sah sich genötigt, Maßregeln zu ergreifen, um den Uebertritt .der Banden auf ihr Gebiet zu verhindern'. Mehrere jüdische Familien flüchteten nach Ungarn, wo sie bei ihren Glaubensgenossen Zuflucht fanden. Bald verlief sich jedoch diese Bewegung; einen spezifisch judenfeindlichen Charakter hatte sie ohnedies nicht gehabt. Viel schlimmer erging es den Juden in Bulgarien, das bald zum eigentlichen Kriegsschauplatz geworden war. In Kazanlyk und mehreren anderen kleineren Ortschaften überfielen die Bulgaren die jüdische Bevölkerung, mordeten, schändeten, plünderten und sengten. Die Juden flüchteten zuerst nach den größeren Städten, wie Sophia, Philippopel, Schumla; allein, auch hier war bald ihres Bleibens nicht lange und sie zogleih weiter nach Rumänien, wo sie in Bukarest von der dortigen jüdischen Gemeinde, sowie von den damals dort weilenden jüdischen Heereslieferanten aus Rußland reichlich unterstützt wurden. Die Nachrichten von den 'Greultaten der Bulgaren, die sich übrigens; zum Teil auch gegen Griechen und Türken richteten, verbreiteten sich bald und fanden einen Widerhall in der gesamten europäischen Presse. Alle großen jüdischen Organisationen, sowie die Gemeinden veranstalteten Geldsammlungen für die Opfer. Prüft man alle diese in verschiedenen Organen und Korrespondenzen der Zeitungen zerstreuten Nachrichten und hält sie gegeneinander, so wird man allmählich einer merkwürdigen Erscheinung gewahr. Zuerst hieß es, die Juden wurden durch die Bulgaren und Kosaken mißhandelt, getötet, vertrieben; das erscheint fast selbstverständlich, denn daß die Kosaken bei Schlägereien und Plünderungen, besonders der Juden, nicht mitwirken sollten, wäre ganz wider ihre Tradition. Bald jedoch ändert sich jdas Bild: es wird verkündet, daß die Bulgaren allein es waren, die die Juden niedermetzelten, Frauen und Mädchen schändeten, ihre Habe plünderten, während die Kosaken die Opfer vor der Mordgier der Bulgaren zu schützen suchten, aber vergebens. In Bukarest trafen im September dreihundertfünfzig Flüchtlinge ein, nach fünfundvierzigtägiger Wanderung, die sie meist zu Fuß zurückgelegt hatten; sie erzählten, daß sie es nur dem Schutz der Kosaken verdankten, daß sie der Niedermetzelung und Mißhandlung entgingen. Von Schipka bis Tirnowo hatten ihnen die russischen Generale eine Eskorte mitgegeben, aber die bulgarischen Wagenführer hatten sie beraubt und waren davongelaufen. In Bukarest konnten die Flüchtlinge, deren Zahl bald auf ungefähr tausend anwuchs, nicht bleiben, und es' galt, sie nach der Türkei, zu schaffen. Da sie durch die Feuerlinie nicht hindurch konnten, mußten sie über Ungarn nach Triest gebracht werden, um sich dort nach Konstantinopel einzuschiffen. Alle auf dieser Route gelegenen jüdischen Gemeinden, zum Teil auch die christliche Bevölkerung, wetteiferten darin, den Verbannten Hilfe zu bringen. Die Alliance Israelite Universelle in Paris eröffnete eine Sammlung, die stattliche Summen ergab. Ihr folgten die Anglo Jewish Association und die Wiener Allianz. Es verdient, verzeichnet zu werden, daß von den bei der Wiener Allianz a,ujs London eingelaufenen sechstausend Gulden ein volles Drittel von einer christlichen Dame, Lady Burdett Coutts, herrührte. Kleine jüdische Gemeinden in Ungarn, so die von Mohacs, Fünfkirchen und Groß-Kanisza, entfalteten eine rege Gastfreundschaft und persönliche Opferwilligkeit. Die Frauen nahmen sich besonders der kleinen Kinder an, badeten sie und trugen sie auf den Armen. Unter den Flüchtlingen befanden sich auch Griechen, die sich anfangs scheuten, etwas anzunehmen, da sie