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Ost und West · 1917-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1917) · p. Seite 29 - 30

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1917)
Article
Gibt es Unterschiede der Begabung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Schülern?
Date
1917-01-01
Page
Seite 29 - 30 (sequence 6)
Language
German
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29 Gibt es Unterschiede der Begabung zwischen jüdischen und nichijüdischen Schülern? 30 gier der jüdischen Rasse" auszulegen nicht müde werden, in den nächsten Geschlechtern den Ausgleich mit den anderen Bevölkerungskreisen gefunden haben. — Die Frühreife ist wohl auch die Ursache der größeren Lebhaftigkeit, die manche Erzieher bei einem Teil der jüdischen Jugend bemerkt haben wollen; der von früher Kindheit an geübte Denkprozeß kann allerdings eine Beschleunigung des Vorstellungsverlaufs herbeiführen, der zu einem Ausweg drängt und dann bei oberflächlichen oder übelwollenden Beobachtern die Anschauungen von mangelhafter Zucht der jüdischen Schuljugend hervorruft. Diese Lebhaftigkeit läßt sich aber unschwer schon im ersten Schuljahr in die für die Schuldisziplin notwendigen Schranken bringen, ja bei richtiger Behandlung der Zöglinge zum Nutzen der Schule verwerten: Willig] folgt das in die Schule eintretende Kind allen Weisungen des Lehrers, wofern er es durch freundliches Entgegenkommen an sich zu fesseln versteht, und unterdrückt aus Liebe zu dem neuen Führer selbst den Reiz, die gewonnenen Eindrücke möglichst rasch weiterzugeben. Der einsichtige Lehrer kann diesen rascheren Denkprozeß eines Teils seiner Zöglinge benutzen, um im fröhlichen Wetteifer die Schwerfälligen aus seiner Schar anzuregen und so seine Arbeit erfolgreich gestalten. In den weiteren Schuljahren bleibt das lebendige Interesse am Gegenstand das unfehlbare Mittel, um jede Störung von vornherein fernzuhalten — dieses Interesse zu erwecken und zu erhalten macht den wahren Lehrer aus. Aus dem Milieu, dem die jüdische Jugend entstammt, finden auch manch' andere Wahrnehmungen ihre Erklärung; so sind die zumeist besseren Leistungen der jüdischen Zöglinge in Mathematik, namentlich Algebra und Arithmetik, eine Folge ihrer Herkunft aus kaufmännischen Kreisen; auf der anderen Seite läßt sich das oft geringe Interesse der jüdischen Schulkinder für Naturwissenschaften und ihre schwächeren Leistungen im Zeichnen, wie auch Nemecek hervorhebt, aus der Enge des Beobachtungskreises erklären, in den sie durch viele Jahrhunderte zwangsweise und auch jetzt noch als Städtebewohner freiwillig gebannt sind. Als feststehende Tatsache gilt schließlich in vielen Kreisen die Annahme, daß die Intelligenz der jüdischen Schüler eine größere ist, und daß sich aus ihr die besseren Leistungen der jüdischen Schülergruppen erklären. Der Intelligenzfaktor spielt aber bei der Beurteilung der Fortschritte der Zöglinge, wie früher erwähnt, nicht die bestimmende Rolle, um vieles mehr bleiben Fleiß und Aufmerksamkeit maßgebend. Hier üben die bestehenden Verhältnisse in der Tat noch einen gewissen besonderen Einfluß aus. Die jüdischen Schulkinder werden sich schon früh der Schwierigkeiten und Hemmnisse bewußt, die ihnen aus ihrer Zugehörigkeit zum Judentum erwachsen, sie müssen allerorten erfahren, welche Kämpfe ihrer später im Leben warten, und wie sie all' diese Hemmnisse und Kämpfe nur überwinden können, wenn sie durch angestrengten Fleiß und angespannte Aufmerksamkeit schon in der Schule möglichst gute Erfolge erringen — mit der tatsächlichen Durchführung der Gleichberechtigung auf allen, auch sozialen und wirtschaftlichen Gebieten wird eine U e b e r Spannung der geistigen Kräfte, die heute öfters beobachtet wird, nachlassen und auf das normale Maß zurückgehen. Daß uns eine A n Spannung aller intelligenten und eifrig strebenden Kräfte gar sehr nottut, wenn; anders wir bei dem von Jahr zu Jahr gesteigerten Wettbewerb unter den Nationen unsere Weltstellung behaupten wollen — dieser Erkenntnis! wird sich wohl kein wahrer Vaterlandsfreund verschließen: Die Zukunft wird deshalb schon an unsere.Jugend immer erhöhte Aufgaben stellen müssen, die sich um so leichter werden erfüllen lassen, eine je größere Zahl anregender und pflichtgewohnter Vorbilder schon in der Schule vorhanden ist. Die freie Entfaltung aller Kräfte hat in unserem Vaterlande erst vor einem Jahrhundert mit der Einbürgerung der deutschen Juden begonnen und ist selbst in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit nicht ohne Störungen geblieben; dennoch ist der reiche Segen, den sie im Gefolge gehabt hat, gerade in der gegenwärtigen ernsten Zeit so recht ersichtlich: Auf allen Gebieten sehen wir die» Kinder unseres Vaterlandes vereinigt zu dessen Schutz und Wehr, hinweggefegt sind alle Besonderheiten, von denen in der Zeit vor dem Kriege über Gebühr namentlich in rückschrittlichen Kreisen die Rede war — die deutschen Juden haben bewiesen, daß sie die gleiche Veranlagung und Befähigung wie ihre christlichen Nachbarn besitzen, auch für solche Gebiete, die ihnen durch gesetzliche oder Verwaltungsbestimmungen bisher verschlossen waren: Der jüdische Soldat zeigt den gleichen Mut, die gleiche Tapferkeit, die^ gleiche Entschlossenheit, die gleiche Fähigkeit des Ueberblicks der Lage in kritischen Augenblicken wie seine christlichen Kameraden, der jüdische Landwirt, Kaufmann oder Gewerbetreibende das gleiche Verständnis für die besonderen wirtschaftlichen Bedürfnisse unseres Landes in dieser schweren Zeit wie sein christlicher Nachbar, der jüdische wie der christliche Beamte widmet in angestrengtester

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