Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Neue Hagadah-Illustrationen von Joseph Budko
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 233 - 234 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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233 Neue Hagadah - Illustrationen von Joseph Budko. 234 Daher ist dem Ornament und der ornamentalen Schrift das Hauptgewicht beigelegt. Hier leistet Budko ganz Er* staunliches, indem er es ver* steht, das Traditionelle zwar pietätvoll zu wahren und doch etwas künstlerisch Neues zu schaffen. Es zeugt von besonderem Feingefühl und künstlerischem Takt, wie er die an ein solches Unter* nehmen gebundenen Grenzen zu wahren versteht. Sein in guter Schulung herangebildetes Stilgefühl und die Beherrschung der Technik gestatten ihm ein reiches Gestalten seiner auf einer streng reli* giösen Basis aufgebauten Phantasie, die von tiefem und liebevollem Verständnis für alles Religiöse getragen wird. Vor allem nützt er die Tektonik der hebräischen Buchstaben, die sich wie die Zeichen keiner anderen Schrift zu künst* lerisch ornamentaler Wirkung ge* talten lassen. Der Buchstabe selbst soll nur durch eine starke Kontur und einfache Form sprechen, er hebt sich von einem reich geschmückten, immer aber dezent zurücktretenden Hintergrund ab, der symbolische Hinweise auf den betreffenden Text enthält. Gleich die erste Initiale, die den Text des Festgebers einleitet, da der Jüngste der Tischgesellschaft nach dem Sinne der Feier gefragt hat, kann als eine der bedeutendsten angesprochen werden. Dornen und Disteln schlingen ein harmoni* sches Band zur Hintergrundsfolie des Buchstaben, durch den noch eine Axt als das Zeichen der nun er* zählten Frohnarbeit der unter Pharao schmachtenden Juden gelegt ist. Von besonderer Originalität sind sodann die Initialen der Kapitel, in denen die.' verschiedenen Charaktereigenschaften der Menschen geschildert werden. Die sinnlose stufenweise An* Ordnung der einzelnen Vertreter ist nun endlich überwunden, indem jeder einzelne Buchstabe eine Gestalt aufweist, die als Symbol der jeweils be* sprochenen Kategorie zu gelten hat. Schließlich sei hier nur noch der Anfang des beliebten Liedes vom Lämmlein erwähnt, da die beiden ersten Buchstaben zusammengezogen das Lamm und den Hirten zeigen. Auch ganze Satzbilder sind zu einer Einheit verbunden, um besonders wichtige Stellen aus dem Ganzen hervorzuheben. Wie ein fröhlich verheißendes Banner und eine bunt sich entfaltende Wimpel wirkt das ornamentale Satzbild des \\.'?p^aY::./-:;'-- .! „Leschonoh habodo Bijruscho* lajim." Den Ornamentschatz schöpft der Künstler aus überlieferten Formen, denen er jedoch eine moderne Fassung zu geben ver* steht und die er durch die verschiedensten Kombinationen immer aufs Neue zu beleben weiß. So zeigt das Ein* gangsblättchen denWeinbecher, das Symbol des Festes und der Freude, denn „derWein erfreut des Menschen Herz" und das Passahfest ist der Freudentag der wiedererlangten Freiheit, da man angelehnt sitzet und sogar vier Becher leert. Das Motiv wird wieder* holt, da eine besondere Vignette den letzten Segens* spruch über den Wein einleitet: inmitten des David« Schildes steht umringt von schirmenden Palmen der Becher und ein Traubenmotiv umrankt das Ganze. Ebenfalls zu den rein ornamentalen Darstellungen ist das Blättchen zu zählen, da die Ge? stalt des Messias den Schofar blasend eine weitere frohe Zukunft verkündet. Dies führt uns nun zu den Bildern, die uns weniger die ein* zelnen Szenen vor Augen führen und somit unserer Phantasie zu Hilfe eilen, sondern den Geist der Tradition in neuem Gewände wieder aufleben lassen wollen. Der verständnisvolle und fein abwägen* de Künstler, dem es darum zu tun ist, ein dem modernen Empfinden und buchtech? nischer Erfordernis entsprechendes Werk zu schaffen, offenbart hier sein tief fühlendes, echt jüdisches Herz. Nur ein Mensch, der in dem streng gläubigen Kreise einer kleinen Gemeinde aufgewachsen ist, in der ein lebendiges religiös verinnerlichtes Leben pulsiert und die Tradition der Altvorderen in liebevoller Pietät gepflegt wird, kann so eindring* lieh und ergreifend die Szenen darstellen, die die Hagadah besingt. Joseph Budko entstammt dem kleinen polnischen Städtchen Plonsk, in dem er die ersten Jahrzehnte seines Lebens verbrachte; dann kam er nach Berlin, lernte als Schüler der Kunstgewerbeschule das Schmiedeeisen* und Zise* lierhandwerk, beschäftigte sich auch mit Eisens: ätzungen und dem Kupfer* stich und ist dann allmäh* lieh unter der Leitung von Hermann Struck zur Litho? graphie und Radierung über* gegangen, der er sich nun* mehr ganz gewidmet hat. Die technische Ausbildung wirkte bestimmend auf sein