Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 15 (1915)
- Issue
- Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
- Article
- Palästina während des Krieges
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 37 - 38 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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37 Viktor Weißmann: Palästina während des Krieges. 38 Safed. feindlichen Beamten zu wehren hatte, zeigte sie in bewundernswürdiger Weise ihr Verantwortungsgefühl ihrer eigenen Lage gegenüber. Die gesamte jüdische Bevölkerung wußte, daß es sich nicht um die Verfolgung einer Gruppjej, sondern um das Vorgehen gegen die ganze jüdische Arbeit handle. Der greise Jerusalemer Ghachambaschi P r a n c o bekundete in einem sehr energischen und würdevollen Takrir an den Mutessarif von Jerusalem, wie sehr sich die Gesamtjudenlieit Palästinas von den Verordnungen betroffen fühlte. Aber mit einem' Gefühl tiefer Scham muß festgestellt werden, daß sich auch diesmal gewisse Juden gefunden haben, die die „antizionistische" Aktion durcll Denunziationen und Verleumdungen unterstützten. Unterdessen waren aber genauere Nachrichten über die Vorg-änge in Palästina nach Konstantinppel gekommen und die türkische Zentralregierung berief Behaeddin Bey von seinem Posten ab. Mit seiner Abberufung war auch die kritische Periode vorüber. Seinen auffälligsten Ausdruck fand der Sj^stemwechsel dadurch, daß Seine Exzellenz Djemal Pascha, Kommandant der IV. ottomanischen Armee, am ersten Purimtage Tel A w i w und dem Hebräischen Gymnasium in Jaffa einen Besuch abistattete und dem' Direktor auf seine im Lehrerzimmer der Anstalt gehaltene Begrüßungsansprache entgegnete: , ,1 c Ii habe volles Zutrauen zu Euch. . ." Seit dem Besuch Djemal Pascha s im Hebräischen Gymnasium und dem Erla-ß; einer Proklamation, welche die Verbreitimg von Gerüchten gegen die Juden mit Strafe bedroht, hat sich auch die Haltungder Lokal- .und Militärbehörden im Lande den Juden gegenüber wieder geändert. Die Verfolgungen und Verhaftungen haben aufgehört und die jüdische Bevölkerung sieht dem Weitergang der Dinge mit mehr Ruhe und Zuversicht entgegen. Hand in Hand mit der Besserung der yallgemeinpolitischen Lage haben sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse in Stadt und Land etwas konsolidiert. Die Arbeit wird jetzt nicht mehr von außen gestört, die drückenden Requisitionen haben größtenteils aufgehört und das Gefühl der Sicherheit hat sich sogar in den kleineren entfernter gelegenen Kolonien infolge der Anwesenheit eines großen und disziplinierten Heeres im Lande erhöht. Trotzdem bleibt die ökonomische Lage sehr kritisch. Denn Palästina ist eben infolge seiner primitiven 'Wirtschaftsstruktur mehr als ein anderes Land von den indirekten Polgen des Krieges bedroht. Der Kaufmann kann schon seit sechs Monaten keine frischen "Waren aus Europa beziehen, den industriellen Unternehmungen und dem Handwerker mangelt es an Rohstoffen und die jüdischen Kolonien in Judäa, die nur auf dem Export. ihrer Erzeugnisse aufgebaut sind, können ihre diesu jährige Ernte nicht auf die europäischen Märkte bringen. Hierzu kommt noch die Schließung der Anglo Palestine Company, die gerade durch ihre Schecks den ganzen jüdischen Jischub und