Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1917)
- Article
- Rumänien und seine Juden
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 165 - 166 (sequence 2)
- Language
- German
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165 Rumänien und seine Juden; 166 bringen, wird. Bleichröder drängte darauf, daß dies bei den Verhandlungen über Bulgarien geschehe, der Fürst jedoch antwortete, daß man bei diesem Punkt noch, nicht angelangt wäre, und gab sein Ehrenwort, daß man''mit (Sicherheit darauf rechnen könne." Wie wir wissen, ist das Versprechen ja auch eingehalten worden ünd es sei hier vorweggenommen, daß Bleichröder bald seinen Schutz sogar auf die Russischen Juden ausdehnen konnte. Am 9. Juli 1878 schrieb er an Cremieux: „Gestern hatte ich das Vergnügen, den Grafen Schuwalow eine Stunde lang bei mir zu Gast zu haben; ich sprach mit ihm sehr ernst und offen über die absolute Notwendigkeit für Rußland, in den Fragen der Humanität und der Gerechtigkeit nicht zurückzustehen. Ich (machte ihn iauf die Gefahr aufmerksam, die darin besteht,!den Bewohnern Bessarabiens die Freiheit des Bekenntnisses;zu versagen, welche der Kongreß soeben für Serbien, Rumänien und Bulgarien proklamiert hat. Der Graf Schuwalow, ein Mann von edlem und vornehmem! Charakter, versprach mir, sofort nach endgültigem Friedensschluß dafür Sorge zu tragen, daß die russische Regierung, an deren Spitze er sicher alsbald treten werde, die Gleichberechtigung der Bekenntnisse im Reiche des Zaren 'proklamiere. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß Graf Schuwalow der Mann dazu ist, sein Wort zu halten, koste es, was es wolle." Man sieht, vor den Juden von ganz Osteuropa eröffneten sich damals die weitesten Horizonte. Sogar die Juden Rußlands sollten die Freiheit erhalten. Daß der Kongreß sie den rumänischen unweigerlich bringen würde, war über jeden Zweifel erhaben. Ganz Europa hatte die .Sache der Juden zu der ihrigen gemacht. Unter diesen Umständen mußten natürlich alle Bestrebungen jener rumänischen Juden, .die die Judenfrage als eine innere Landesangelegenheit betrachteten und der Kompetenz des Kongresses entziehen wollten, in Nichts zusammensinken. Man kann es sogar verzeihlich finden, daß sie von der Abb 7. Schnaittach; Oberpfalz, Bayern (Zum Artikel „Alte Almemorgitter") Abb. 4. Gußeiserne Schranken in Kempen (Posen) 1815 (Zum Artikel „Alte Almemorgitter") gegnerischen Partei als Feinde und Verräter des jüdischen Volkes verschrien Wurden. Die Balkanvölker hatten ebenfalls nach Berlin Delegierte entsandt, allein, diese wurden zu den Beratungen des Kongresses nicht zugelassen, auch nicht die Delegierten Rumäniens, (die uns nur zu bekannten Bratianu und Cogalriiceanu,) obgleich dieses Land der Pforte gegenüber seit jeher eine ganz andere Stellung einnahm, jals etwa Serbien, Bulgarien oder gar Montenegro, und der Kongreß an ihm eine schmerzliche Operation vollziehen sollte, während Serbien und Montenegro vergrößert, Bulgarien eigentlich erst geschaffen und seine Grenzen beträchtlich Weiter gezogen wurden als dies der Vertrag von San Stefano tat. Natürlich verhandelten diese Abgesandten mit den Vertretern der großen europäischen Blätter, die aus aller Herren Länder in Berlin zusammengeströmt waren, und suchten sie günstig für ihre Forderungen zu stimmen. Dabei kamen sie in Berührung mit dien Vertretern der Alliance. Der Vertreter Serbiens, Ristitsch, war geneigt, sich den Beschlüssen des Kongresses zu fügen, während die Rumänen auf diesen schlecht zu sprechen waren. DIE VERHANDLUNGEN DES KON¬ GRESSES UEBER DIE JUDENFRAGE. Die Judenfrage stand zum ersten Male am 24. Juni auf der iXagesordnung des Kongresses. Die geschichtliche Wahrheit erfordert, festzustellen, daß Deutschlands und Frankreichs Bevollmächtigte im Verein energisch und warmherzig für die Gleichberechtigung der Juden eingetreten sind. Bismarck zeigte sich auch hierin als unvergleichlicher Meister in der Führung der Debatte und wußte die einzigen Gegner, nämlich die russischen Delegierten, elegant