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Ost und West · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 231 - 232

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Neue Hagadah-Illustrationen von Joseph Budko
Date
1917-07-01
Page
Seite 231 - 232 (sequence 2)
Language
German
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231 Neue Hagadah - Mustrationen von Joseph Budko. 232 Mit besonderer Zähigkeit hat man gerade an der anfechtbarsten Illustration festgehalten, die die Weisen in Bene Berak bei der Feier des Pessach* festes veranschaulichen soll. Der Künstler hat sich nämlich hier an eine venezianische Darstellung einer christlichen Abendmahlsszene gehalten und sogar die Zahl 13 der Tischgenossen — Christus und die 12 Jünger — übernommen! (Nebenbei sei bemerkt, daß auch noch eine andere Hagadah* Ausgabe eine Abendmahlsdarstellung zur Illustrie* rung derselben Szene — jedoch nach einem anderen Vorbilde — übernommen hat, u. zw. die mit Holz? schnitten 1816 bei Wilhelm Haas in Basel erschie* nene, durch ihre neuen klarenTypen beachtens* werte Ausgabe). Eben* falls der Amsterdamer Hagadah entstammt das allgemein bekannte Bild mit den vier verschiede? nen Charaktereigen* Schäften, das in einer Stufenleiter den Weisen am größten und den Einfältigen am kleinsten darstellt. So war denn all* mählich aus dem po* pulären Ritualbuche ein recht dürftiges Konglo* merat geworden, dessen wertlose Ausgaben mit kindisch4inkischen Bil* derbeilagen allenthal* ben verbreitet zu dem erhabenen Texte und dem Geiste des Werkes in krassem Widerspruche stehend den Wunsch berechtigt erscheinen ließen, endlich eine würdige Form für die Hagadah finden zu lassen. Dieser lang gehegte Wunsch (dem der Verfasser bereits vor Jahren in dieser Zeitschrift — XIII. Jahrgang, 1913, Heft 5 ~ Ausdruck verliehen hat) ist nun endlich in Erfüllung gegangen, u. zw. in so voll* endeter künstlerischer Form, daß wir unsere Freude über diese Neuerscheinung mit der Hoffnung ver* binden wollen, die neue Hagadah möge nicht nur als ein Prachtwerk in den Kreisen der Bemittelten und künstlerisch Interessierten, sondern in allen jüdischen Häusern Eingang finden und zu der Hagadah werden, die dem in andächtiger Phantasie versunkenen Leser zur Erhebung und Verinner* lichung gereicht. Joseph Budko stattet ein Festbuch festlich aus. Er schafft kein Bilderbuch, in dem er nur die Er* Zählungen veranschaulicht, sondern verbindet die graphische Darstellung derartig mit dem Text, daß ''K-^--* ■"■ \,^£w «fra^l ■B33l*&l '■: »i» f'r."S- I y" ■• v"-';- J| )■ „s,t;-y^r ' {yßgßf. "■ .. ' '. . il . /^L;|fe >Ä<=sass*^^ ^:"'^!> m&**Btt Die Weisen in Bene Berak ein allen Anforderungen moderner Buchkunst enU sprechendes illustriertes Werk entsteht, indem ein organisches Ganzes gebildet wird, das sowohl künstlerisch wie auch buchtechnisch von hervor* ragender Bedeutung ist. Es sind kleine Radierungen; Ornamente wechseln mit bildlichen Szenen, Initialen eröffnen die wichtigsten Kapitel und zeigen in ihrer Ge? staltung den Zusammenhang mit der sie schmücken? den Stelle. Auf die Schrift ist der größte Wert gelegt; klar und deutlich heben sich die schön ge* formten, in ihrer Einfachheit groß wirkenden Buch* staben von dem ornamentalen und mit Symbolen geschmückten Hinter* grund ab. An man* chen hervorragenden Stellen sind alle drei Kategorien der Dar* Stellung zu einer Ge* samtkomposition ver* schmolzen, so daß hier Schrift, Ornament und Bild einheitlich zusam* menklingen. Man muß diese Blättchen nicht einzeln, wie sie vorläufig er* scheinen, sondern im Zusammenhang mit dem Text betrachten, um sich die in ihnen verwerteten Ideen zu vergegenwärtigen und den gedanklichen wie künstlerischen Reich* tum ihres Schöpfers würdigen zu können. Ein Künstler offenbart hier sein mit der Tradition in* higst verankertes religiöses Empfinden und spricht eine so eindringliche Sprache tiefster Ueberzeugungs* treue, daß jedes Blatt neben der künstlerischen auch eine seelische Harmonie ausströmen läßt, die jeden in ihren Bann ziehen muß. Aber es ist kein sklavi* sches Festhalten an Ueberkommenem, sondern durchaus Selbstempfundenes, dem hier Gestalt ver* liehen wird, und gerade diese wohlabgewogene Mischung von Selbständigkeit und Ueberlieferung gibt diesem Werke eine so große Bedeutung, daß wir es als eine wertvolle Bereicherung der jüdischen Kunst ansehen müssen. Wie die Hagadah selbst als ein abwechslungs* reiches Gebilde von Erzählungen, Gebeten, Lob* preisungen und belehrenden Betrachtungen er* scheint, so hat auch der Künstler die mannig* rachsten Formen der Ausstattung gewählt, die er in ornamentaler Geschlossenheit ebenfalls zu einem wechselvollen Ganzen zusammenschließt.

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