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Ost und West · 1915-01-01 · Heft 1-5 (Januar-Mai 1915) · p. Seite 39 - 40

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Journal
Ost und West
Volume
15 (1915)
Issue
Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
Article
Palästina während des Krieges
Date
1915-01-01
Page
Seite 39 - 40 (sequence 5)
Language
German
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39 Viktor Weißmann: Palästina während des Krieges. 40 einen großen Teil der arabischen Bevölkerung (besonders in Jerusalem and Jaffa) vor einem 'finanziellen Zusammenbruch.' gerettet hfat. .Aga stärksten mußte sich gleich von Anfang an die wirtschaftliche Krisis in Jerusalem, Saffed .und Tiberias fühlbar . machen. Die jüdische Bevölkerung, die hier auch in normalen Zeiten nicht von eigener Arbeit lebt, sondern auf die Spenden der Chalukkah aus Rußland, Galizien und Amerika angewiesen ist, war auf einmal aller ihrer Existenzmittel beraubt and dem Hungertod preisgegeben. Hätten hier nicht die amerikanischen Juden eingegriffen, so wäre es zweifelsohne zu einer Hungersnot schrecklichster Art gekommen. Allein in Jerusalem werden jetzt 18 000 Seelen aus den Mitteln des amerikanischen Hilfsfonds kostenlos mit Lebensmitteln versorgt, abgesehen von den andern Maßregeln '(Leihkassen, Unterstützungen an Schulküchen''usw.),: die mit Hilfe der amerikanischen Gelder ge tröffen wurden. . Weniger Hart wirkte die europäische Krisis auf die jüdische Bevölkerung in Jaffa und Haifa. Erst durch die Schließung der Bank und durch;; die drückenden Requisitionen wurde die Lage; kritischer. Hier, wo vorwiegend eine produktive jüdische Bevölkerung wohnt, hat man es gleich von'Anfang an verstanden, sämtliche Wirtschaftstfaktoren zusammenzuschließen und mit Hilfe der amerikanischen Gelder die drohende Not abzuwenden. Mit Hilfe des amerikanischen Hilfsfonds und der Immobiliengesellschaft Palästina ging man daran, größere Nivellierungs- und Wegearbeiten in Jaffa und in Haifa auf den Grundstücken des neu geplanten Stadtviertels auszuführen. Man verteilte Brot an die Aermsten, gründete Leihkassen, in denen der wohlhabendere Teil der Bevölkerung, der bisher von den ihm aus dem Auslände zufließenden Geldern lebte, gegen Pfänder Darlehen erhielt, gewährte Darlehen für öffentliche Arbeiten und richtete Geschäfte ein, die die arme Bevölkerung vor den Spekulanten schützen konnten. In den judäischen Kolonien mußte die allgemeine Krisis durch die Unmöglichkeit, die diesjährige Wein-, Mandel- und Orangenernte zu exportieren, recht hart fühlbar werden. Auch die Requisitionen haben sehr drückend auf die Kolonisten gewirkt. Außer den Requisitionen vieler Pferde und Wagen mußten die Kolonisten oft wochenlang die Gespanne, die ihnen noch geblieben waren, für Regierungs- oder militärische Arbeiten hergeben. Erst mit der Besserung der allgemeinen politischen Lage, nachdem m!a,n den OFeldwächtern der judäischen Kolonien wieder gestattete, Waffen zu halten, und nachdem auch die Reqaisitionen ein Ende nahmen, änderten sich die Verbältnisse. Allerdings ist die Lage noch immer äußerst kritisch: Die Orangenernte muß jetzt als beinahe völlig verloren angesehen werden. Die Orangen verfaulen entweder auf den Bäumen oder werden zu einem Preise, der kaum die Spesen für das Pflücken deckt — 100 Stück für 20 Centimes —, an Ort und Stelle verkauft. f)ie diesjährigen Wein- und Mandelerträge konnten nur zum geringsten Teil exportiert werden. In allen Kolonien macht sich ein großer Geldmangel bemerkbar und für die Erhaltung der jüdischen Pflanzungsbojaren, die im Umfange von zirka 10000 Dunam und im Werte von mehr als 15 Millionen Pranken den Stolz und den größten Reichtum der jüdischen Kolonien darstellen, bleibt nur die Hoffnung, daß das geforderte Darlehen von 500 000 Pranken (gleich 50 Pranken pro Dunam) durch' die Bemühungen der amerikanischen Zionisten aufgebracht wird*). Wichtig für die Kolonien ist auch die Beschaffung von Petroleum für die Bewässerungsmotoren in den Orangerien. Im Lande selbst gibt es fast kein Petroleum mehr. Das Palästina-Amt der zionistischen Organisation verhandelt wegen des Iniports von 50 000 Kisten mit der Vacuum iOil Cy. Ein Teil dieses Quantums soll der arabischen Bevölkerung zur Verfügung; gestellt werden. Hoffentlich kommt ein Petroleunischiff aus Amerika direkt nach Palästina, denn die heißen Monate rücken immer näher heran und die Kolonisten sind über die Lösimg dieser Präge sehr beunruhigt. In den G a 1 i 1 ,ä i s c h e n Kolonien , wo die Wirtschaften größtenteils auf dem reinen Ackerbau aufgebaut und wo auch die landwirtschaftlichen. Nebenzweige (Gemüse, Milchwirtschaft, Geflügelzucht) mehr oder weniger entwickelt sind und die Kolonisten ihre Bedurfnisse aus der eigenen Wirtschaft decken können, war die Krisis nicht so stark fühlbar wie in Judäa. Für viele judäische Kolonisten war dieses Beispiel eine Lehre und man kann in den großen judäischen Kolonien konstatieren, daß ein Teil der Kolonisten heute schon von der reinen Pflanzung'swirtschaft zur gemischten Wirtschaft mit Gemüsebau usw. übergeht. Sehr viele Kolonisten haben in diesem Jahre in P etach-Tikw ah, Rischon le Zion, R e ch o h o t h.'Putterfrücihte für das1 Vieh, Gemps'e und etwas Getreide angebaut. Als wirtschaftlicher Faktor haben die zionistischen Farmen — die Betriebe des Jüdischen Nationalfonds und der Palestine Land Development Company — eine besondere Rolle gleich von Anfang der Krisis an gespielt. Die sehr bedeutenden Weizenvorräte der galiläischen Wirtschaften haben dazu gedient, monatelang einen großen *) Diese Anleihe für die i^alästinensischen Orangenplantagen ist soeben durchgeführt worden. Es wurde hierfür eine »Summe von 600 000 Franken gezeichnet. Diese Zeichnungen verteilen sich wie folgt: von Jacob H. Schiff 100 000 Fr. Julius Rosenwald 50 000 .. „ Adolf Lewisohn 12 500 ,, Daniel Guggenheim 12 500 .. „ Baron Edmund Rothschild 200 000 :. .. der Jüdischen Kolonialbank 100 000 „ vom Jüdischen National - Fonds 100 000 „ „ Provisorischen Executiv - Komitee für allgeni. zionistische Angelegenheiten 25 000

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