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Ost und West · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 243 - 244

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1917-07-01
Page
Seite 243 - 244 (sequence 5)
Language
German
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243 Rumänien und seine Juden. 244 denen er die meisten selber gegründet hatte. An der Spitze der größten unter ihnen, die in Botuschani schon 1866 gegründet worden war, stand der rühmlich bekannte hebräische Schriftsteller und Pädagoge Hillel Kahana, von dem noch weiter unten die Rede sein wird. Ende Januar 1877 hatte der Verein in Bukarest seine Generalversammlung abgehalten, auf der beschlossen wurde, den Volksunterricht auszudehnen und u. a. eine rumänische Bibelübersetzung herauszugeben, die binnen fünf Jähren fertiggestellt und zu einem billigen Preis unter den Juden verbreitet werden sollte. Jetzt organisierte der Verein den Kriegshilfsdienst unter den Glaubensgenossen. Es sollte eine bedeutende Summe gesammelt und eine Ambulanz errichtet, freiwillige Krankenpfleger und Aerzte, sowie freiwillige Soldaten ausgerüstet werden. Unter der Jugend bildete sich eine Gesellschaft mit dem' Namen „Societate Romanisanea", welche die Aufgabe hatte, die patriotische Gesinnung unter den Juden zu pflegen. Gleich in der ersten Versammlung dieses Vereins, auf der achtundzwanzig Mitglieder anwesend waren, trugen sich neunzehn in die Listen der freiwilligen Soldaten ein. Die Juden) betrachteten dieses Rumänien, das sie seit zwölf Jahren so stiefmütterlich behandelte, trotz allem als ihr tatsächliches Vaterland, sie wollten ihre Bürgerpflicht getreulich erfüllen in der Hoffnung, daß ihnen dann die Bürgerrechte nicht vorenthalten werden könnten. In allen rumänischen Städten bildeten sich, auf einen Aufruf der Bukarester Juden hin, jüdische Komitees für Krieg'shilfe, denen reiche Gaben an Geld und Naturalien zuflössen. Die Fürstin Elisabeth von Rumänien übernahm da9 Protektorat über die vom Verein „Zion" ausgerüsteten Ambulanzen, deren Personal aus lauter Juden bestand. Die Fürstin wohnte sogar der religiösen Zeremonie bei, welche dem Abmarsch der Ambulanzen ins Feld voranging,. Die Juden errichteten außerdem zwei Lazarette, eines in Bukarest, das andere in der Nähe des Kriegsschauplatzes. Letzteres wurde vollständig von Juden bedient. In Jassy unterhielt überdies ein gemischtes, aus Juden und Christen bestehendes Komitee ein Lazarett, in dem1 der Dienst der Krankenpflege von jüdischen Damen ausgeübt wurde. Allein, nicht nur hinter der Front erfüllten die Juden vollauf ihre patriotische Pflicht. Gleich zu Beginn des Feldzuges belief sich die Zahl der jüdischen Soldaten auf sechshundert in einer Armee, die sechsunddreißigtausend Mann zählte. Dabei muß man bedenken, daßi von den ungefähr zweihundertfünfzigtausend Juden in Rumänien beinahe hunderttausend unter ausländischer, meist österreichischer Staatsoberhoheit standen, und gar nicht in die Armee eingereiht werden durften. Mit der Ausdehnung desi Krieges un'd der Vergrößerung der Armee stieg die Zahl der jüdischen Soldaten beinahe auf das Doppelte; ungefähr ein Drittel von ihnen erlitt den Tod oder wurde schwer verwundet. Ein Jude namens Raimann wurde sogar zum1 Hauptmann, ein anderer, Mauriciu Brociner, zum Leutnant befördert. Der Zweitgenannte war es, der die rumänische Fahne trug, um sie auf dem' Fort Grivitza aufzupflanzen, im letzten Augenblick jedoch erhielt