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Ost und West · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 235 - 236

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Neue Hagadah-Illustrationen von Joseph Budko
Date
1917-07-01
Page
Seite 235 - 236 (sequence 4)
Language
German
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235 Rumänien und seine Juden. 236 graphisches Schaffen ein und ließ ihn eigene Wege aufsuchen, da er das Kunstgewerbliche mit dem rein Künstlerischen zu verbinden bemüht war und so* mit einen Stil zu schaffen, der ganz besonders seinen Bestrebungen zur Belehrung einer jüdischen Kunst zu statten kam. So entstand denn diese Hagadah als ein erstes Musterwerk, indem nämlich der Künstler und Kunstgewerbler in gleichem Maße zur Sprache kommen konnte. Begeisterten uns die feinen ornamentalen Blättchen, so können wir vor den bildlichen Darstellungen uns nicht einer gewissen Rührung enthalten, da wohl noch nie zuvor die Szenen der Passahgeschichte so über* zeugend und seelenvoll wiedergegeben worden sind. Zu Bene Berak sitzen die Weisen, ehrwürdige alte Partriarchengestalten, in einem von magischem Lampenschein erleuchteten Gemache, durch das Fenster dringen die ersten Strahlen des neuen Tages und die Jünger drängen sich heran, um die Lehrer zum Frühgebet zu gemahnen. Sie aber sind vertieft in Betrachtungen über die Passahgeschichte und achten nicht der vorgeschrittenen Zeit. Seelenvolle Andacht ruht über der Szene. Einer ähnlich intim emp* fundenen und durch das Erlebnis ge* steigerten Darstellung begegnen wir sodann in dem kleinen Blättchen des Passahmahles, da die Familie am Tische versammelt den Segensspruch über die genossenen Speisen spricht. Und schließlich sei nur noch des feinen Landschaftsbildchens gedacht, da die ägyptische Königstochter an den Ufern des Nils die ausge* setzte Wiege des kleinen Moses findet und dem Kinde und durch ihn dem ganzen jüdischen Volke zur Retterin wird. — Vor mir ausgebreitet liegen die Hagdahblätter von Joseph Budko; immer wieder muß ich sie be* trachten, da sie mich mit seltener Macht anziehen und ganz in ihren Bannkreis führen. Mit herz* lichem Dank an den Künstler aber will ich diese Zeilen beschließen, die dem bedeutungsvollen Werke allenthalbenweiteste Verbreitung wünschen. Denn nicht nur um eine neue Hagdah handelt essichhier schlecht terdings, nicht nur um eine beachtens* werte künstlerische Leistung, sondern Budkos Werk bedeutet einen neuen Aufschwung der jüdischen Kunst, eine Bereicherung und Belebung unseres Schrifttums und den Weg zu neuen Zielen, zu deren Verwirklichung uns hoffentlich der Schöpfer dieses ersten modernen, von echt jüdischem Geiste getragenen Festbuches noch durch viele Werke seiner Hand geleiten wird. Dr. Karl Schwarz. RUMAENIEN UND SEINE JUDEN. Von Dr. S. Schiffer. VI. RUECKBLICK AUF DIE LAGE DER BALKAN-JUDEN WAEHREND DES RUSSISCH-TUERKISCHEN KRIEGES. DIE PRESSE IM DIENSTE DER JUDEN. Wie erinnerlich, wurden in Rumänien die Judenverfolgungen und Austreibungen gerade zur selben ZeJit inszeniert, als in Paris die Reunion jüdischer Notabein aus allen Ländern über die Verbesserung der Lage ihrer Glaubensgenossen auf der Balkanhalbinsel beriet und der in Konstantinopel zusammentretenden Konferenz der Großmächte eine Denkschrift über diese Frage überreichte. Diese Verfolgungen hatten, wie fast alle ihresgleichen, einen offiziellen Charakter. Seit der Einführung des Schankgesetzes (1873), welches den Juden verbot, Wirtschaften und Gasthäuser in den Dörfern zu pachten und ihnen som'it die Aufenthaltsmöglichkeiten auf dem flachen Lande benahm, hatte sich die Uebung herausgebildet, daß Juden solche Pachtungen auf die Namen von christlichen Strohmännern eingingen. Alle Parteien waren mit diesem Zustand zufrieden, die Bevölkerung, die Pachtgeber nicht minder als die Pächter, am meisten der Fiskus, dem die Steuern zuflössen. In den Händen der Regierung war diese ständig geduldete Umgehung! des Gesetzes eine wirksame Waffe, die sie von Zeit zu Zeit gebrauchte. Diesmal war das ausführende Organ der Präfekt des Distriktes von Vaslui, Neron Lupascu, ein Bruder jenes Lupascu, der 1868 einige Juden in der Donau ersäufen ließ. Auf einmal bekam dieser Würdenträger eine Anwandlung von „Gesetzestreue" und wies aus seinem Distrikt einige Hundert jüdische Familien aus; dabei kam es, wie gewöhnlich, zu Ausschreitungen und Gewalttaten von Seiten der [untergeordneten Organe. Darauf erhob sich, wie gewöhnlich, ein kleiner Sturm in der westeuropäischen Presse, dann kamen Interpellationen in den Parlamenten von Wien und London, darauf Ableugnungen von Seiten der rumänischen Regierung. Diesmal erfuhr die bei solchen Anlässen übliche Reihenfolge der Ereignisse eine Aenderung1, indem der Präfekt Lupascu seines Amtes enthoben wurde und sogar in den Anklagezustand versetzt wer-

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