er eine Wunde, es war bereits die zweite, die Fahne entsank seinen Händen. Er wurde mit dem höchsten Orden, dem1 „Stern von Rumänien", ausgezeichnet. Unter den jüdischen Soldaten erhielten viele diese und andere Dekorationen. Mehr als zweihundert von ihnen wurden zu Unteroffizieren befördert.' Allgemein wurde ihre Tapferkeit und Disziplin anerkannt. Es ist keine Klage über Untüehtigkeit oder gar Fahnenflucht der jüdischen Soldaten bekannt geworden, weder im Verlaufe des Krieges, noch später, als die rumänische Publizistik einen wütenden Kampf gegen die Anerkennung] des Artikels 44 des Berliner Vertrages führte. Nach Beendigung des Feldzuges im April 1878 erhielt der Präsident des Vereins „Zion" in Bukarest ein Schreiben, welches als Dokument hier vollständig wiedergegeben zu werden verdient: „An den Herrn Präsidenten der israelitischen Gesellschaft „Zion" in Bukarest. Nachdem der Krieg* beendet und das Ambulanz personal der Gesellschaft „Zion" zurückgerufen worden ist, spreche ich der Gesellschaft, deren Präsident Sie sind, meinen Dank aus für die vorzüglichen Dienste, welche die Ambulanz „Zion" der 3. und 4. Division, die vor Plewna und Widdin aktiv waren, geleistet, indem sie brüderlich mit uns1 alle Mühen dieses schweren Krieges teilte, und berichte Ihnen über den bedeutenden Anteil, den diese Ambulanz an dem Feldzug vor und nach dem Donauübergang genommen, und welch große Dienste sie der 3. und 4. Division geleistet, die ich zu befehligen die Ehre hatte. Die Ambulanz „Zion" kam im Monat Juni (1877) in Bailesci an und blieb dort bis zum! 24. Juli, wo die Division sich nach Islag in Marsch setzte, und hat in dieser Zeit unter der Leitung des Herrn Dr.- Alexander Cocciu (eines Israeliten) mit Hilfe der Divisionsambulanz in Bailesci ein Hospital von hundert Betten hergerichtet. Dank der Geschicklichkeit und der unermüdlichen Tätigkeit des Dr. Cocciu, dank dem Personal und Material der Ambulanz „Zion" haben die Verwundeten die sorgfältigste Pflege gefunden. Obwohl die Divisionscantonnements wegen der Sümpfe von Matzatzei und Bailesci sich, besonders während der großen Sommerhitze, nicht in gutem Gesundheitszustande befanden, war nichtsdestoweniger die Sterblichkeit in der Division außerordentlich gering, wie dies durch die Listen über die Krankheit in dieser Zeit festgestellt ist. Bei dem Angriff aml 30. August installierte sich die Ambulanz „Zion", der fliegenden Ambulanz beigegeben, in dem Tale von Bucova innerhalb der Schußweite des Feindes, und durch die Geschicklichkeit, die Aufopferung und den Mut, welche das ganze Personal der Ambulanz „Zion" an jenem denkwürdigen Tage entwickelt hat, konnten achthundert Verwundete, welche auf dem Plateau gegenüber dem Fort Grivitza Nr. 2 gefallen waren, aufgenommen, verbunden- und bis zum! anderen Morgen in die Divisionsambulanz und in das Zentrum transportiert werden; die anderen Verwundeten, welche in die Gräben des Forts und in das gegenüberliegende Tal gefallen waren, konnten trotz aller Versuche, mit einigen Ausnahmen, nicht während der Nacht fortgetragen werden, weil der Feind die Fahne des Roten Kreuzes nicht achtete und, im Gegenteil, auf diejenigen schoß, welche es versuchten, die Verwundeten zu bergen. Das Personal der Ambulanz „Zion" stand auf der Höhe seiner Mission. Dank seiner unermüdlichen Tätigkeit könnte eine große Zahl Soldaten gerettet werden; ohne die Aufopferung und Sorg-

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